Gutachter geben Grünes Licht

Verträgt Kempten das geplante Nahversorgungszentrum?

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So sehen die Entwürfe für den Bebauungsplan Nahversorgungszentrum an der Memminger Straße aus: Rechts im Bild sind die Parkplätze an der Memminger Straße zu sehen. Lebensmittel, Getränke und ein Backshop sind im größten Gebäude des Ensembles untergebracht. Das nördliche Gebäude ist für einen Drogeriemarkt und ergänzende Nutzungen gedacht. Diese sind auch für die Bauten links im Bild vorgesehen, zusammen mit Gästebeherbergung.

Kempten – Die Sorge, dass die geplanten Märkte im Nahversorgungszentrum an der Memminger Straße zu viel Kaufkraft von anderen Geschäften abziehen könnten, war Hans-Peter Hartmann von den Freien Wählern im vergangenen Bauausschuss immer noch anzumerken.

Vor zwei Jahren war in verschiedenen Gremien schon viel darüber diskutiert worden (der Kreisbote berichtete). In der aktuellen Sitzung ging es nun darum, den Vorentwurf zum Bebauungsplan zu begutachten, bevor er öffentlich ausgelegt und von Behörden unter die Lupe genommen wird. Anlass zur Nachfrage gaben auch die zusätzlichen Autos, die mit dem Nahversorgungszentrum im Kemptener Norden fahren werden. Die Pläne zeigten mehrere Gebäude mit festgelegten Sondergebieten für verschiedene Waren-Sortimente: einen Lebensmittelladen mit einer Größe von 1200 Quadratmetern (m²) im Sondergebiet (SO) 1, einen angeschlossenen Getränkemarkt mit maximal 400 m² (SO 2), einen Backshop mit einer Maximalgröße von 50 m² (SO3), einen Drogeriemarkt (max. 500 m² groß, SO4). In SO5 ist maximal 80 m² Platz für ein „untergeordnetes nahversorgungsrelevantes Sortiment“, wie zum Beispiel ein Optiker anbieten würde.

Auch andere „nicht störende“ Gewerbebetriebe, soziale, kulturelle Einrichtungen könnten dort unterkommen, genauso wie Schank- oder Speisewirtschaften oder Freiberufler. Während Lebensmittel, Getränke und der Backshop gemeinsam im größten Gebäude des Ensembles unterkommen sollen, sind gegenüberliegend für die Drogerie und den zusätzlichen Laden getrennte Bauten vorgesehen. Von den anderen Sondergebieten trennen sie eine öffentliche Grünfläche mit Bäumen und Sitzgelegenheiten. Die 152 Parkplätze für die Läden befinden sich von der Memminger Straße aus gesehen davor. Zwei weitere Gebäude (SO 6 und SO7) sind im hinteren, westlichen, Teil des Areals angesiedelt. „Hier ist Einzelhandel grundsätzlich ausgeschlossen“, erklärte Florian Eggert vom Stadtplanungsamt. Unterkommen soll ein Hotel oder eine ähnliche Unterkunft sowie eventuell ergänzende Angebote ähnlich wie im SO5. Denkbar sind auch Geschäfts- und Bürogebäude oder Anlagen für Verwaltung. Parkmöglichkeiten finden sich unterirdisch. Ein Fuß- und Radweg führt Richtung Baugebiet Halde. Alle Flachdachbauten werden begrünt.

Hans-Peter Hartmann merkte an, dass sich anders als dargestellt, die Größe für den Lebensmittelmarkt inklusive Getränkemarkt auf 1200 m² belaufen hätte und nicht auf 1200 plus 400 m². „Es war auch eine bauliche Trennung gewünscht mit getrennten Kassen und Eingängen“, gab er zu bedenken. Baureferent Tim Koemstedt widersprach in beiden Punkten. „Da stellte sich die Frage, wie die räumliche Trennung sinnvoll gestaltet werden kann“, sagte er, „entscheidend ist, dass wir einzelne Sondergebiete einrichten.“ Wichtig sei in Zukunft, darauf zu achten, dass die Märkte nicht vermischt werden. „Wir müssen sensibel mit dem Thema umgehen, nicht dass wir uns selbst ein Bein stellen, weil wir jetzt nicht aufpassen“, verteidigte Hartmann seine Bedenken, denn Erwin Hagenmaier von der CSU drückte auf die Geschwindigkeit. Die Pläne entsprächen genau dem neuen Nahversorgungskonzept, sagte er. Eggert stellte außerdem das Einzelhandelsgutachten vor, wonach bestehende Kemptener Geschäfte keine „wesentlichen Beeinträchtigungen“ durch das geplante elfte Nahversorgungszentrum zu erleiden hätten. Von der Innenstadt würden 4,5 Prozent Kaufkraft abgezogen, von anderen Nahversorgungszentren ein bis zwei Prozent, von Märkten an Einzelstandorten wie etwa Aldi circa drei bis vier Prozent. 

Auch verkehrlich stehe dem Nahversorgungszentrum nicht allzu viel im Wege, obwohl der Dachser-Kreisel laut Gutachten bereits jetzt jeden Morgen pünktlich von 7.15 bis 8.15 Uhr überlastet ist. Der nördlichen Kreisverkehrszufahrt fehlen schon jetzt Kapazitäten für 60 Autos. Das Verkehrsgutachten bewertet den Kreisel mit der schlechtesten Qualitätsstufe F von sechs möglichen Stufen (A bis F). Nachmittags sieht es mit Stufe E etwas besser aus. Genauso wie am Knotenpunkt Memminger Straße /Oberwanger Straße/Unterwanger Straße, der mit Stufe D bewertet wird. Mit dem neuen Nahversorgungszentrum und den Anwohnern aus dem neuen Gebiet Halde kommen täglich 2990 Autos auf diesen Straßen hinzu. 350 Autos, die mit dem C+C-Markt wegfallen, sind hier schon berücksichtigt. 

„Außerhalb der Leistungsspitze gewährleisten die Knotenpunkte aber ihre Leistungsfähigkeit“, nannte Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann den Grund, warum die Verkehrsbelastung noch hinnehmbar sei. Außerdem stellte er in Aussicht, dass der Dachser-Kreisel zu einem zweispurigen „Turbokreisel“ ausgebaut werde. „Das verbessert die Situation“, erklärte er, „wir erreichen damit aber nicht Stufe B oder C, sondern maximal D.“ „Wir brauchen das elfte Nahverkehrszentrum“, appellierte OB Thomas Kiechle, „es ist kein Selbstzweck, sondern verbessert die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger im Norden.“ Ohne Gegenstimme stimmten die Bauausschuss-Mitglieder für eine Auslegung des vorgestellten Entwurfes. Diese soll noch ohne Stadtratsbeschluss bereits im Juni stattfinden. Eggert rechnet damit, dass der Bebauungsplan Ende dieses Jahres beschlossen werden kann. 

Susanne Lüderitz

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