Abschied in der Gemeinde

"Bisch a Pfundskerl"

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Bei seinen Verabschiedungen darf Anton Klotz auf manch ungewöhnlichem Sitzmöbel Platz nehmen – etwa dem selbstgebastelten, etwas gewagten Gefährt, mit dem ihn die Kinder des Kindergartens Börwang im Rahmen ihres fantasievollen Abschiedsvormittags vor zwei Wochen symbolisch durch das Oberallgäu chauffierten.

Haldenwang – Wenn ein verdienter Politiker aus dem Amt scheidet oder das Aufgabengebiet wechselt, gehört eine standesgemäße Verabschiedung mit vielen Reden, Urkunden und Zinntellern dazu.

So auch beim vierstündigen Festabend zur Verabschiedung des Oberallgäuer Landrats Anton Klotz (CSU) aus seinem Amt als 13. Bürgermeister der Gemeinde Haldenwang. Im Fall des äußerst beliebten Klotz fielen die Reden auffallend warmherzig aus und waren geprägt von Begriffen wie Humor, Freundschaft, Wehmut und vor allem eins: Dankbarkeit.

Toni Klotz selbst nahm nach einem Rückblick über die Erfolge der vergangenen Legislaturperiode zunächst mit teils sehr persönlichen und humorvollen Worten die Verabschiedung der ausgeschiedenen Haldenwanger Gemeinderäte vor. Darunter waren auch die beiden „mittlerweile fossiliaren“ Kollegen Wolfgang Gabler und die „schillernde Figur“ Peter Mair, die beide nach 30 Jahren das Gremium verließen.

Anton Klotz selbst wurde mit zahlreichen warmherzigen Reden geehrt. Darin war immer wieder von einem „freundschaftlichen Miteinander“, von einer „vertrauensvollen, zielgerichteten Zusammenarbeit“ zum Wohle der Gemeinde, von der Menschlichkeit, der unerschöpflichen Energie, dem „unvorstellbaren“ Arbeitspensum in verschiedenen Gremien, von der Entscheidungsfreude und vom Humor des scheidenden Rathauschefs die Rede.

Immer ein offenes Ohr

Als Vertreter der Ortsvereine entbot Edmund Bayrhof Klotz ein herzliches „Vergelt´s Gott“ für „die Zeit, den Einsatz, den Fleiß und die Energie“, die dieser den Vereinen geschenkt habe. Er habe stets ein offenes Ohr gehabt und bei Problemen immer zu Lösungen gefunden, „mit denen alle zufrieden waren“. Verwaltungsleiter Georg Hartmann würdigte die „stets angenehme, menschliche, faire Art“ des Rathauschefs. Sein Umgang mit den Mitarbeitern, bei dem „niemals eine Klima von Stress, Hektik oder Nervosität“ geherrscht habe, sei ein Stück Lebensqualität gewesen. Klotz´ Stellvertreter Matthias Ammann und Peter Mair kamen schließlich nach ihrem Rückblick auf zahlreiche Meilensteine der erfolgreichen gemeindlichen Arbeit, die erreicht wurden, seit Klotz am 1. Mai 1990 als 38-Jähriger sein Amt antrat, zu dem Resümee: „Toni, Du bisch a Pfundskerla!“.

"Viel Wehmut"

Und auch der neue Haldenwanger Bürgermeister Josef Wölfle sprach von der „unbandigen Beliebtheit“ seines Vorgängers. Der Geehrte selbst zeigte sich gerührt. Er nehme mit „ordentlich viel Wehmut“ Abschied, sei aber „sehr dankbar“ dafür, dass er 24 Jahre lang mit ganzem Herzen die Geschicke seiner Heimatgemeinde habe leiten dürfen. Er sei tief berührt von den „großartigen Worten des Lobes“ und er sei glücklich, dass er „unvorstellbar vielen Menschen“ auf unterschiedlichste Art und Weise hatte helfen und beistehen können. In seiner Amtszeit habe er etwa 300 standesamtliche Trauungen vorgenommen („Die kürzeste Ehe dauerte drei Tage – das war aber nicht meine Schuld“), rund 850 Geburtstags- und Hochzeitsjubilare besucht und beglückwünscht „und dabei 500 Paar Weißwürste verdrückt“ – was allerdings zu einer gewissen Abneigung gegen Letztere geführt habe. Haldenwang sei zu einer Vorzeigegemeinde geworden, in der er selbstverständlich weiterhin wohnen bleibe. Auch sein neues Amt, das er „mit hohem Respekt“ annehme, wolle er mit ganzem Herzen erfüllen.

Angesichts der Abschiedsgeschenke wird „der Toni“ sicher noch das eine oder andere Mal in die Luft gehen: Die Gratulanten schenkten ihm unter anderem einen Rundflug mit einem viersitzigen Motorflugzeug sowie einen Tandemgleitflug im Tannheimer Tal.

Sabine Stodal

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