Große Sorgen

Kommt ein Handymast ins Gschnaidt oder nicht? Den Vorwurf, man hätte von Seiten der Gemeinde nicht alles erdenklich Mögliche unternommen, um diese heikle Entscheidung nicht über die Köpfe der Bürger hinweg zu fällen, kann man Bürgermeister Heribert Kammel und seinem Gemeinderat nicht machen. Im Rahmen einer Bürgerversammlung gaben die Experten Dr. Lebrecht von Klitzing und Hans Ulrich-Raithel erneut Auskunft zu dem Thema.

Da Dr. von Klitzing aus Lübeck bei einer vorher stattgefundenen Anhörung nicht anwesend sein konnte, kam es zu der erneuten Bürgerversammlung zum Thema Mobilfunkmast im Gschnaidt bei Altusried/Kimratshofen. Der Humanmediziner ist auch anerkannter Medizinphysiker, er bewertet also die Einflüsse der Umwelt auf den menschlichen Körper. Erneut hat sich Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut in München auf den Weg ins Allgäu gemacht, die Zusammenfassung der Referate beider Experten war für die Zuhörer wiederum ernüchternd. Wer sich erhofft hatte, man könne die Errichtung des Sendemastes verhindern, wurde enttäuscht. Wenn man es schafft, mit der Betreiberfirma in konstruktive Gespräche einzutreten, könnte das Ziel Immissionsminimierung ein Stück näher rücken. Dass ein Mobilfunknetz nicht komplett ohne elektromagnetische Abstrahlung arbeiten kann, ist jedem klar. Aber haben wir uns nicht schon an jede Menge von Strahlung gewöhnt? Die Mikrowelle in der Küche, das schnurlose Telefon, das Radio. Auch das Radio? Die Abstrahlung eines Ukw-Senders ist so stark, dass sie einen Gasballon abstürzen ließ. Auch die getöteten Piloten hielten die Anlagen bis zu diesem Zeitpunkt für harmlos. Nicht zu vergessen der Absturz eines Tornados der Luftwaffe in der Nähe des Senders bei Holzkirchen. Das „fly-by- wire“- System (der Computer fliegt und sendet Steuersignale elektrisch) wurde so stark gestört, dass der Pilot manuell nicht dagegenhalten konnte. Frage- und Antwortspiel Man muss sich aber nicht zwangsläufig mit immer mehr Strahlung abfinden. Die Bürgerinitiative „Sendemastfreies Gschnaidt und Allgäuer Umland e.V.“ hat dieses Ansinnen in einen Slogan umgemünzt, der lautet: „Minimale Strahlung – optimale Lebensqualität“. Nach einer Begrüßung durch Christine Strauch, Sprecherin der Initiative, bekam Bürgermeister Kammel ein T-Shirt mit diesem Aufdruck geschenkt. Da im Saal der Alten Post einige Zuhörer saßen, die bestens vorbereitet und fachkundig waren, entwickelte sich ein interessantes Frage- und Antwortspiel. Im Zuge dessen musste Kammel auch einmal den Redefluss eines Juristen abwürgen. Ulrich-Raithel wies etwas entnervt darauf hin, dass er das Thema nun zum x-ten mal behandelt und den Schuh, er würde nicht umfassend informieren, wolle er sich nicht anziehen. Fragen nach dem behördlichen Digitalfunk, Antennenausrichtung, bereits wieder abgebauten Masten, Auswirkungen auf den Organismus und Maßnahmen gegen den Betreiber O2 brennen den Menschen auf den Nägeln. Aber die Zeit wird knapp, auch wenn der Altusrieder Rathauschef das Oberallgäuer Landratsamt um eine möglichst langsame Bearbeitung gebeten hat. Spätestens in einem Jahr muss die Entscheidung stehen.

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