Nachhaltig – Sanft – Regional

Grüner Bundestagsabgeordneter Schmidt besucht Bergbauernhof

+
Stefan Schmidt, (l.), Bundestagsabgeordneter von Bündnis90/Die Grünen, informierte sich bei der Bergbauernfamilie Jäck aus Niedersonthofen, wie diese bisher durch die Corona-Krise kam. Begleitet wurde Schmidt u.a. von der Kreisvorsitzenden der Grünen-Oberallgäu Christina Mader (2.v.r.) und Waltenhofens 3. Bürgermeisterin Ulrike Hitzler (r.).

Niedersonthofen – Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Wann, wenn nicht im Jahr Null der Corona-Pandemie, ist dieser Sinnspruch zutreffender?

Bedingt durch Reisebeschränkungen und Reisewarnungen hat es viele Bundesbürger heuer dazu bewegt ihren Jahresurlaub in Deutschland zu verbringen. Zu den Lieblingsdestinationen gehörten Nord- und Ostsee sowie das Allgäu. Davon konnte auch die Familie Jäck profitieren, die in rund 1000 Meter Höhe im Ortsteil Stoffels/Niedersonthofen neben der Landwirtschaft auf ihrem Bio-Bergbauernhof auch „Ferien auf dem Bauernhof“ anbietet. Drei Ferienwohnungen stehen Gästen als Unterkunft zur Verfügung. Obwohl kein Mangel an Nachfrage besteht, begann das Jahr auch für die Familie Jäck alles andere als optimal. 

Aufgrund des Lockdowns zur Bekämpfung der Corona-Pandemie durften die Jäcks ihre Ferienwohnungen in der Zeit von Mitte März bis Ende Mai nicht an Gäste vermieten. „Eine Corona-Soforthilfe haben wir leider nicht erhalten, so können wir unsere finanziellen Verluste nur über die Zeit kompensieren“, sagt Nadine Jäck. „Seit Anfang Juni dürfen wir wieder Gäste beherbergen. Dabei halten wir uns an alle vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen. Das ist umständlicher als zuvor, aber machbar.“ Als ungerecht empfindet das Ehepaar Jäck, dass große Player im Tourismus wie Lufthansa oder Tui finanziell unterstützt werden, kleine Beherbergungsstätten oder Reisebüros aber häufig leer ausgingen. „Trotzdem sind wir noch mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Bergbauer Josef Jäck und freut sich, dass nun wieder der Gästebetrieb läuft. „Unser Bergbauernhof, den unsere Familie seit 1882 in der vierten Generation betreibt, bietet alles rund um das Leben mit der Landwirtschaft“, sagt Jäck. 

Es gibt 28 behörnte Milchkühe, die die aromatische Heumilch abgeben. Zudem wird das tierische Leben auf dem Hof durch Schumpen, Katzen, Hasen, Hühner, Schweine, ein Bienenvolk und die Ziege Leni ergänzt. Mit den vier Kindern des Ehepaares Josef und Nadine Jäck finden kleine Gäste auch ein paar Spielkameraden. 

Um sich ein Bild von der Lage zu machen, besuchte nun der Oberpfälzer Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt von den Grünen gemeinsam mit der Kreisvorsitzenden der Grünen-Oberallgäu Christina Mader und dem Kreissprecher der grünen Ulli Leiner den Bergbauernhof. „Ich wollte mir ein Bild vor Ort machen, wie kleinere Strukturen im Tourismus durch die Krise gegangen sind. Ich komme zu der Überzeugung, dass es gerade Angebote wie „Ferien auf dem Bauernhof“ sind, die schneller und flexibler auf die Einschränkungen reagieren konnten“, so Schmidt, und er ergänzt: „Daher sehe ich die Zukunft des Tourismus eher in solchen Angeboten, als im Massentourismus mit Vielfliegerei oder Flotten von Kreuzfahrtschiffen, die vor den Häfen vor Anker liegen. Trotzdem müssen wir auch beim „Urlaub vor der Tür“ darauf achten, dass wir den Tourismus auf ganz Deutschland verteilen, damit wir nicht heimischen Massentourismus generieren. Die Devise muss heißen: Nachhaltig – Sanft – Regional.“ 

Dass der Tourismus nicht nebensächlich ist, beweist für Schmidt dessen Rolle als Wirtschaftsfaktor. Drei Millionen Beschäftigte, 290 Milliarden Umsatz und 10,7 Prozent am BIP jährlich sprechen eine klare Sprache. Gleichwohl werden für dieses Jahr solche Zahlen nicht mehr zu erreichen sein. Das sieht auch Schmidt so, der sagt, dass es allein aus Gründen eines überspannten Bundeshaushalts auch bei einer zweiten Welle keinen Lockdown geben werde. „Wir werden für diesen Fall andere, gezieltere Maßnahmen ergreifen müssen“, so der Bundestagsabgeordnete, der Mitglied des Finanz- und Tourismusausschusses ist. Beim Treffen auf dem idyllischen Bergbauernhof plaudert Schmidt auch ein wenig aus dem Nähkästchen. „Es hat uns als Grüne verwundert, wie lange die Bundesregierung gebraucht hat, um Rettungspakete zu schnüren. In den entsprechenden Ausschüssen und Sitzungen haben wir Bundeswirtschaftsminister Altmaier oder seinen Staatssekretär des Öfteren vermisst.“ 

Jörg Spielberg

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Innenentwicklungskonzept für die Stadt Kempten schärft den Blick
Innenentwicklungskonzept für die Stadt Kempten schärft den Blick
Nach Corona-Fall auf Geburtstagsfeier - nun in Quarantäne
Nach Corona-Fall auf Geburtstagsfeier - nun in Quarantäne
Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Klimawandel erfordert Starkregengefahrenkarte für Kempten
Klimawandel erfordert Starkregengefahrenkarte für Kempten

Kommentare