Drei "Fünfundsiebziger", drei Ehrenamtsleben, drei Ehrenkrüge

Großer Dank und hohe Anerkennung

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Gleich drei langjährigen Stadträten konnte OB Thomas Kiechle zum 75. Geburtstag gratulieren: In der ersten Reihe nahmen dafür Platz Gert Frings (2.v.l.) neben seiner Frau Anni Frings, Siegfried Oberdörfer (Mitte) und rechts daneben Lothar Köster mit seiner Frau Eva Bruns.

Kempten – Insgesamt bringen es die drei Jubilare auf 71 Jahre Stadtratstätigkeit und jeder einzelne von ihnen heuer auf 75 Lebensjahre.

Zu einer gemeinsamen Feier waren die beiden noch aktiven SPD-Stadträte Lothar Köster und Siegfried Oberdörfer sowie der ehemalige Republikaner-Stadtrat Gert Frings auf Einladung von OB Thomas Kiechle vergangenen Dienstag in die Schrannenhalle des Rathauses gekommen. „Mit Ihrem Einsatz haben Sie zur positiven Entwicklung unserer Stadt beigetragen“, würdigte Kiechle das persönliche und „zeitaufwendige Engagement“ der Geburtstags„kinder“, von denen jedes mit einem Ehrenkrug der Stadt Kempten bedacht wurde.

Jeder von den drei Kommunalpolitikern habe sich vielfach, „mit jeweils eigenen Schwerpunkten“ engagiert, mit der Gemeinsamkeit: „dass Sie immer wieder auf Freizeit verzichtet“ und zum Wohl der Stadt „eigene Interessen zurückgestellt haben.“ Insgesamt 22 Jahre lang saß Gert Frings für die Republikaner im Stadtrat, von 1990 bis 1996 als Beauftragter des Stadtbauhofs und als „Nachrücker“ erneut ab Oktober 1998 bis zu seinem Ausscheiden 2014. Kiechle würdigte u.a. sein Pflichtbewusstsein und dass er ihn als einen Menschen erlebt habe, der „stets auch von Respekt anderen gegenüber geprägt war“. Nach der Rathausmedaille in Silber, die Frings im Jahr 1996 erhalten hatte, ist der Ehrenkrug der Stadt Kempten die zweite kommunale Auszeichnung, die ihm nun zuteil wurde. 

Ebenfalls mit einer Unterbrechung bringt es Lothar Köster auf 26 Jahre Angehörigkeit im Stadtgremium, erstmals von 1972 bis 1986. Daneben engagierte er sich ehrenamtlich als zweiter Vorsitzender des Kleinkunstvereins „Klecks“ und leitete von 1975 bis 1986 den Filmclub „e69“. Nach seinem beruflich bedingten Intermezzo in Nürnberg wieder zurück in Kempten, leitete er als Mitglied der Stadtverwaltung 16 Jahre lang das „Haus der Senioren“ (heute „Altstadthaus“), bevor er 2008 wieder in den Stadtrat einzog und sich als langjähriger Beauftragter für Senioren, Menschen mit Behinderung und Heime „weit über das übliche Maß hinaus“ engagiere, so Kiechle. 

Denn lange Zeit habe Köster, u.a. auch durch seine parallele Beauftragtenfunktion für Menschen mit Behinderung der Stadt Kempten, „ein großes Pensum“ geleistet. Neben seinem „höchsten Einsatz“ bei der Entwicklung des „Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts“ sowie Vorarbeit für den „kommunalen Aktionsplan zur UN-Behindertenkonvention“ ist Köster Mitglied in zahlreichen Ausschüssen und Beiräten, an denen ersichtlich sei, dass ihm die sozialen Themenfelder ganz besonders am Herzen liegen, bedankte sich Kiechle für Kösters Wirken. „Jugend, Schule, Kultur und vor allem Soziales sind Ihre politischen Schwerpunkte“, fuhr er fort. Und dafür setze sich Köster auch in seiner Partei, der SPD, ein, für die er von 1982 bis 1986 auch im Landtag gesessen sei. 

„Ihr außerordentliches bürgerschaftliches Engagement in unterschiedlichen Bereichen verdient hohe Anerkennung“, zollte ihm der Oberbürgermeister Respekt. Seit 1996 ohne Unterbrechung gehört der pensionierte Konrektor an der Staatlichen Realschule Kempten Siegfried Oberdörfer dem Stadtrat an und bringt es zum Ende der Legislaturperiode im kommenden Frühjahr auf 24 Jahre, in denen er „dieses Amt mit großem Einsatz und Engagement“ ausführe, wie Kiechle sagte. Unter anderem als SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzender, über 16 Jahre als Beauftragter des Stadtrats für Integration und in zahlreichen Ausschüssen. Der soziale Bereich, Integration und Asyl seien die Schwerpunktthemen in Oberdörfers Stadtratsarbeit und er habe, so Kiechle, „über die Jahre vieles unterstützt und angestoßen“. Lenkungsgruppe Soziale Stadt Thingers-Nord zur Gründung des Integrationsvereins „Ikarus Thingers“, Gründung des Integrationsbeirats, „Wegweiser für Migrantinnen und Migranten“, die Einführung der jährlichen Einbürgerungsfeier oder die intensive Begleitung des Themenfelds Asyl ab 2015 sind nur einige Projekte des umtriebigen SPD-Stadtrats. 

„Sie hatten immer ein offenes Ohr für alle Anliegen der Bürgerinnen und Bürger wie auch der Migrantinnen und Migranten“, hob Kiechle vor allem Oberdörfers Integrationsarbeit hervor, die er „mit viel Herzblut und Leidenschaft wahrgenommen“ und dadurch „zum Erfolg der Integrationsprojekte, Begegnungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote beigetragen“ habe. Darüber hinaus sei er Initiator zahlreicher Ausstellungen gewesen, seit 1971 politisch in der SPD im Einsatz, habe initiiert, dass Delegationen von Kemptener SchülerInnen seit 1996 zu den Schülerolympiaden in der ganzen Welt unterwegs sind und diese eine Zeitlang auch geleitet. „Es ist eine Fülle an ehrenamtlichem und herausragendem Engagement, das Sie über Jahrzehnte hinweg geleistet haben“, sagte Kiechle als er ihm – nach der Kommunalen Verdienstmedaille in Bronze im Jahr 2017 – als weiteres Zeichen der Wertschätzung den Ehrenkrug der Stadt überreichte. „Sie sind in diesem Kreis hier nicht allein“, richtete Kiechle sich abschließend an die drei Jubilare und blickte in die Runde der Gäste unter anderem aus Wegbegleitern sowie Vertretern der Stadtverwaltung und -politik. Sie alle eine das Gefühl, sich für das Wohl der Menschen einzusetzen. 

„Für mich ist es ein Glück, mit Menschen Ihres Schlages, Ihres Charakters arbeiten zu dürfen“, so der OB. Stellvertretend für Köster und Frings meinte Oberdörfer, „das Ehrenamt hat natürlich Zeit gekostet und hat einen manchmal auch geärgert. Aber es hat auch Spaß gemacht“. Es könne einem auch über schwere Zeiten hinweghelfen, wie er selbst es nach dam Tod seiner Frau vor sechs Jahren erfahren habe. Wichtig sei aber vor allem, dass es bei der ehrenamtlichen Arbeit nicht um den Dank dafür gehe, „sondern man entwickelt sich persönlich weiter und lernt viel dazu“. Deshalb sein Appell an die Jugend, das aufzunehmen. 

Christine Tröger

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