Eine interessante Ausstellung der Künstlerin Lis Schubert ist derzeit im "kunstreich" zu sehen

Aussagekräftiges Material

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Witz und Ernsthaftigkeit gehen bei den Soft Sculptures der Kemptener Künstlerin Lis Schubert eine geradezu perfekte Symbiose ein.

Kempten – Häkeln gleich Topflappen? Mitnichten! Und schon gar nicht bei der Kemptener Künstlerin Lis Schubert, deren Soft Sculptures derzeit zum Besuch der Galerie „kunstreich“ des artig e.V. locken.

Die farbenfrohen Hingucker aus verschlungenen Wollfäden haben es ganz schön in sich, denn so fröhlich sie auf den ersten Blick auch scheinen – hinter den meisten durchaus humorvollen Woolart-Objekten verbirgt sich doch ein ernstes Anliegen der Künstlerin. So werden die Besucher gleich am Eingang mit „Gorilla m/w“ konfrontiert: schwarz umhäkelte, nicht gerade zierliche Gorillaknochen. „Gipsabdrücke“, wie Schubert betont, die auf zwei weißen Federkissen gebettet sind. „Gorillas sterben aus“, kommentiert sie das Werk. „Sie sind hochgefährdet, deshalb muss man sie schützen“, wofür sie auf die Symbolkraft der weichen Federkissen setzt. 

Nicht weit davon entfernt verbrüdert sich Wolle mit Bauschaum: „Durchschaumich“ hat sie die drei langen, herunterbaumelnden, mit Bauschaum gefüllten Schläuche genannt, die unten in einem prallen Wollballon enden. Hie und da quillt die Füllung durch die doch nicht überall so engmaschig gehäkelten Wollkonglomerate, die farblich auf den Ausstellungstitel „Rot, Gelb, Blau“ abgestimmt zu schein scheinen. 

Wolle gehäkelt, gewachst, mit chilli-gewürzter Erdbeermarmelade bestrichen, in Honig getränkt oder gefüllt mit Bauschaum, dazwischen auf Silberfaden gewebte Federn – bei der Wahl des für sie jeweils aussagekräftigtsten Materials ist Schubert erfinderisch, kombiniert Stoffe, die erstmal nicht so recht zusammenpassen wollen. Oder doch? Irgendwie scheint es ihr auch darum zu gehen, die Begrenztheit der Vorstellungskraft ad absurdum zu führen. Sind das zwei schwarze Wollstrümpfe, die da am Boden liegen? Der integrierte Film einer Bahnfahrt im TGV nach Paris, aufgenommen mit einer Handkamera, entlarvt die vermeintlichen Strümpfe schnell als Schienenstränge: „Sehnsucht nach Paris und dann?“ hat Schubert die Installation genannt. 

Einen Abstecher zum Material Baumwolle macht die gebürtige Immenstädterin mit „Schmutzige Schokolade“. Die neun T-Shirts in Kleinkindergrößen hat sie – riechbar – mit echter Schokolade durchtränkt, um darauf aufmerksam zu machen, dass Kakao in vielen Ländern durch die Arbeit von Kindersklaven geerntet wird. Während sich im Erdgeschoss die skurrilen Objekte der eigenwilligen Künstlerin tummeln, hat sie für eine Sonderausstellung im ersten Stock der Galerie aus dem Familienbesitz zum Teil verkäufliche Lithographien, Stiche und Radierungen zusammengestellt. Kernpunkt der Schau ist die neunteilige Serie „Mein blaues Klavier“ des Münchner Chromolithographen Klaus Eberlein, der 1983 das gleichnamige Gedicht der 1933 emigrierten deutsch-jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler illustrierte. 

Bis zum 1. Dezember ist die zweiteilige Ausstellung von Lis Schubert noch im „kunstreich“ des artig e.V., Schützenstraße 7 in Kempten, zu besichtigen. Geöffnet hat die Ausstellung samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie dienstags von 16 bis 20 Uhr.

Christine Tröger

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