"Es ist gut, dass es Sie gibt"

Unter einem Pavillon bereiteten türkische Frauen anlässlich des 30-jährigen Bestehens der türksich-islamischen Gemeinde Fladenbrot zu. Foto: Kampfrath

Etwa vier Millionen Muslime leben in Deutschland. Die rund 1000 Mohammedaner der DITIB türkisch-islamischen Gemeinde zu Kempten hatten jetzt Grund zum Feiern. Seit nunmehr 30 Jahren besteht der Verein. Die Mitglieder und ihre Gäste feierten den Anlass mit einem bunten Programm vor und in der Moschee in der Füssener Straße 34. Alle Festredner betonten die Wichtigkeit der Toleranz.

Es roch gut vor dem Eingang des Gotteshauses. Türkische Frauen bereiteten unter einem Pavillon Fladenbrot zu. Auf Tischen lockten Getränke und orientalische Speisen. Manche der Helfer trugen T-Shirts, auf denen das Jubiläum aufgedruckt war. Viele Frauen brachten weitere Speisen und Kuchen. Einer davon war als türkische Flagge dekoriert. Im Gebäude hingen Bilder mit den Namen der Vorbeter und Vereinsvorsitzenden von 1981 bis 2011. Ahmet Özyurt hieß der erste Imam, der zugleich der erste Vorsitzende war. Nachdem die Probleme mit der Lautsprecheranlage behoben waren, begann unter freiem Himmel der offizielle Teil der Feier. Inbrünstig sangen die Kinder Musikgruppe Ilahi aus Memmingen die türkische und die deutsche Nationalhymne. Die Gäste standen dazu auf. Der derzeitige Vorbeter Beyhan Tas, der durch das Programm führte, rezitierte aus dem Koran die dritte Sure mit den Versen 190 bis 194. Dann übersetzte er die arabischen Worte ins Türkische. Geschichtlicher Rückblick Der Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde, Mustafa Aşik, blickte in die Geschichte zurück. Mitte der 1970er Jahre habe sich eine Gemeinschaft von Muslimen überlegt, wo sie in Kempten beten könnten. Im Freudental hätten sie eine Wohnung gefunden, wo sie den Kindern Islamunterricht erteilten. Die sei aber bald zu klein geworden. „Wir wechselten in die Mittelgasse in eine Lagerhalle, die wir zum Gebetsraum umbauten.“ Im Mai 1981 hätten sie die DITIB Kempten gegründet. Der Verein sei in eine Hälfte des Gebäudes in der Füssener Straße gezogen. Die andere Haushälfte habe die Frauenunion bewohnt. „Später kaufte der Verein das gesamte Gebäude. Wir sind stolz auf das, was wir in den 30 Jahren geschaffen haben“, sagte Aşik. Die Moschee sei heute ein Ort der Integration, meinte Ilknur Taghanli, Vorsitzende des Dachverbandes türkischer Vereine. „Jeder kann sich hier über den Islam informieren, um Vorurteile abzubauen.“ Bekir Alboga äußerte seinen Respekt gegenüber der ersten Generation, die den Schritt gewagt habe, nach Deutschland auszuwandern. Der Dialogbeauftragte des DITIB-Dachverbandes in Köln erklärte, dass die Emigranten ursprünglich nur ein Jahr bleiben wollten. „Wer hätte damals gedacht, dass Kinder mit türkischen Wurzeln und deutschem Pass die Nationalhymnen beider Länder singen.“ Alboga sprach sich für die Integration, gleiche Chancen bei der Bildung und Ausbildung sowie die Religionsfreiheit aus. Die DITIB sei die größte Religionsgemeinschaft von Muslimen in Deutschland. Die Union arbeite für ein friedliches Miteinander, nicht Nebeneinander. Ohne Schaffung der Moschee gebe es nicht die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten. Er bezeichnete es als größten Beitrag der DITIB, dass man schon 1984 die Forderung und Achtung der deutschen Gesetze niedergeschrieben habe. „Wir sind besorgt, wenn in einer Umfrage 93 Prozent der Deutschen sagen, der Islam bedeute Frauenunterdrückung. Unsere Frauen sind Drahtzieher und keine Unterdrückten“, betonte Alboga. Wenn Mohammed als Prophet der Barmherzigkeit bezeichnet werde, dann sei der Islam eine Religion des Friedens und der Barmherzigkeit. „Gott segne die Christen und Muslime und diese Veranstaltung.“ Für Rainer Piscalar, Pfarrer an der evangelischen Markuskirche in Kempten, ist die Begegnung ein bisschen wie die Liebe zwischen Mann und Frau. „Wir dürfen die Gleichheit erkennen und die Unterschiede zu einem Genuss machen.“ Er schenkte der Gemeinde ein Buch über die evangelischen Kirchen in Kempten. „Es ist gut, dass es Sie gibt“, sagte Claudia Keisinger, Vorsitzende des Katholischen Frauenbundes Kempten. Der Verein schenkte der Frauengruppe der Moschee Brot und Salz. „Damit Ihnen das Lebensnotwendige nie ausgehen möge und das Licht leuchte“, so Keisinger. Laut dem Kemptener Bürgermeister Josef Mayr haben die Feiernden eine Moschee in der Füssener Straße gebaut und sie durch eine Begegnungsstätte ergänzt. „Wir sind in vielen Fällen Freunde und eine schöne Einheit geworden.“ Mayr dankte der verstorbenen Pfarrerin Inge Nimz für ihr Engagement für ein gutes Miteinander. "Schöne Freundschaft" „Unsere Landsleute kamen vor 40 Jahren als Gastarbeiter und sind Teil der Gesellschaft geworden“, bekräftigte der Religionsattaché Dr. Ali Ünal. Gutes Benehmen und Respekt vor dem Anderen würden im Islam gelehrt. „Ich wünsche mir von Allah, dass unsere Landsleute der deutschen Gesellschaft noch nützliche Dienste leisten.“ Der Generalkonsul Hidayet Eris erklärte, dass es ohne die erste Generation keine Moschee in Deutschland gäbe. Ihm gefalle die „schöne Freundschaft“ zwischen dem Katholischen Frauenbund und der Frauengruppe der Moschee. Eris lobte Piscalar für dessen Grußworte, da der interreligiöse Dialog sehr wichtig sei. Ein Mann ließ Friedenstrauben in die Luft steigen. Die Gläubigen verrichteten in der Moschee ihr Mittagsgebet. Es folgten Auftritte verschiedener Folkloregruppen und einer Tae-kwon-do-Gruppe sowie eine Preisziehung.

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