Großes Interesse

Nach der zum Teil massiven Kritik an den Umgestaltungsplänen für den Hildegardplatz versuchen OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und die Bauverwaltung nun die Bürger mit ins Boot zu holen. Allein in der vergangenen Woche hatten die Kemptener die Gelegenheit, auf dem „Markt der Meinungen“ ihre Ideen und Vorschläge vorzustellen. Diese Möglichkeit nutzten offenbar mehr Bürger als gedacht, wie OB Netzer im KREISBOTEN-Interview erklärt.

Der Stadtrat hat sich nach langen Diskussionen auf ein Konzept zur Umgestaltung des Hildegardplatzes geeinigt. Wieso halten Sie daran nicht fest, sondern rufen nun die Bürger dazu auf, Vorschläge einzureichen? Netzer: „In zahlreichen Gesprächen mit den Kemptenern seit dem Bürgerentscheid wurde klar, dass viele den jetzigen Gestaltungsvorschlag ablehnen. Unklar ist aber, was sie eigentlich wollen. Da gibt es sehr unterschiedliche Vorschläge, die sich teilweise widersprechen. In einer solchen Situation gilt es, Transparenz herzustellen, die Ideen und Gedanken aller interessierten Bürger zu sammeln und dann der Öffentlichkeit zu präsentieren.“ Sie waren nun bereits dreimal seit Mittwoch am Hildegardplatz vor Ort. Wie war die Resonanz der Bevölkerung? Netzer: „Die Resonanz ist noch besser als wir gedacht haben. Immer wieder sagen uns die Leute, dass es gut ist, wenn wir zu ihnen kommen und sie frank und frei ihre Meinung äußern können. Die rege Diskussion zeigt, dass es richtig und notwendig war, den ‘Markt der Meinungen’ zum Hildegardplatz noch einmal zu öffnen.“ Wie wird Ihre Aktion im Internet angenommen? Netzer: „Wir sehen an den Klickzahlen, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich online informieren. Zahlreiche und teils aufwändig ausgearbeitete Gestaltungsvorschläge erreichen uns per E-mail. Außerdem findet Austausch auf unserer Kempten-Seite bei Facebook statt.“ Kristallisiert sich bereits ein eindeutiges Meinungsbild heraus? Netzer: „Nein, die Vorschläge sind sehr unterschiedlich. Sie gehen von ‘lasst doch den Platz so wie er ist, verbessert lediglich die technische Infrastruktur für die Marktstände’ bis zur Aufforderung, den vom Stadtrat beschlossenen Gestaltungsvorschlag exakt so umzusetzen. Die Themen, die immer wieder angesprochen wurden, sind die Anzahl der Stellplätze, Wiederaufstellen eines Brunnens, Bäume und Sitzgelegenheiten, Reminiszenz an den Schlangenbach, die Art des Belages und ein kleines Gebäude zur gastronomischen oder marktähnlichen Nutzung.“ Ursprünglich sollte bereits im kommenden Jahr mit dem Umbau begonnen werden. Verzögert der „Markt der Meinungen“ das Projekt? Netzer: „Nicht im kommenden Jahr, sondern im Herbst 2013 sollten die vorbereitenden Baumaßnahmen durchgeführt werden. Für das Jahr 2014 war die eigentliche Umgestaltung gemäß Stadtratsbeschluss vom 9. Dezember vorgesehen. Deshalb bringt der ‘Markt der Meinungen’ keine Verzögerung.“ Wie sieht der weitere Zeitplan aus? Netzer: „Wir werden in den Haushaltsberatungen für das nächste Jahr im November besprechen, bereits 2012 und 2013 Finanzmittel bereitzustellen. Je nach Verlauf der jetzigen Diskussion könnte 2012 noch begonnen werden.“ Ralf Oberbauer bedauert, dass es bisher zu keinem Gespräch zwischen Ihnen gekommen ist. Stehen Sie für ein solches zur Verfügung? Netzer: „Sehr viele Kemptener haben mit mir seit dem Bürgerentscheid im April über den Hildegardplatz gesprochen. In den letzten Tagen war dieser Gedankenaustausch beim ‘Markt der Meinungen’ sehr intensiv. Leider hat Herr Oberbauer den bereits im April angekündigten ausgearbeiteten Gestaltungsvorschlag bis heute nicht abgegeben und auch nicht mit mir besprochen.“

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