Diskussion auf der und über die Kronenstraße

"Bewegung" in der Thematik, "Beruhigung in der Straße"

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Für eine Stunde war die Kronenstraße nicht von Fahrzeugen verstopft, sondern von Menschen bevölkert, die sich bei der von den Grünen organisierten Kundgebung rege mit Wortbeiträgen beteiligten.

Das Entscheidende ist, dass etwas passiert“, brachte es Dieter Schade, stellvertretender Vorsitzender der Altstadtfreunde, gegenüber dem Kreisboten auf den Punkt, noch bevor die Kundgebung richtig losgelegt hatte.

Aber genau das war auch das Ziel der Grünen, die mit dem Aufruf zur Teilnahme an der „Kundgebung Kronenstraße“ einerseits Bewegung in das kontrovers diskutierte Dauerthema zur Situation in verkehrsberuhigter Zone, belastet durch „5000 Autos täglich, wildes Parken, Fahrbahnschäden, Lärm und Gestank, im Sommer sinnlose ‚Showfahrerei’“, bringen wollten; andererseits eben auch „Beruhigung in der Straße“ und „am Ende eine Aufwertung“ für die Stadt, wie Grünen-Stadträtin Erna Kathrein Groll es formulierte. Dafür wurde sogar der Straßenabschnitt zwischen Parkhaus und Gerberstraße vergangenen Freitagabend von 18 bis 19 Uhr gesperrt und Sambatrommeln sorgten für Aufmerksamkeit. Auch wenn sich die Zahl der Teilnehmer mit rund 80 im überschaubaren Rahmen hielt, wurden einmal mehr die unterschiedlichsten Varianten für Sperrungen, Nicht-Sperrungen, Verkehrsüberwachung, Verlegung von Bussen und und und erörtert.

Grünen-Stadtrat Thomas Hartmann erinnerte daran, dass das Thema bereits „seit acht Jahren“ diskutiert werde. Statt Spielstraßentempo – sieben Stundenkilometer! – „fahren viele mit 50“ und freuen sich darüber ihren Auspuff „so richtig röhren zu lassen“, benannte er noch eine Reihe weiterer Probleme. Letztendlich seien alle diskutierten Varianten „besser als jetzt“. Dass es eine „Lösung für alle“ gebe, schloss er ohnehin aus.

„Es kann nicht sein, dass wir hier sterben“, ergriff Sabine Hartmann, Inhaberin der Residenzboutique, das Wort und wies darauf hin, dass es eine „Gewerbestraße“ sei. Der Onlinehandel mache den Einzelhändlern das Leben schon schwer genug, ergänzte sie in kleinerer Runde später und stellte klar, ihre wirtschaftliche Existenz gegen Einbußen durch Straßensperrung zu verteidigen. Ihr Namenskollege von den Grünen zeigte sich dagegen verwundert darüber, dass „die beste Verkaufslage der Stadt“ ausgerechnet die autofreie Fußgängerzone sei. Hubert Wipper von der gleichnamigen Bäckerei fürchtete starke Umsatzeinbußen schon durch die von mehreren Seiten angeregten Varianten-Testungen, sprach sich als Betroffener aber kompromissbereit für die Möglichkeit einer Einbahnregelung aus.

Dietmar Markmiller, Vorsitzender der Altstadtfreunde, echauffierte sich darüber, dass sein Verein das Thema bereits vor drei Jahren aufgegriffen und Lösungsvorschläge gemacht habe. „In den drei Jahren ist nichts passiert“, nicht einmal eine Reaktion der Verantwortlichen, mit Verweis auf das Mobilitätskonzept. Mittlerweile sei aber wohl wenigstens der „politische Wille“ etwas zu unternehmen da und die Straße wegen ihres Belages außerdem auch als „nicht mehr verkehrssicher“ eingestuft worden.

Von mehreren Seiten bestätigt wurden die Ausführungen von Birgit Limmer, Anwohnerin in der Kronenstraße, zur Unmöglichkeit diese mit einem Rollator zu queren. „Die Polizei hat hier die Macht verloren“, stellte Anwohner Otto Wölfle fest und fragte, wo die Autos denn noch fahren sollen, wo doch schon die Königsstraße gesperrt sei. Eine Lösung sah er beispielsweise durch die Erweiterung des Parkhauses, in das die derzeit gastronomisch genutzten Flächen im Erdgeschoss einbezogen werden sollten und die Verlegung der Reisebus-Haltestelle. Einen neuen Aspekt brachte der derzeit mit dem Umbau Haus Kronenstraße 23 befasste Architekt ins Spiel. Denn trotz der nur zugelassenen Spielstraßengeschwindigkeit argumentiere die Stadt bezüglich der vorzunehmenden Lärmschutzmaßnahmen für das Wohnhaus, dass hier „auch nachts“ mit 30 Km/h gefahren werde und „wir müssen uns das anrechnen lassen“. Verstärkend wirke zudem das Kopfsteinpflaster, so dass es keine Wohnungen zur Straße hin geben dürfe.

Im kommenden Verkehrsausschuss am 17. Juli, 16 Uhr, sollen verschiedene inzwischen erarbeitete Lösungsvarianten vorgestellt werden.  

Christine Tröger

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