Alles eine Frage der Sichtweise

Bäume in der Riederau "nicht gerodet", sondern  "geerntet"

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Die fragliche Fläche an den Bunkern der Riederau. Ansicht von der Nordspange aus. Rechts liegt der Biomassehof.

Kempten – Weitere Ermittlungen wird Volker Reichle, der Leiter des Amtes für Umwelt und Naturschutz, anstellen. Er hatte Anfang Februar den Hinweis erhalten, dass auf dem Biomassehofgelände in der Riederau eine größere Anzahl an Bäumen auf dem künftigen Baufeld der Firma Kutter gefällt werde. Die Firma plant hier ein Gartencenter, da sie von ihrem jetzigen Standort in der Oberstdorfer Straße ausziehen muss(der Kreisbote berichtete).

Wie Reichle in einer Stellungnahme mitteilte, wäre für die Fällung eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde nötig gewesen, also von Reichle selbst. Der Bereich befindet sich derzeit noch im Landschaftsschutzgebiet Iller, das für die Ansiedlung der Firma Kutter, Lagerflächen des Bauhofes und eine Erweiterung des Biomassehofes in einem Verfahren verkleinert und im gleichen Atemzug aufgewertet wird. Laut Reichle seien die Fällungen lediglich mit der Forstbehörde abgesprochen gewesen.

Auf Nachfrage des Kreisbote erklärte Baureferent Tim Koemstedt, dass man auch trotz der noch nicht abgeschlossenen Änderung des Landschaftsschutzgebietes Fällungen vornehmen dürfe, für eine verbindliche Aussage solle sich der Kreisbote aber nochmals an Reichle wenden. Mit der Kutter-Ansiedlung hätte die Fällung nichts zu tun. Auch Reichle erklärte, dass grundsätzlich eine Erlaubnis hätte erteilt werden können, da dies aber nicht geschehen sei, werde gegebenenfalls ein Bußgeld festgelegt.

Der Bauausschuss genehmigte Kutter am Dienstag dieser Woche Foliengewächshäuser und das Aufstellen von Containern in der Riederau als Übergangslösung – mit Gegenstimme von Michael Hofer (ÖDP). Die Zeit drängt, da der Kutter-Umzug bereits Ende 2018 erfolgt hätte sein müssen und in der Oberstdorfer Straße lediglich Verlängerung eingeräumt worden war . Weil sich das Verfahren mit den nötigen Änderungen des Landschaftsschutzgebietes noch hinzieht, ist diese Zwischenlösung nötig. Die Container und das Gewächshaus werden auf dem derzeitigen Parkplatz auf Asphalt errichtet. CSU-Fraktionsvorsitzender Erwin Hagenmaier dankte Bauwerber Michael Kutter ausdrücklich dafür, dass er in die nicht ganz billige Übergangslösung investiert. „Die Kemptener hätten Kutter schon vermisst“, so Hagenmaier.

Wie Bernd Munz, von der beauftragten Planungs- und Projektentwicklungsgesellschaft Lars Consult im Gespräch mit dem Kreisbote erläuterte, seien die Bäume „im Vorgriff auf die Ansiedlung von Firma Kutter“ nicht gerodet, sondern nur „auf Stock gesetzt worden“, was einer Holzernte entspreche. „Herr Reichle muss darüber nicht informiert werden, nur in der kritischen Zeit“, so Munz. Die Planungsgesellschaft habe sich deshalb nur an das Forstamt gewendet. Die kritische Zeit beginne ab März, weil dann die Vögel mit dem Nestbau und der Brutzeit beginnen. Große Gehölzschnitte dürfen nur bis Ende Februar erledigt werden. „Wenn der Bebauungsplan zustande kommt, darf gerodet werden, wenn nicht, wird wieder angepflanzt.“

Kollege Robert Geiß von Lars Consult ergänzte, dass sich die Gewächse innerhalb von zwei bis drei Jahren wieder erholen könnten. Sie seien auch schon in früherer Zeit geschnitten worden. Außerdem stünden sie auf den Bunkern. „Eine frühere Kartierung hat ergeben, dass die Sträucher und Bäumchen als nicht hochwertig einzustufen sind.“Bei der Fläche handle es sich zudem um eine Konversionsfläche mit hohem Versiegelungsanteil.

Munz und Geiß hatten im Bauausschuss über den derzeitigen Stand der Planungen berichtet. Derzeit läuft unter anderem das Verfahren für die Flächennutzungsplanänderung und den Bebauungsplan „GE-Riederau 1“, in dessen Bereich Firma Kutter angesiedelt wird. Die Gebäudehöhen in der künftigen Gewerbefläche werden auf eine Höhe von 12,5 Meter begrenzt zuzüglich drei Metern für notwendige Dachaufbauten. „4500 Quadratmeter Fläche dürfen überbaut werden, 6000 Quadratmeter vor allem im Bereich der Straßen werden entsiegelt“, sagte Munz. Weil es sich bei den Gehölzen auf den Bunkern um Wald handle, müsse der Ausgleich nach dem Naturschutzrecht und dem Waldgesetz erfolgen. Die Ausgleichsfläche von 1,5 Hektar wurde im Westen des Bebauungsplanes festgesetzt. Eine weitere nötige externe Ausgleichsfläche von 0,3 Hektar liege am nordwestlichen Teil des Bebauungsplan-Geltungsbereichs. Munz empfahl, diese externe Ausgleichsfläche im weiteren Verfahren in den Bebauungsplan zu integrieren.

Ein Thema in dem Bereich seien neben dem Kuckuck auch die Zauneidechsen, die im Frühjahr umgesiedelt und anschließend mit einem dichten Zaun zurückgehalten würden.

Theo Dodel-Hefele (Grüne) interessierte sich dafür, ob man auf dem nun ebenfalls als Gewerbefläche gekennzeichneten Bereich des MSC Scuderia-Kempten e.V. später anderes Gewerbe ansiedeln könne. Baureferent Koemstedt verneinte, da der vorhabenbezogene Bebauungsplan verhindere, dort einfach zu bauen. 

Bis 20. März läuft nun die frühzeitige Beteiligung. Nach der geplanten förmlichen Auslegung im Juli rechnen die Verantwortlichen Ende August mit Satzungs- und Feststellungsbeschlüssen, der die Änderungen von Flächennutzungs- und Bebauungsplan eintüten.

Michael Kutter freut sich jedenfalls, dass er in Kempten bleiben darf. Er möchte das Gewerbe auf jeden Fall auch in Kempten anmelden, denn „ich fühle mich verbunden mit der Stadt“, sagte er gegenüber dem Kreisbote

Susanne Lüderitz

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