Haie auf dünnem Eis

Bayernliga-Aufsteiger ESC Kempten fühlt sich allein gelassen

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Mit Schläger und Maske: die „Haie“ Jürgen Kugler (li.) und Florian Ecker (re.) können mit der Unterstützung von Landtags-Vizepräsident Alexander Hold (2.v.re) und MdL Bernhard Pohl rechnen.

Kempten – Die Corona-Krise hinterlässt auch auf dem Eis tiefe Spuren: „Wenn die behördlich verordnete Zuschauerzahl nicht erhöht wird, dann werden wir das Ende der bevorstehenden Saison nicht erleben!“, sagt Vorstand Florian Ecker. Und Kassier Jürgen Kugler setzt noch einen drauf: „Die Politik hat den Amateursport schlicht und einfach vergessen, wir brauchen Hilfe!“ Landtagsabgeordnete der „Freien Wähler“ haben sich jetzt ein Bild von der aktuellen Lage bei den Kemptener „Sharks“(„Die Haie“) aus der Eishockey-Bayernliga gemacht.

Dunkle Wolken statt Sonnenschein 

Eigentlich wäre bei den Eishockey-Cracks eitel Sonnenschein angesagt, immerhin ist die Truppe von Trainer Carsten Gosdeck jetzt in die höchste Amateurspielklasse der Republik aufgestiegen und darf sich ab 4. Oktober mit bayerischen Eis-Größen wie Miesbach, Klostersee oder Königsbrunn messen. Doch Corona grätscht dazwischen. Bei den geplanten 15 Heimspielen in der rund 3500 Zuschauern fassenden Eis-Arena an der Memminger Straße sind pro Spiel gerade mal 200 Besucher erlaubt. Doch das dürften zu wenig für die Zukunft des populären Vereins und seine vielgelobte Jugendarbeit sein: „Wir brauchen pro Match rund 700 Zuschauer, um unseren Etat stemmen zu können“, erklärt Kugler. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf und der Gastronomie seien eminent wichtig. Sie machen rund ein Viertel des ESC-Etats aus. Entweder wird das zugelassene Zuschauer-Quantum erhöht oder die bayerische Staatsregierung müsse die Mindereinnahmen ausgleichen, fordert Vorstand Ecker, „die Profiklubs aus der DEL und der Oberliga bekommen ja auch 80 Prozent ihrer Einnahmeverluste ersetzt.“

Amateure fliegen unter dem Radar 

Unter anderem hat sich der Allgäuer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (FW) für diese Regelung eingesetzt. Der ehemalige Präsident des ESV Kaufbeuren will nun zusammen mit seinem Parteifreund Alexander Hold aus dem Kemptener Stadtrat die Gleichbehandlung der Eishockey-Amateure erreichen: „Wir sind in guten Gesprächen mit dem bayerischen Sportminister Joachim Herrmann“, berichtet Hold. Der Vizepräsident des Landtages kennt als Chef der Kemptener Handballer die aktuellen Nöte des Amateursports ganz genau: „Er fliegt quasi unter dem Radar der Öffentlichkeit, wenn da etwas kaputt geht, das ist kaum wieder zu reparieren.“

Gut vorbereitet, aber verunsichert 

Die „Haie“ selbst sind gut vorbereitet. Ihr Hygiene-Konzept hängt an der Tür, die Fans finden deutlich markierte Plätze auf den Rängen vor, ohne Masken geht nichts. Die wichtigsten Sponsoren sind bei der Stange geblieben. Und mit Max Schmidle konnte eine Allgäuer Eis-Ikone an die Iller geholt werden. Trotzdem spürt man in der ESC-Geschäftsstelle große Verunsicherung: „Vielleicht scheuen unsere Fans den Gang in die geschlossene Halle?“ 

Landtags-Vizepräsident greift zum Schläger 

Der Kartenvorverkauf für die Hauptrundenspiele beginnt jetzt, man ist gespannt an der Memminger Straße. Vorstand Florian Ecker appelliert an die Politik: „Genehmigt uns Amateuren bayernweit überall 20 Prozent unseres möglichen Zuschauervolumens – damit kommen wir über die Runden.“ Die aktuell erlaubten 200 Fans machen nicht mal sechs Prozent aus, das reiche hinten und vorn nicht, gibt Ecker zu bedenken. Neben dem laufenden Spielbetrieb wäre dann auch die Jugendarbeit mit derzeit rund hundert Kindern und Jugendlichen in Gefahr, auch das Engagement zahlreicher ehrenamtlicher Helfer*innen verpuffte im Nichts. Alexander Hold hat in der Kabine der „Haie“ schon mal demonstrativ zum Schläger gegriffen: „Eishockey hat in Kempten einen so hohen Stellenwert, da müssen wir was tun!“

Lutz Bäucker

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