Gute Miene zum bösen Spiel

Drei Auszeichnungen, drei strahlende Gesichter: Die Preisträger der 60. Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche sind gekürt. Gleich bei zwei der Auszeichnungen konnten Selbstporträts die siebenköpfige Jury überzeugen. Der Kunstpreis der Stadt Kempten, dotiert mit 4100 Euro, ging an den im Jahr 2007 bereits mit dem Thomas-Dachser-Gedenkpreis ausgezeichneten Immenstädter Maler Stefan Winkler für seine beiden Ölgemälde „Ich will auch!“ und „Geister“.

Erst seit etwa zwei Jahren beschäftige er sich mit Selbstporträts, da er zuvor „die Nähe nie so richtig ausgehalten hat“, wie der Künstler bekannte. In „Ich will auch!“ blickt er mit einer großen roten Clownsnase im Gesicht traurig fragend in den Raum. Winklers Intention dabei ist, die Schwierigkeit auszudrücken, ein Bildthema zu finden. Es sei der selbstkritische Blick, wenn im Atelier „einmal monatelang nichts geht“ und er das Gefühl habe „he, ich will auch!“. „Geister“ zeigt den Maler mit einer über den Kopf gestülpten Tüte, einer Maske gleich mit schemenhafter Fratze. In der gleichermaßen „Reflexionsfläche für Gefühle“ gehe es um „Geister, die immer wieder kommen“, wie er meinte. Für die Jury sei mehr das Thema „ernster Mensch und Spaßgesellschaft“ unter einem „gesellschaftskritischen“ Blickwinkel vordergründig gewesen, wie OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) als Vorsitzender der Jury bemerkte. „Es gibt Situationen, die eigentlich zum Weinen sind, ohne dass man dagegen ankommen kann. „Der Mensch macht gute Miene zum bösen Spiel“, heißt es im Urteil der Jury. Diese „allgemeingültige menschliche Erfahrung“ bringe Winkler durch seine „Bilderfindung und seine passende tonige Farbgebung sehr gut zum Ausdruck“. Preisträgerin des mit 2600 Euro dotierten Thomas-Dachser-Gedenkpreis ist die Malerin Angelika Lohr aus Markt Rettenbach. In ihren beiden Arbeiten in Acryl, Kohle und Papier, „Fire & Ice IV“ und „Landmannalaugar“, sah die Jury eine jeweils „individuelle Qualität“. Mit „spezifischen Farb- und Emotionswerten“ erzeuge sie eine „extreme Spannung“, in der die „Landschaft und die Kraft der Elemente“ zur Wirkung kämen. „Kraft und Leben“ schrieb Lohr ihrer Lieblingsfarbe Rot zu, der sie in „Fire & Ice IV“ in explodierenden Tönen eine lebhafte Dynamik einhaucht. Im nach einer Landschaft im Süden Islands benannten „Landmannalaugar“ zeichnen die dominierenden Farben Weiß und Grün eine abstrakte Landschaft. Ihre Bilder „entstehen im Prozess“, ohne konkrete Vorstellung eines Motivs, erzählte Lohr, die meist am Boden arbeitet. Plötzlich entstehe dann eine „Figur“, die „ausgearbeitet wird“. Preis für Nachwuchskünstlerin Den Förderpreis aus der Rudolf-Zorn-Stiftung, verbunden mit 2000 Euro, erhielt die 21-jährige Lisa Antonie Scherer aus Kronburg für ihre Monotypie-Serie „ankommen“. Begeistert hatten die Jury die „unterschiedlichen Haltungen, Stimmungen, Blickrichtungen“ in verschiedensten Techniken, der 49 Gesichter, in denen sich die Kunststudentin selbst abgebildet hat. Sie zeigen ihre verschiedenen Stimmungen nach ihrem Umzug nach Bonn, wie Scherer enthüllte. Interessant sei, wie sich durch Selbstporträts die „Selbstwahrnehmung verändert“, da man sich intensiv beobachte, meinte die experimentierfreudige Nachwuchskünstlerin. Insgesamt 456 Werke von 122 Künstlern und 128 Künstlerinnen waren für die Kunstausstellung eingereicht worden. Ausgewählt wurden 77 Werke, darunter 31 Malereien, 19 Plastiken und Skulpturen, jeweils zwölf Fotografien und Grafiken sowie drei Installationen. Die Jurymitglieder waren: OB Dr. Ulrich Netzer (Vorsitz), Prof. Joseph Kirmeier-Debre (Leiter MEWO Kunsthalle Memmingen), Dr. Wolfgang Fetz (Leiter Kulturamt Bregenz), Susanne Flesche (Leiterin Kunsthaus Kaufbeuren), Helmut Domnik (BBK-Vorsitzender), Barbar Perras (Malerin) und Karl K. Maurer (Bildhauer).

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