Kampf am Riedberger Horn geht weiter

Skischaukel laut Gutachten nicht genehmigungsfähig - Sagen Sie uns Ihre Meinung!

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Die Karte zeigt unter anderem das bestehende Skigebiet (in schwarzer Umrandung), blau gestrichelt die Alpenschutzzone, bestehende Skilifte (rote Linien, bestehende Skipisten (grüne Flächen) sowie das geplante Sondergebiet (orangefarbene Fläche) und geplante Pisten (pink- und lilafarbene Flächen).

Kempten/Landkreis – Der Widerstand gegen den Bau der Skischaukel am Riedberger Horn geht in eine neue Runde. Vergangene Woche hat der BUND Naturschutz (BN) im Rahmen einer Pressekonferenz ein neues Geschütz im Ringen um den Erhalt der Alpenplan-Schutzzone C vorgestellt: Die Ergebnisse eines geologischen Gutachtens, die besagen, dass sich die geplante Skischaukel am Riedberger Horn weitgehend „in geologisch labilem Gebiet befindet“ und das Vorhaben somit „auf Grund der gesetzlichen Vorgaben der internationalen Alpenkonvention nicht genehmigungsfähig“ ist, wie Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter, zusammenfasste.

Knackpunkt ist Artikel 14 der internationalen Alpenschutzkonvention, die, so Thomas Frey, BN-Regionalreferent für Schwaben, „ein völkerrechtlicher Vertrag“ sei, ratifiziert vom deutschen Bundestag und sowohl vom Bayerischen wie vom Bundes-Umweltministerium als „direkt anwendbar“ angesehen. Darin sei eindeutig festgelegt: „Die Vertragsparteien wirken darauf hin, dass Genehmigungen für den Bau und die Planierung von Skipisten (...) in labilen Gebieten nicht erteilt werden.“

Und „dass große Gebiete des geplanten Skigebietes labil sind“, bestätigte Gutachter Michael Menke, vom geologisch wissenschaftlichen Büro Dr. Heimbucher in Nürnberg. „Hier sind gute Voraussetzungen für Rutschungsbewegungen gegeben“, was vor allem an der Tektonik und der dazu extremen Niederschlagsmenge liege. Denn das Wasser könne gut in den Boden aus Flyschgestein, der aus einer Wechselfolge von harten und weichen Gesteinen besteht, eindringen, was sich ungünstig auf die Hangstabilität auswirke. 

Deshalb sei es auch schon in der Vergangenheit im gesamten Gebiet immer wieder zu Rutschungen gekommen. Weitere Anzeichen für „Massenbewegungen“ seien auch die „Bergzerreißung“ direkt am Südgrat des Grasgehrenkessels (hier soll es eine Familienabfahrt geben) sowie „gespannte Baumwurzeln“ und der ebenfalls häufig anzutreffende „Säbelwuchs“ von Bäumen im Untersuchungsgebiet. Frey räumte ein, dass „durch Entwässerungsmaßnahmen zwar mehr Stabilität hinzubekommen wäre“. Solch große Eingriffe aber durch besagten Artikel 14 ausgeschlossen seien. Er bedauerte, dass von den Besonderheiten des Bayerischen Alpenraumes im Wirtschaftsplan „nichts zu lesen ist“, statt dessen gehe es immer nur um „Wachstum in allen Bereichen“.

Eine weitere Hürde für die Genehmigung der Skischaukel dürfte aus Sicht Freys sein, dass laut Antragsunterlagen für die Verbindungspiste nach Balderschwang rund 5,4 Hektar Bergwald gerodet werden müssten, ein großer Teil davon Schutzwald. Nach dem Bergwaldbeschluss des bayerischen Landtags vom 5.6.1984 seien Bergwaldrodungen für die Neuanlage touristischer Nutzungen aber nicht mehr zugelassen.

Der „Sündenfall“ war aus Sicht Mergners die Änderung des Landesentwicklungsplans. Die Hoffnung sei, dass der designierte bayerische Ministerpräsident Markus Söder „so flexibel ist“, nach seiner Wahl „den Weg auch wieder herauszufinden“ und diese Entscheidung wieder rückgängig zu machen. Eine „gewisse Schonfrist“ wolle man ihm aber einräumen. 

Zudem sei es „ein Unding“, dass der BN ein 20.000 Euro teures Gutachten erstellen lassen musste. „Das wäre eigentlich Aufgabe der Staatsregierung gewesen“, die sich „absolut leichtfertig“ lieber auf die Expertise der beiden mit dem Vorhaben wirtschaftlich verbandelten Bürgermeister verlassen habe. 

Den Hauptgrund dafür, dass es mit dem Skischaukel-Projekt überhaupt so weit gekommen ist, sieht er aber vor allem in der Aussicht auf Fördergelder. So würden die Betreiber bereits mit einer Million Euro an Zuschüssen für das sehr umstrittene Projekt rechnen – aus Steuergeldern. Damit könnte das Riedberger Horn seines Erachtens „möglicherweise einer der Prüfsteine für die Kandidatinnen und Kandidaten bei der Landtagswahl werden“. Den BN sieht Mergner mit dem Gutachten jedenfalls „bestens vorbereitet“ für ein Gerichtsverfahren, sollte es trotz der neuen Sachlage zum Bauantrag kommen. „Wir kämpfen gegen das Wettrüsten in den Alpen“, ließ er an der Zielsetzung des BN keinen Zweifel.

Julia Wehnert, Geschäftsführerin der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu, betonte, dass es „kein Elfenbeinturm“ sei, was der BN hier mache, was schon allein durch die inzwischen über 5000 Mitglieder des Freundeskreises Riedberger Horn deutlich würde. Und auch sie kündigte an, so lange weiterzumachen, „solange wir keine Sicherheit haben, dass die Skischaukel nicht kommt“.

Leserumfrage

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Christine Tröger

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