"Grüne Position stärken"

Thomas Hartmann wird für die Grünen im Wahlkreis 257 Oberallgäu bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr kandidieren. Das haben die Mitglieder der Kreisverbände Kempten, Oberallgäu und Lindau in der vergangenen Woche beschlossen (der KREISBOTE berichtete). Der selbständige Energieberater sieht seine Stärken nach eigener Aussagen in den Themen Energieversorgung und Klimaschutz. Der 45-Jährige hat bereits zweimal in Kempten für den Posten des Oberbürgermeisters kandidiert und sitzt im Stadtrat der Fraktion Grüne/Kempt’ner Frauenliste vor.

22 der 29 Grünen-Mitglieder, die bei der Nominierungsversammlung im Haus International stimmberechtigt waren, sprachen sich für Hartmann als Kandidaten aus. Im September wird dann sein Name auf dem Wahlzettel stehen, auf dem der Wähler seine Erststimme abgibt. Er interessiere sich schon seit seiner Jugend für die Politik, erklärte Hartmann, der seit 1994 bei den Grünen ist. Er habe stets versucht, sich politisch weiterzuentwickeln, warb er für sich. „Ich sehe eine Chance, unsere grüne Position im Allgäu zu stärken.“ Inhaltlich nannte er vor allem die Energieversorgung als eines seiner zentralen Themen. „Der Atomausstieg ist alternativlos“, gab er sich überzeugt. 15 Prozent des Stroms werde heute in Deutschland aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Das habe man vor zehn Jahren nicht für möglich gehalten. Die Schwierigkeiten auf diesem Gebiet seien nicht technischer, sonder wirtschaftlicher Natur. Eine neue Finanzordnung möchte er den Menschen nahe bringen, erklärte er den Mitgliedern. Der Kapitalismus unterschreibe zur Zeit ja praktisch seine eigene Patientenverfügung. Zu Auslandseinätzen der Bundeswehr äußerte er sich deutlich: „Auslandsverteidigung gibt es eigentlich nicht. Die Entscheidung zum Thema Afghanistan ist einfach zur treffen: Raus“, so Hartmann. Auch für die Landwirtschaft wolle er eintreten. Die Landwirte, so Hartmann, seien für Deutschland wichtiger als die Banker. Trotzdem genießen die Banker ein höheres Ansehen, „da muss sich was ändern.“ Was ist mit der Linken? Auch parteipolitischen Fragestellungen von Seiten seiner Parteikollegen musste sich der Stadtrat stellen. Ein Rot-Grün wie vor zehn Jahren könne es auf absehbare Zeit nicht mehr geben, denn „die SPD hat sich den linken und jetzt mit Clement auch den rechten Flügel abgeschnitten und wundert sich jetzt, dass sie nicht mehr fliegen kann.“ Die buchstäbliche Gretchenfrage stellte ihm sein Fraktionskollege Eduard Bühler, der wissen wollte: „Wie hältst du es mit der Linken?“. Eine stalinistische Altlast, wie Joschka Fischer es einst formuliert habe, sei die Linke nicht, betonte Hartmann. Auch nach der Nazi-Diktatur sei es schließlich nicht möglich gewesen, die Bundesrepublik nur mit Regimegegnern aufzubauen, verglich er. „Menschen, die bei der Stasi waren, müssen sich auch weiterentwickeln“, so Hartmann. Auf Erfolgen aufbauen Rund drei Viertel der Anwesenden stimmten in geheimer Wahl für Hartmann, vier enthielten sich, drei stimmten dagegen. Die Grünen wollen auf den guten Ergebnissen der vergangenen Kommunal- und Landtagswahlen aufbauen und bei den anstehenden Europa- und Bundestagswahlen ebenso gut abschneiden, erklärte der Vorsitzende des Kemptener Kreisverbandes, Rüdiger Dittmann. Hartmann versprach, sich bei den bayerischen Grünen zudem für einen guten Platz auf der Landesliste einzusetzen. Die Landesversammlung treffe Ende Januar ihre Entscheidung über die Liste.

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