Abschied vom Müffelbunker

Der Pavillon des Hildegardis-Gymnasium ist bald Geschichte

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Wem der Abschied schwerfiel, der konnte gegen eine Spende Pavillonluft im Glas (Titel: „Das ganz besondere Pavillon-Gefühl. Duftnote: 6“) für zu Hause erwerben. Ein paar der Schülerinnen und Schüler wagten den Dufttest – mit sichtbarer Wirkung. 
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Im Sommer wird er abgerissen, der fast schon legendäre Pavillon des Hilde. Nicht im Bild: Der Geruch.

Kempten – Selten wurde ein Gebäude mit einem solch rauschenden Abschiedsfest verabschiedet, wie der Pavillon des Hildegardis-Gymnasiums am vergangenen Donnerstagabend. Doch schließlich ist der unscheinbare eingeschossige Flachdachbau etwas ganz Besonderes. Das wissen alle, die ihn je ohne Schnupfen betreten haben. 

Schulleiter Markus Wenninger nannte ihn in seiner Abschiedsrede „das wohl legendärste Schulgebäude Kemptens“. „Ein architektonisches und aromatisches Meisterwerk“, sei er, fand Gudrun Schöner, Vorsitzende des Freundeskreises des Hildegardis-Gymnasiums augenzwinkernd. Mit weniger freundlichen Worten könnte man auch sagen: modrig, muffig und düster ist´s im Pavillon. Deshalb wird er im Sommer abgerissen. An seine Stelle treten teils überdachte Fahrradstellplätze.

Am 12. November 1976 wurde das circa 400 Quadratmeter große Gebäude eingeweiht. Es sollte die Raumnot an der Schule lindern. Im Lauf der Zeit wurden die fünf Räume dann als Klassenzimmer, für die Offene Ganztagesschule, als Ausweichräume, Lehrerzimmer, Abstellräume, Oberstufenzimmer und zuletzt Proberäume für die Bigband genutzt. Wer immer sich hier aufgehalten hatte, konnte sofort am Geruch erkannt werden, denn das Müffeln kroch blitzschnell in Kleidung und Haare. „Seit 20 Jahren wird über seinen Abriss gesprochen – wer hätte das gedacht, dass es jemals so weit kommt? Aber wenn so ein Gebäude geht, muss man sich verabschieden“, waren sich Wenniger und Schöner in ihren Reden einig. Daher hatten Lehrer und Schüler ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt, zu dem hunderte Eltern und Interessierte herbeigeströmt waren.

Im Pavillon selbst inszenierte das „Hilde-Theaterlabor“ mit viel Aufwand, tollen Kostümen und großer Spielfreude das „Dschungelbuch“. Die Schülerinnen der Berufsfachschule für Ergotherapie hatten die Räumlichkeiten gemeinsam mit ihrer Lehrerin Anita Weißenbach eigens in einen Urwald verwandelt. In und um den Pavillon traten zudem das Unterstufen-, und das Oberstufenorchester, das Bläser-

ensemble und die Nachwuchsbigband sowie der Oberstufenchor der Schule auf. Das P-Seminar der Q11 bat ehemalige Schüler, ihre Erinnerungen an die Zeit im Hilde niederzuschreiben, es gab eine große Tombola und in der Turnhalle wurde Pavillonduft in Marmeladengläsern verkauft. Der Erlös kommt der Ausstattung des neuen Theatersaals mit zeitgemäßer LED- und Bühnentechnik zugute.

Furioser Paukenschlag zum Abschluss der Feier war der Auftritt der Lehrer-/Schülerband. Deren Plan, unter dem Motto „Krach vom Dach“ auf dem Dach des Pavillons zu spielen, musste aufgrund des schlechten Wetters aufgegeben werden. Stattdessen verwandelten die ganz offensichtlich leidenschaftlichen Rockmusiker die Turnhalle mit druckvoll dargebotenen Stücken von AC/DC, Guns‘n‘Roses, Motörhead und Metallica dank aufgedrehten Verstärkern, umwerfender Energie und brettharten Rhythmen in eine Rockarena. Ein wahrlich würdiger Abschied.

Sabine Stodal

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