Wohnungsmarktanalyse für Kempten vorgestellt

"Der Bedarf ist eindeutig da"

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Auf der Jakobwiese wird derzeit eifrig an neuen Wohnhäusern gearbeitet.

Kempten – Als das Pestel-Institut vor einer Wohnungsnot in Kempten warnte, wollten die beiden großen Wohnungsbaugesellschaften davon nichts hören. Tatsächlich gibt es derzeit auch keinen akuten Mangel an Wohnungen in Kempten, wie aus einer Analyse der Hamburger F+B Forschung und Beratung GmbH hervorgeht.

Bis 2030 wird sich das jedoch ändern: „Der Wohnungsbedarf wird steigen“, prognostizierte Dr. Volker Reimann am vorvergangenen Montag im Haupt- und Finanzausschuss. Er empfahl daher den Stadträten, das geplante Neubaugebiet Halde-Nord baldmöglichst zu entwickeln. 

Seit das Hannoveraner Pestel-Institut im vergangenen Sommer kritisierte, dass es in Kempten insgesamt zu wenig Mietwohnungen gebe, schwelt das Thema latent. Zuletzt hatte die CSU-Stadtratsfraktion mehr und vor allem bezahlbaren Wohnraum für Familien gefordert. Der SPD ist das Thema schon länger ein Anliegen, wie ihre beständigen, alljährlichen Forderungen nach einem Mietspiegel zeigen. „Das Thema hat an Aktualität gewonnen“, stellte Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl am vorvergangenen Montagabend im Haupt- und Finanzausschuss fest. „Die Nachfrage nach Wohnraum ist in den Kempten in den letzten Jahren deutlich gestiegen.“ Daher wolle die Kemptener Stadtverwaltung den Ausbau des Neubaugebiets Halde-Nord vorantreiben. Fachkundige Unterstützung erhofft sich die Verwaltung von der Marktanalyse der F+B Forschung und Beratung. 

Moderates Wachstum 

Deren Analyse stellte Reimann den Stadträten jetzt vor. Grundlage ist die Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes sowie eine Prognose für die kommenden Jahre auf Basis statistischer Werte. Aufgrund dessen kommen die Experten von der Elbe zu dem Schluss, dass die Bevölkerung Kemptens bis 2030 moderat (100 bis 2500) an- wachsen wird. Das führe zu einem Bedarf von 1330 bis 2450 zusätzlichen Wohnungen, so Reimann. Zurück gehen werde dabei aber aller Voraussicht nach der Bedarf nach großen Wohnungen, da 2030 Familien mit vier und mehr Personen nur noch Ausnahmen darstellen würden. Bereits jetzt sei festzustellen, dass der Wohnungsbau gerade einmal so Schritt mit dem leichten Anwachsen der Bevölkerung halte. So befinde sich der Wohnungsbau nach einem kurzen Hoch in 2007 auf „einem niedrigen Niveau“. So entstanden 2011 nur noch 75 neue Wohnungen. Das führe zu steigenden Preisen: So müsse ein Interessent heute 74 Prozent mehr für ein Einfamilienhaus zahlen als 2007. „Und auch bei Eigentumswohnungen ist die Preisentwicklung steigend, wenn auch noch vergleichsweise moderat“, so der Fachmann. 

Langsamer geht dagegen bei den Mieten der Anstieg vonstatten: Diese stiegen von 2007 bis 2011 durchschnittlich um neun Prozent. So bezahlt der Mieter derzeit im Bestand 5,79 Euro/Quadratmeter und im Neubau 7,94 Euro/Quadratmeter. Als Ausweg aus dem Dilemma schlug Reimann die zügige Entwicklung des Neubaugebiets Halde-Nord vor. „Sie stellt einen großen Anteil des Wohnbaupotenzials.“ Er empfahl eine „breite Zielgruppenansprache“ mit einem besonderen Fokus auf Familien mit Kindern. Von den insgesamt 700 Wohnungen, die auf der Halde-Nord entstehen können, sollten rund 70 Prozent Ein- und Zweifamilienhäuser sein, nur rund 30 Prozent Mehrfamilienhäuser. Die Entwicklung des Neubaugebiets sollte aber schrittweise erfolgen, um auf mögliche Veränderungen in der demographischen Entwicklung oder der Nachfrage besser reagieren zu können. 

Mayr drückt aufs Tempo 

„Wir sollten uns weniger Zeit lassen als wir das in den letzten Jahren gemacht haben“, mahnte Bürgermeister Josef Mayr (CSU) angesichts der vorliegenden Analyse. „Wir sollten vor allem junge Familien in Kempten halten“, so sein Appell. Alexander Hold (FW) konstatierte: „Der Bedarf ist eindeutig da – nicht erst in zehn Jahren. Es gibt eine deutliche Angebotslücke an bezahlbaren Familienwohnungen.“ Das sei Grund genug, die Halde-Nord anzugehen. „Wir sind dafür verantwortlich, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Kempten eine lebenswerte Stadt bleibt“, sagte er. Helmut Hitscherich (UB/ödp) regte indes an, rechtzeitig an den Bau von Kindergärten und Schulen für das Neubaugebiet zu denken.

Matthias Matz

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