"Ich will, dass die Schüler kommen wollen"

CvL Gymnasium will Französisch als zweite Fremdsprache und einen sozialwissenschaftlichen Zweig bieten

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CvL-Direktor Hermann Brücklmayr will künftig mehr Wahlmöglichkeiten bieten.

Kempten – Seit Jahren hat das Carl-von-Linde-Gymnasium (CvL) mit fallenden Schülerzahlen zu kämpfen. Für das Schuljahr 2019/2020 haben sich 44 Fünftklässler angemeldet, am Allgäu-Gymnasium und am Hildegardis-Gymnasium sind es jeweils fast 180, also jeweils mehr als viermal so viele.

„Seit dem Jahr 2000 sinken die Anmeldezahlen“, sagte im Ausschuss für Schule und Sport am Montag CvL-Direktor Hermann Brücklmayr, „seit drei Jahren sieht man einen regelrechten Absturz.“

Kurze Erleichterung hatte einst die Einführung des musischen Zweiges gebracht, dann die Pilotphase +, in der das CvL „das Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten“ erprobte. „Diese hat sich nicht bewährt und ist jetzt vom Tisch“, so Brücklmayer. Nun hat die Schule Ursachenforschung für den Schülerschwund betrieben. Das Ergebnis: Das CvL bietet den Schülern zu wenig Wahlmöglichkeiten. Schon mit Anmeldung in der vierten Klasse müssen sie sich festlegen, ob sie die Sprachenfolge Latein, Englisch oder Englisch, Latein wählen. Kommt dann später Französisch oder Spanisch dazu, haben die Schüler den Sprachlichen Zweig gewählt. Die Entscheidung für den musischen Zweig fällt schon bei Schulanmelung; hier ist die Sprachenfolge Latein, Englisch vorgeschrieben. Theoretisch können sich die Schüler auf dem sprachlichen Zweig auch für Griechisch entscheiden, diese Richtung sei aber seit Jahren nicht mehr zustande gekommen, berichtete Brücklmayr. Nun will die Schule Französisch als zweite Fremdsprache und dadurch mehr Wahlmöglichkeiten anbieten. „Aber somit ist man auch bereits in der 6. Klasse festgelegt auf den sprachlichen Zweig“, erklärte der Schulleiter, „wir brauchen eine weitere Wahlmöglichkeit.“ 

Wie am Hildegardis-Gymnasium soll den Schülern künftig ein Sozialwissenschaftlicher Zweig zur Verfügung stehen. Alle Schüler, egal welcher Sprachenfolge sollen ihn wählen können. Am Hildegardis-Gymnasium habe man nichts gegen die geplante Neuerung am CvL. Brücklmayr rechnet auch mit der Erlaubnis seitens des Ministeriums. Nur, ob München genehmigt, dass die Schüler mit der Folge Englisch/Französisch als dritte Fremdsprache Spanisch wählen können, dessen ist sich Brücklmayr nicht so sicher. Die Stadträte zeigten sich erfreut über das Ansinnen der Schule und hatten etliche Fragen. „Sie nehmen den Druck von der Stadt“, sagte Dr. Dominik Spitzer (FDP). Er erklärte auch, dass Latein für ein Medizin-Studium nicht mehr die Bedeutung habe wie früher. „Hört sich vernünftig an“, sagte Thomas Hartmann (Grüne). Für ihn zeigte sich hier ein „Kardinalfehler“ des Schulsystems, nämlich dass man sich in der vierten Klasse schon entscheiden müsse. Er interessierte sich dafür, ob der neue Zweig mit dem aktuellen Raumprogramm umsetzbar sei. Eine Lehrküche ist für diesen Zweig nicht mehr nötig, erklärte Brücklmayr. „Sozialpraktische Grundbildung“ und „Sozialkunde“ erforderten keine speziellen Räume. Siegfried Oberdörfer (SPD) sah in dem Vorhaben eine Stärkung für Französisch, dessen Schülerzahlen in den letzten Jahren abnehmen. „Als zweite Fremdsprache sind die Kenntnisse viel tiefer als als dritte Fremdsprache.“ 

Und seine Parteikollegin Katharina Schrader schlug vor, als weitere Profilschärfung einen fremdsprachlichen Fachunterricht ins Auge zu fassen. Wie es mit den Aufnahme-Obergrenzen an den anderen Schulen aussieht, wollte Platz wissen. Diese seien an das Platzangebot im Hildegardis- und Allgäu Gymnasium geknüpft. Das Hildegardis-Gymnasium hat dieses Jahr noch einmal sechs Klassen bilden können, nächstes Jahr sind nur noch fünf möglich. In den kommenden Jahren ist mit einem Anstieg der Kemptener Gymnasiasten zu rechnen, entsprechend den aktuell steigenden Schülerzahlen an den Grundschulen. Schüler zu nehmen, die kommen müssen, „ist aber nicht unser Anspruch“, sagte Schulleiter Brücklmayer, „ich will, dass die Schüler kommen wollen.“ 

Susanne Lüderitz

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