Gutscheine für Elternkurse

Andreas Kibler. Foto: Archiv

Elternkurse sollen die Erziehungskompetenz von Müttern und Vätern stärken. In Kempten gibt es dafür mehrere Anbieter wie den Deutschen Kinderschutzbund. Doch die Nachfrage ist gering. Der Kinder- und Familienbeauftragte des Stadtrats, Andreas Kibler (CSU), stellte deswegen in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses den Antrag, dass Eltern Gutscheine für diese Kurse erhalten sollen.

Kibler wünscht sich, dass die Stadtverwaltung Elternkurse stärker in die Öffentlichkeit rückt. „Eltern fehlt oft die Kenntnis, dass Elternkurse angeboten werden“, erläuterte er. Frauenärzte sollten jedem Elternpaar noch während der Schwangerschaft eine Übersicht aller Kurse aushändigen, die mit der Stadtverwaltung kooperierende Partner anbieten. Zur Geburt eines jeden Kindes müssten Mütter und Väter mit der Post eine Art Scheck oder Gutschein für Elternkurse erhalten. Dieser solle bei möglichst allen Elternkursanbietern, die mit der Stadtverwaltung kooperieren, einlösbar sein und pro Elternteil mindestens 50 Prozent der Kosten für den Lehrgang abdecken. „Die Abrechnung übernimmt der Träger des Elternkurses“, sagte Kibler. Elternkurse nützten nicht nur den Eltern, sondern auch den Kindern. „Wir bezuschussen die Kurse jetzt schon. Aber Eltern fragen diese Kurse nicht in dem Maße nach, wie wir uns das wünschen würden“, erklärte Thomas Reuß, Leiter des Jugendamts. Es sei fraglich, ob die Gutscheine ein stärkeres Interesse an Elternkursen mit sich brächten. Einen Kostenbeitrag der Eltern müsse es aber geben. „Ich glaube, dass die Gutscheine ein guter Start wären, um die Kompetenzen verstärkt zu koordinieren“, meinte Claudia Dress (CSU). Erna-Kathrein Groll (Grüne) schloss sich dem an. Die Gutscheine wären in erster Linie eine Werbemaßnahme für die Elternkurse. „Es ist wichtig zu wissen, in welche Richtung die Anbieter der Elternkurse schulen“, betonte Wolfgang Grieshammer, Geschäftsführer des Diakonischen Werks. „Ich fühle mich manchmal überfordert mit der Informationsflut der verschiedenen Angebote“, offenbarte Kiymet Akan vom Stadtteilbüro Thingers. Man sollte schauen, wo Bedarf ist und stadtteilbezogen arbeiten. Noch vor der Geburt Laut dem Kinderarzt Dr. Thomas Potthast seien Elternkurse für alle Bevölkerungsschichten notwendig. Der Gutschein würde nicht einfach weggeschmissen werden. „Die Geburt des Kindes wäre aber zu spät, um den Gutschein zu erhalten. Denn dann stürzt vieles auf die Eltern herein. „Während der Schwangerschaft wäre besser, da mehr Zeit da ist“, so Siegfried Oberdörfer (SPD). OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) formulierte den Beschlussvorschlag, dass das Jugendamt ein Umsetzungskonzept vorbereiten und dann auch umsetzen solle. Dem stimmten alle Mitglieder des Ausschusses zu. Um die Erziehung von Kindern ging es auch bei dem Thema Elternbriefe. „Das bayerische Landesjugendamt hat seine 48 Elternbriefe komplett überarbeitet und aktualisiert“, sagte Reuß. Die Informationen darin seien pädagogisch fundiert und in einfacher Sprache verfasst. Die Briefe sollten Eltern von Kindern bis zum 18. Lebensjahr bei Erziehungsfragen helfen. „Bisher versendete das Jugendamt die ersten drei Elternbriefe im Paket über das Vorzimmer des Amtsleiters“, so Reuß. Weitere Briefe seien danach nur auf Anfrage der Eltern verschickt worden. Im vergangenen Jahr habe der Jugendhilfeausschuss beschlossen, sich an der Verschickung der neuen Elternbriefe über einen zentral gesteuerten Versand zu beteiligen. Dieser Versand könne heuer am 1. Oktober beginnen. „Die Kosten belaufen sich auf rund 19 000 Euro jährlich, wenn der Elternbrief bis zum 18. Lebensjahr der Kinder versendet wird.“ Reuß schlug deshalb vor, dass die Zusendung der Elternbriefe in den ersten drei Lebensjahren per Post und danach als Newsletter per E-Mail erfolgt. Wer sich ausdrücklich den Postversand wünsche, erhalte den Elternbrief weiterhin in Papierform. „Sind die Elternbriefe in Türkisch möglich? Das gab es bereits früher einmal“, fragte Oberdörfer. „Das steht meines Wissens nicht an“, antwortete Reuß. Erna-Kathrein Groll und Claudia Dress wünschten sich, dass auch Kindertagesstätten und Grundschulen die Elternbriefe erhalten. Einstimmig beschloss der Ausschuss, die Elternbriefe zentral gesteuert per Post nach der Geburt eines Kindes an alle Eltern zu versenden und dafür die Mittel bereit zu stellen. Zudem sollen die Elternbriefe nach dem dritten Lebensjahr auf die Versendung per Newsletter umgestellt werden.

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