Kempten macht Schule

Die Grundschulplätze reichen in Kempten bald nicht mehr aus – jetzt muss ein Neubau her

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41 Plätze, also drei Klassen, fehlen in absehbarer Zeit an der Grundschule am Haubenschloß. Noch gravierender sieht es an der Grundschule an der Sutt aus, wo künftig fünf Klassen fehlen. Zusammen mit der Fürstenschule sollen vor allem sie mit einem Schulneubau entlastet werden.

Kempten – Kempten boomt. Immer mehr Menschen ziehen in die Allgäu Metropole, die Geburtenrate steigt. Schon bald knackt die Stadt entgegen der niedrigeren Prognosen die Marke von 72.000 Einwohnern. Nicht nur Wohnungen und Kita-Plätze müssen geschaffen werden. Auch an Grundschulplätzen mangelt es bald. Und weil die neun Schulen keine Aufnahmekapazitäten mehr haben, denkt die Stadt an den Bau einer zehnten Grundschule. Schon 2024 soll sie fertig sein.

„Unorthodoxe Maßnahmen sind notwendig“, sagte letzte Woche Schulreferent Thomas Baier-Regnery, als es im Ausschuss für Schule und Sport um die Schulentwicklung ging. Denn schon in fünf Jahren wird die Zahl der Sechs- bis Zehnjährigen in Kempten von aktuell rund 2200 auf rund 2600 Kinder ansteigen und bis 2037 auf einem ähnlich hohen Niveau bleiben. 

Waren es sonst Geburtenzahlen von rund 500 im Jahr rechnet Baier-Regnery künftig mit rund 680 Babys jährlich. Der Kindersegen habe mehrere Gründe, erklärte der Referent. Die Frauen können Familie und Beruf durch die geschaffenen Betreuungsangebote leichter vereinbaren. Auch die Anzahl der potentiellen Mütter im Alter zwischen 25 und 45 Jahren ist gestiegen. Und die Zuwanderung spielt eine Rolle. Die Geburtenrate ausländischer Mütter ist mit 1,95 höher als jene deutscher Frauen mit 1,43. Besonders bemerkbar mache sich die Entwicklung in Kemptens Innenstadt. 

Was noch hinzukommt, ist der Zuzug. Mit den Wohnbebauungen an der Breslauer Straße (65 Wohnungen), Madlener Straße (120), der Funkenwiese (174), der Halde Nord (350) und Heiligkreuz-Süd steigt die Kinderzahl besonders in den Schulsprengeln der Grundschule Nord, der Grundschule am Haubenschloß und der Fürstenschule. 

„Wir haben die Schulen gefragt, ob noch Räume gangbar gemacht werden können“, sagte Baier-Regnery. Eine Idee sei auch, die Computerräume als Klassenzimmer zu nutzen und Tablet-Klassen einzuführen. „Der Effekt, den wir uns davon erwarten, ist ein geringer.“ Eine Anfrage bei den Direktoren hat schon ergeben: Die Fürstenschule, die Grundschule an der Sutt und die Haubenschloß-Schule können die zusätzlichen Schüler nicht unterbringen. „Eventuell müssen wir an einzelnen Standorten zusätzliche Raummodule – keine Container – als Übergangslösung andenken“, stellte der Referent in Aussicht. Hier hat er zunächst die Gustav-Stresemann-Schule und die Grundschule Kottern Eich im Blick. 

Weitere Ideen sind, die Kinder aus dem Baugebiet Halde-Nord, um die Nordschule zu entlasten, im Schulsprengel Heiligkreuz unterzubringen und die dortige Schule zu einer zweizügigen auszubauen. Baier-Regnery könnte sich auch vorstellen, die Grundschule auf dem Lindenberg mit Unterbringungen im Agnes-Wyssach-Förderzentrum zu entlasten. Die dortige Schülerschaft ist mit der Inklusion jetzt mehr und mehr an Regelschulen untergebracht. An der Lindenbergschule laufen derzeit die Planungen für eine umfangreiche Sanierung (der Kreisbote berichtete), die noch an den wachsenden Bedarf angepasst werden könnten. 

An der Fürstenschule sei ein Anbau denkbar, vorher müssten aber kurzfristige Lösungen her: etwa in der ehemaligen Maria-Ward-Schule, im „Grünen Kasten“ in der Fürstenstraße 19, oder durch eine ausgelagerte Mittagsbetreuung ins ehemalige Margaretha- und Josefinen-Stift. Eine kurzfristige Auslagerung sei an der Haubenschloßschule ins Allgäu-Gymnasium denkbar. Längerfristig reichen diese Maßnahmen aber nicht aus. „Kempten wird eine neue Grundschule bauen, das ist Fakt“, sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle und nannte die Entwicklung einen „epochalen Schritt“. Entlasten soll die neue dreizügige Schule mit 300 Schülern die Schulsprengel an der Sutt, der Fürsten- und der Haubenschloß-Schule. Gesucht wird ein Standort im Nord-Westen, und das mit Hochdruck, denn schon 2024 soll der Unterricht in dem zwei- bis drei-geschoßigen Gebäude starten. Als erste Ideen, die noch zu prüfen seien, nannte Baier-Regnery den Calgeer-Park, den Haubensteigweg, den Aybühlweg und Am Göhlenbach. 

Die Mitglieder des Schul- und Sportausschusses begrüßten die Vorschläge und stimmten am Ende einstimmig dafür. Von einem „sportlichen Zeitplan“, sprach Dr. Dominik Spitzer (FDP). Und auch Harald Platz (CSU) mahnte, „schnell zu Potte zu kommen“, denn es gehe um den Zugriff auf Grundstücke, eine Änderung des Flächennutzungsplans koste Zeit. Andreas Kibler (CSU) sah in dem Neubau eine Chance, die neuesten pädagogischen Konzepte wie Lernlandschaften ohne räumliche Kompromisse umsetzen zu können. „Vielleicht können wir auch eine Kindertagesstätte in den Neubau integrieren“, brachte SPD-Fraktionsvorsitzende Katharina Schrader (und später auch Susanne Vanoni, Grüne) eine weitere Idee aufs Tapet, dem Raumbedarf Herr zu werden. Sie sah den Vorteil von Synergien für die Eltern. So einen Gedanken hätte die Verwaltung auch gehabt, erklärte Baier-Regnery, am 8. April werde es im Jugendhilfeausschuss dazu Auskunft geben. Schraders Fraktionskollege Siegfried Oberdörfer hielt die genannten Zahlen für „konservativ“. Denn es gebe einen starken Trend zum Stadtleben. Er mahnte, die Zahlen im Blick zu behalten, genauso wie die weiterführenden Schulen, „denn die Grundschüler müssen später ja auch beschult werden können.“ 

Parallel dazu müssten die Ganztagsbetreuung und die pädagogischen Konzepte weiterentwickelt werden. Und Karl Sperl (CSU) machte sich Sorgen, wo das Personal herkommen soll. „Die schwierigste Frage kommt zum Schluss“, sagte Baier-Regnery. Als Antwort konnte er hier nur liefern, dass die Städte Druck auf das zuständige Kultusministerium ausüben.

Susanne Kustermann

So viele zusätzliche Plätze (und Klassenzimmer) werden an den einzelnen Grundschulen gebraucht:

• am Haubenschloß: 41 (3)

• an der Fürstenstraße: 51 + Gastschulkinder (4-5) 

• an der Sutt: 128 (5) 

• auf dem Lindenberg: 75 (4) 

• Kempten-Nord: 65 (2) 

• Heiligkreuz: 3 (-) 

• Kottern/Eich: 54 (2-3) 

• Konrad-Adenauer: 31 (3) 

• Gustav-Stresemann: 15 (-)

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