Ein "Marshallplan mit Afrika" soll künftig Flucht vermindern. Ein realistischer Plan?

Die Grüne Seite: Paradigmenwechsel in der Entwicklungsarbeit

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Afrika ist stark geprägt von kleinbäuerlicher Struktur, wie hier im Äthiopischen Hochland.

Bis 2015 waren die massive Flüchtlings- bzw. Migrationsbewegungen aus unserer europäischen Sicht eher Problem und Krise anderer. Das änderte sich schlagartig, als plötzlich über eine Million geflüchteter Menschen über die Balkanroute kamen. Dass die nächste große Migrationswelle schon bald aus Afrika nach Europa schwappen könnte, ist ein Szenario, das nicht nur in Deutschland gesehen wird.

Es werden sicher nicht die Bitterarmen sein, die es sich leisten können aufzubrechen, sondern vor allem Menschen der Mittelschicht, die sich davon eine Zukunft für sich und ihre Familien erhoffen. Spurlos würde das sicher auch an Kempten nicht vorbeigehen: bis zu 1000 Menschen insgesamt sollen Platz in der Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Ari-Kaserne finden können sowie für einen längeren Aufenthalt in dezentralen und Gemeinschaftsunterbringungen in der Stadt. Vor kurzem hat Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, seinen „Marshallplan mit Afrika“ als Marschroute zu einer neuen Partnerschaft für Entwicklung, Frieden und Zukunft vorgelegt und damit einen sicher notwendigen Paradigmenwechsels in der Entwicklungshilfe eingeläutet – ein Begriff, der für ihn ausgedient hat. Entwicklungszusammenarbeit oder besser noch Entwicklungspartnerschaft lautet stattdessen das Credo der Stunde, um Flucht zu vermindern. Müller schwebt dabei eine Kooperation auf Basis von Werten und Interessen vor, für die auch afrikanische Ideen und Strukturen genutzt werden sollen.

Der Marshallplan fußt auf drei Säulen:

1. Wirtschaft, Handel und Beschäftigung

2. Frieden, Sicherheit und Stabilität

3. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte

Als tragfähiges Fundament setzt Müller auf Ernährung und Landwirtschaft, Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, Energie und Infrastruktur sowie Gesundheit, Bildung und soziale Sicherung.

Können damit verkrustete Strukturen, Korruption, kleptokratische Autokratien, islamistischer Terror, Hunger, Armut, Perspektiv- und Arbeitslosigkeit beseitigt werden? Die Plünderung der Rohstoffe; Sandräuber, die ganze Strände verschwinden lassen; illegale Fischfangflotten, die den Fischern ebenso die (Über-)Lebensgrundlage rauben wie europäische (zunehmend auch chinesische) Großkonzerne, die durch Landnahme (so genanntes Landgrabbing) riesige Anbauflächen für den Bedarf an Lebensmitteln oder Biosprit im eigenen Land ausbeuten? Sind es die richtigen Maßnahmen, um die rasant wachsende junge Generation Afrikas in ihrem kreativen Ideenreichtum und Tatendrang zu unterstützen, zu fördern und zu befähigen? Und können bei alldem die sinnvollen und funktionierenden, oft über viele Generationen gewachsenen Strukturen überleben? Wie lange wird es dauern, bis der Plan Früchte trägt? Ein paar erste Erfolge kann Müller schon jetzt verbuchen, unter anderem in den Bereichen Kommunal- sowie Klinikpartnerschaften, Ausbildung von Solartechnikern, Maurern und Verschalern in Gaza, bei der Installation eines anonymen Notrufs für Frauen in Textilfirmen in Bangladesh... – Tropfen auf den heißen Stein, mag mancher sagen. Aber muss man nicht einfach einmal anfangen?

Warum die Flüchtlingskrise möglicherweise erst beginnt

Zahlen des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen ­(UNHCR) sprechen für sich: Mehr als 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, innerhalb Afrikas über 4,4 Millionen.

Laut Müller werden bis 2050 über zehn Milliarden Menschen unseren Planeten bevölkern, zwei Milliarden Babys werden bis dahin allein in Afrika das Licht der Welt erblicken. Damit wird die Hälfte der Bevölkerung Afrikas unter 25 Jahren sein – ohne Perspektive auf einen festen oder gar gut bezahlten Job. „Junge Menschen sind oft nicht einmal schlecht ausgebildet“, die Arbeitslosigkeit ist dennoch hoch, berichtet Bernhard Simon, CEO des weltweit agierenden Kemptener Logistikunternehmens Dachser SE, von Erfahrungen u.a. in Marokko. Diese Menschen sähen natürlich die Möglichkeiten, die es bei uns gibt und – den Zaun. „Das schafft gewaltigen Druck.“ Mit fairen wirtschaftlichen Bedingungen könne man aber auch dort Perspektiven schaffen. Aufgrund der sowohl geographischen wie historischen Nähe zu Frankreich und Spanien und deren Märkten sieht Simon eine „partnerschaftliche Anbindung“ der Maghreb-Staaten an Europa als unumgänglich, was in Folge Arbeitsplätze dort schaffe. „Ich kennen keinen der nach Europa will, wenn er dort einen guten Job hat.“ Einfach gesagt: „Bildung und Arbeitsplätze sind der Schlüssel. Bildung ohne Arbeitsplätze schafft Frustration.“

Der Kemptener Dr. Günther Dress war als Wirtschaftsgeograph häufig beruflich im Ausland und ist seit seinem Ruhestand aktiv für den Senior Experten Service (SES – siehe www.ses-bonn.de), der brandneu um die junge Sparte „Weltdienst 30+“ erweitert wurde, im Einsatz. Er fasst das Problem mit einem Begriff aus der amerikanischen Geographie zusammen: „Push-and-Pull-Faktor“, was bedeutet, dass Menschen durch Krieg, Hunger etc. aus ihrem Land herausgetrieben (push) und vom in den Medien „toll präsentierten“ Europa angezogen (pull) werden. Über dem Ganzen schwebe die Vorstellung, dass die Kinder nach dem Studium in Europa in die Heimat „zurückkommen und helfen das Land aufzubauen“.

Ebenfalls als „Puffer zu Schwarzafrika“ sieht Dr. Gerd Riedel-Caspari, einer der beiden Geschäftsführer und Inhaber von Almapharm in Wildpoldsried, die Maghreb-Staaten, die wie auch die Mittelmeer-Anrainer Libyen und Ägypten „wirtschaftlich stärker an Europa angebunden werden müssen“. Dass die Menschen in „diesem Gürtel“ eine „recht gute Ausbildung haben, aber keine Jobs“, kann er bestätigen. Er selbst hat mehrere Jahre in Bolivien die Tiergesundheit in einem Gebiet „in der Größe des Schwarzwaldes“ organisiert sowie ein Joint Venture in Ägypten gecoacht und bezieht Rohstoffe zur Herstellung von veterinärmedizinischen Produkten auch aus Entwicklungsländern. Positiv findet er, dass Müller den Ansatz seines Amtsvorgängers Dirk Niebel aufgreift und Privatinvestoren einbeziehen will, weil so „viel akkurater“ der Erfolg eines gemeinsamen Projektes im Auge behalten werde. Da ein deutsches Unternehmen „anders tickt als ein afrikanisches“ müsse man jedoch bei gemeinsamen Unternehmungen auch eine „Kleiderordnung“ finden, die für beide passt. Bei allem Wohlwollen vermisse er oftmals den kritischen Blick und das klare Wort zu dem, was in Projekten nicht gut laufe. Das gehöre zur „Kleiderordnung“ dazu. Insgesamt findet er den Marshallplan eine „hochrespektable Wunschliste“, die momentan allerdings wieder einmal nur ein Papier sei. Aus Unternehmersicht sei es nun entscheidend, welcher dieser Gedanken am erfolgversprechendsten sei und deshalb bei begrenzten Mitteln mit Vorrang angepackt werde müsse. Und wie man „es schafft, die Grundgedanken in die Köpfe aller Beteiligten zu bekommen“. Für eine „ernstgemeinte Partnerschaft“ müsse der Gerechtigkeitsgedanke eine Rolle spielen. Wir brauchen gute Modelle für einen Interessensausgleich zwischen den Partnern, so wie wir es in Deutschland zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern seit Jahrzehnten eigentlich ganz erfolgreich praktizieren.

„Bei Müller sehe ich, dass er versucht den fairen Interessensausgleich auf eine internationale Ebene zu heben“, z.B. durch gerechten Lohn in seinem Textilbündnis. Gut findet Riedel-Caspari die Einladung, den Marshallplan auf der Website des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – kurz BMZ – im Internet online zu kommentieren unter www.marshallplan-mit-afrika.de.

"Kontinent der größten Dynamik"

Für den Entwicklungsminister steht fest: „Afrika wird der Kontinent der größten Dynamik sein“ und dass deutsche und auch europäische Firmen dafür interessiert werden müssen. Er halte es „für einen Fehler, sich einseitig auf China zu konzentrieren“, sagte er im Rahmen seines Gespräches mit dem Kreisboten. Dabei hat er auch das Wohl der deutschen Wirtschaft im Blick; z.B. den Aufholbedarf der deutschen Autoindustrie, die „nur für die Elite“ Angebote habe, während die Autos in Indien vor allem aus asiatischer Fabrikation stammten. Und doch findet er klare Worte, wenn es z.B. um die Ressourcenausbeutung geht, die „gestoppt“ und eine „Wertschöpfungskette vor Ort aufgebaut werden muss“. Im (nicht unumstrittenen) Freihandelsabkommen EPA zwischen Europa und Afrika sieht er einen „ersten Schritt“ für den Zugang der Afrikaner zum europäischen Markt, räumt „aber auch Wettbewerbsverzerrung“ ein, was bedeutet, dass u.a. hochsubventionierte Agrargüter aus Europa die lokalen Preise unterbieten. Auch hier seine klare Ansage: „Die Marktüberschwemmung muss aufhören“. Dafür habe man Exportsubventionen gestoppt und zahle nur noch für Flächen. Mindestens einen „Wettbewerber“ um afrikanische Güter interessieren solche Dinge wenig, wie Dress in wenigen Worten zusammenfasst: „Die Chinesen sichern sich in Afrika langfristig Land. Sie versorgen sich daraus mit Nahrungsmitteln und machen Geschäfte auf dem Weltmarkt. Wir Europäer kümmern uns um die Opfer dieses Landgrabbings.“

(Berechtigte?) Befürchtungen zu Müllers Marshall-Plänen äußert Asfa-Wossen Asserate, seit über 40 Jahren in Deutschland lebender Großneffe des letzten Äthiopischen Kaisers, in seinem aktuellen Buch „Die neue Völkerwanderung – Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten“. Denn ein Marshallplan nach Muster der einstigen Aufbauhilfe in Europa nach dem 2. Weltkrieg werde Afrika eher schaden als nützen, da er Europa auch in einen Absatzmarkt für US-Waren verwandelt habe. Dennoch sind seine Visionen für die neue Ausrichtung nicht fern von den Anliegen Müllers: als vorderstes Ziel Selbstversorgung; Wirtschaftsbeziehungen auf Augenhöhe; Wettbewerbsschutz und Schutz afrikanischer Strukturen; mehr Handwerk und Genossenschaften, um „größere Strukturen“ zu erhalten und z.B. landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Tomaten zu verarbeiten und zu vermarkten; angepasste Mechanisierung; Meeresschutz; Regeln für soziale Marktwirtschaft, die sozial wie ökologisch auf Langfristigkeit angelegt sein soll.... und, ganz vorne: Stabilität durch gute Regierungsführung (Good Governance) – ein Punkt, in dem sich alle, die hier zu Wort kommen, einig sind.

"Gute Regierung" für wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität

Für Prof. Günter Nagel, ehemaliger Präsident des Bayerischen Landesvermessungsamtes und wie Dress SES-ler aus Kempten, ist eine „vernünftige Regierung“ gerade für die Bekämpfung von Korruption zwingend, denn diese stelle bei mangelhaftem Rechtssystem eine Art „Ersatzregierung“ dar. „Ein verlässliches Katastersystem ist der Nährboden für eine funktionierende öffentliche Verwaltung und diese ist wiederum Voraussetzung für ein geordnetes Staatswesen“ so seine Überzeugung. Bei der Stabilisierung der Staatsverwaltung und des Gerichtssystems müsse der Hebel angesetzt werden, doch da zögere die führende Schicht, denn sie befürchte, dass sie an Einfluss verlieren würde. Schlimmer noch: „Sie spannt die zahlreich tätigen Hilfsorganisationen vor ihren Karren.“ Laut Dress werden Forderungen nach Good Governance sogar bei jedem Entwicklungsprojekt mit vorangetrieben, „nur unsere Vorstellungen sind da halt höher“.

Korrupte Regime will auch Müller nicht als Partner. Um auch in solchen Ländern tätig sein zu können, werde deshalb kein Geld an Staaten überwiesen, sondern nur direkt „an unsere Partner, mit denen wir arbeiten“. Die Kooperation mit Staaten bilde lediglich „den Ordnungsrahmen“, selbst bei der seines Erachtens „richtigen“ Kooperation mit der Türkei fließe Geld nur noch an Organisationen wie die Welthungerhilfe, „kein Euro an die Regierung“.

„Korruption spielt eine Riesenrolle“ dabei, dass seit dem Arabischen Frühling Investitionen aus dem Ausland „massiv zurückgefahren wurden“. Die seien aber, so Dachser-Chef Simon weiter, ein wichtiges Instrument gegen Radikalisierung und „schaffen Zukunft“. Ein Patentrezept gegen Korruption und den damit einhergehenden Nepotismus – respektive Vetternwirtschaft – als „Entwicklungshemmnis“ hat auch Riedel-Caspari nicht, außer vielleicht die Kontrolle der Beamten, die ihrerseits wieder die Politiker kontrollieren. Für „die schwierigste Aufgabe“ hält er, zu akzeptieren, dass in den anderen Ländern ganz andere Modelle gelebt werden als unsere, diese den Menschen dort aber „ganz adäquat erscheinen“.

Bildung, Bildung und nochmals Bildung

„Bildung, das ist der Anfang von allem“, sieht sich Riedel-Caspari wieder zurück bei der Frage, „wo sind die ersten wichtigen Akzente“ zu setzen. Mit der Schaffung von Einkommensmöglichkeiten müssten aber auch die nächsten Schritte rasch folgen. Wichtig für Nagel ist Bildung als „langfristigen Ansatz“ zu betrachten und den Menschen „nichts über zu stülpen“, sondern sie selbst zu ermuntern.

Bei den SES-Einsätzen – die beratende Hilfe durch den Freiwilligendienst erfolgt ausschließlich auf Anfrage von Lernwilligen im jeweiligen Land – habe er u.a. in Äthiopien und der Mongolei gute Erfahrungen damit gemacht, „vom üblichen an unserer westlichen Sichtweise orientierten Beratungsschema abzusehen“ und bei den Workshops zu Geodateninfrastruktur mehr auf weiche Faktoren, wie Stärkung des Selbstvertrauens oder Vermitteln eines „Wir-Gefühls“, zu setzen.

Den richtigen Ansatz sieht Simon im „dualen Ausbildungssystem“, was am „gigantischen Unterschied“ zwischen Ländern mit dualer Ausbildung und denen, die das nicht kennen, erkennbar sei. Außer Frage steht für ihn, dass es parallel zu den „strukturgebenden großen Dingen“ so genannte Graswurzelprojekte geben muss. Innere und äußere Sicherheit, Infrastruktur Rechtsstaatlichkeit, faire Wirtschaft seien Themen der Politik. Bei Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gehe es dagegen darum „wie ich marginalisierte in Mainstream-Gesellschaften verwandeln kann“. Zusammen mit terre des hommes (tdh) engagiert sich Dachser in Projekten in Brasilien, Namibia, Nepal und inzwischen seit zehn Jahren schon in Indien. Unter anderem „sorgen wir in diesen Projekten dafür“ dass „Dropouts“, also Menschen, die außerhalb der Gesellschaft stehen, weil sie der falschen Kaste angehören, Straßenkinder oder Rechtlose sind, normale Schulen besuchen können. Auch wenn es nur wenige bis zum Uni-Abschluss schaffen würden, verhelfe ihnen die Bildung zu einem besseren Einkommen, z.B. weil sie neben ihrer kleinen Landwirtschaft noch „einen ‚beauty-salon‘ betreiben können“.

Ein Schwerpunkt der Gemeinschaftsrojekte von Dachser und terre des hommes ist die Förderung von Mädchen und jungen Frauen. Hier ist Dachser-CEO Bernhard Simon bei einem Projektbesuch in Varanasi/Indien.

„Bildung für alle“, besonders Mädchen und Frauen, ist für Müller noch mehr. Nämlich der „Schlüssel zur gleichberechtigten Teilhabe“ und um die Bevölkerungsexplosion in den Griff zu bekommen. Bei höherer Bildung sinke die Zahl der Kinder, so seine Erfahrung. Es sind allerdings nicht noch mehr Studienabschlüsse, die Müller anvisiert. Es geht ihm u.a. um den Ausbau beruflicher Bildung und des dualen Systems, um die benötigten Handwerker ausbilden zu können, die auch auf dem Land Arbeitsmöglichkeiten fänden.

Zwei Geflohene – zwei konträre Sichtweisen

Wenn Dress von Madagaskar erzählt, das wegen eines Aufstandes „international geächtet“ und als Bestrafung seitens Frankreich vom internationalen Markt „abgeschottet“ werde, klingt es recht plausibel, was Abdoulaye Fadio Koumares kritisiert. Der wegen politischer Verfolgung aus Mali Geflohene sieht in Frankreich das „Hauptproblem“ für Afrika. Es diktiere nicht nur die Preise für Bodenschätze oder Agrarprodukte, sondern ebenso „was Afrika zu tun hat“ und trage dazu die Verantwortung für die Korruption. Er sagt, „nehmt unsere Bodenschätze, aber sonst lasst uns in Ruhe“. Bildung ist für ihn der Schlüssel dafür, die Politik verändern zu können.

„Politik ist das Hauptproblem“ für den Nigerianer Imafidon Theophilus Tino, der 2014 geflohen und ebenfalls in Kempten gelandet ist. Er findet, dass sein aus 36 Staaten bestehendes Heimatland, in dem „viel zu viele verschiedene Ethnien und Religionen leben“, in mindestens zwei Teile geteilt werden und nicht von nur einem Präsidenten regiert werden sollte. Er würde es begrüßen, wenn Europa dem Land das nötige Werkzeug an die Hand geben würde, „damit wir selbst Sicherheit und Wohlstand schaffen können“, verbunden mit Redefreiheit, Menschenrechten... – eben einem „funktionierenden System“.

Ausblick

„Der Begriff Marshallplan ist bei uns sehr positiv besetzt. Wenn wir ihn als Blaupause für die Entwicklung Afrikas sehen wollen, dürfen wir nicht vergessen, dass nach dem 2. Weltkrieg große Finanzmittel und Hilfsgüter in eine zerstörte westeuropäische Wirtschaft gepumpt wurden, die aber zuvor bereits gut funktioniert hatte. Das werde in Afrika so nicht funktionieren, ist sich Riedel-Caspari sicher. Somit sei der Name des Planes „schon sehr ambitioniert und gaukelt vor, dass es genauso wie damals klappen wird“, was er – zumindest ein bisschen – als „Etikettenschwindel“ bezeichnet. Müller müsse zumindest Wirtschaftsministerium und Außenministerium mit an Bord nehmen, „dann kann es funktionieren“. Aber am Ende brauche man für die riesigen Aufgaben einfach „die richtigen Menschen“.

Simon sieht die Zeit für Deutschland gekommen, sich von den „eher leisen Tönen“ zu verabschieden, denn es habe gezeigt, „dass es mittlerweile ein gutes Erfahrungswissen aufgebaut hat, für eine gute Konsensgesellschaft einzutreten“.

Und das Fazit? Ein Thema, zu komplex für eine Seite, genug als Anregung zum Nachdenken aber allemal. 

Christine Tröger

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