Leben, um zu arbeiten?

"Grundeinkommen. Initiative Allgäu" lädt zum Bürgerdialog

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Volker Windisch von „Grundeinkommen. Initiative Allgäu“ diskutierte mit interessierten Bürgern über das bedingungslose Grundeinkommen.

Kempten – Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, in denen viele Arbeitnehmer, bedingt durch die Einschränkungen, auf Kurzarbeitergeld gesetzt sind oder gar ihre Arbeit verloren haben, drängt sich die Frage auf, wie der Staat Menschen in prekären wirtschaftlichen Situationen hilft.

Nicht selten rutschen die betroffenen Menschen in solchen Situationen in Hartz IV – ALG II, was viele als demütigend empfinden. 

Darum erheben sich gegenwärtig mehr Stimmen, die sich für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens einsetzen. Als Vorbilder der Bewegung gelten u.a. der Autor Götz Werner mit seinem Buch „Ein Grund für die Zukunft – das Grundeinkommen“ sowie der bekannte Philosoph und Buchautor Richard David Precht. Aber auch der Allgäuer Karl-Heinz Blenk und die Grünen-Stadträtin Erna-Kathrein Groll machen sich für das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) stark und gründeten in Kempten im Jahr 2012 die Bewegung „Grundeinkommen. Initiative Allgäu“. Ziel der Befürworter des BGE ist, die Öffentlichkeit über das bedingungslose Grundeinkommen zu informieren und eine Diskussion zu entfachen. 

Dialog mit Bürgern 

Nun lud die Initiative am vergangenen Freitag ins „Haus International“, wo Mitglied Volker Windisch in Dialog über das BGE mit interessierten Bürgern treten wollte. Zu Beginn verdeutlichte Windisch, in welchem Spannungsfeld sich die Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens befinden. Was auf den ersten Blick als eine Position der politischen Linken erscheint, erweist sich auf den zweiten Blick als trügerisch. Sowohl die SPD mit ihrem Vorschlag eines solidarischen Grundeinkommens als auch die Partei „Die Linke“ lehnen das bedingungslose Grundeinkommen kategorisch ab. 

„Die Haltung dieser Parteien zeigt, dass sich viele noch in der Polarität der Ist-Gesellschaft befinden, die Entkoppelung des Einkommens vom Faktor Arbeit wird nicht gewünscht“, sagt Volker Windisch. So findet der Dozent am Abend eher am Modell „Bürgergeld“ der FDP Gefallen. Windisch befindet, dass sich in der gegenwärtigen Diskussion der Blick zu sehr auf die Arbeit als sinnstiftender Lebensmittelpunkt verenge. „Der manische Blick auf die Arbeit macht krank“, zitiert Windisch den Autor Götz Werner. Das bedingungslose Grundeinkommen versteht Windisch eher als eine Befreiung von tradierten Lebensentwürfen, weniger als lebenslange Alimentierung. 

„Das bedingungslose Grundeinkommen wird viele in die Lage versetzen, die Dinge zu tun, die sie persönlich weiterbringen, gemäß der Maxime von Helmut Saiger, einem anderen Buchautor, zum Thema: Die Zukunft der Arbeit ist nicht der Beruf.“ In der gegenwärtigen Corona-Krise sieht Windisch eine Chance, vom etablierten System der unstrukturierten Mittelzuwendungen wegzukommen und mit dem BGE den Menschen eine dauerhafte, sichere Perspektive zu geben. Mit einer Einführung des BGE würden viele staatliche Zuwendungen wie das Kinder- oder Wohngeld wegfallen, die vom BGE abgedeckt würden. Dabei, so sagen die Befürworter des BGE, würden viele Ämter, wie u.a. die Bundesagentur für Arbeit oder das Jobcenter, bisheriger Aufgaben enthoben, da die Überweisung des BGE einheitlich über die Finanzämter erfolgen soll. Wer sich näher informieren möchte, findet mehr im Internet auf der Website www. grundeinkommen.de der Allgäuer Initiative zum bedingungslosen Grundeinkommen. 

Jörg Spielberg

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