Beschluss bleibt

Der Mobilfunkmast kommt

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Die Einwohner des Haldenwanger Weilers Fleschützen haben es je nach Standpunkt entweder besonders gut oder besonders schlecht erwischt. Ihre Häuser liegen in einem Funkloch, in dem weder Handy noch schnurloses Internet funktionieren. Daran wird auch der neue Mast nichts ändern.

Haldenwang – Der Haldenwanger Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung entschieden, den vom Gremium selbst infrage gestellten Beschluss vom 30. April zugunsten des neuen Mobilfunkmastes bei Börwang nicht zurückzunehmen.

Die Ergebnisse des von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Gutachtens zur Strahlenbelastung ließen keinen rechtlichen Spielraum für eine nachträgliche Ablehnung, so die mehrheitliche Meinung.

Leicht gemacht haben sich die Gemeinderäte diese Entscheidung nicht. Ihrem Beschluss, der letztlich mit drei Gegenstimmen gefasst wurde, ging eine erneute fast einstündige Debatte um das seit Monaten kontrovers diskutierte Thema voraus (der Kreisbote berichtete mehrfach). Vielfach wurde Besorgnis über die zunehmende Strahlenbelastung im Allgemeinen und die Verantwortung des Rates für die Gesundheit der Bürger geäußert. Jedoch könne man die gesellschaftliche Entwicklung hin zur immer intensiveren Nutzung mobiler Angebote ohnehin nicht aufhalten und unterliege als Gemeinde zudem einer Versorgungspflicht.

Der damalige positive Beschluss sei aufgrund falscher Informationen gefasst worden, monierte Christine Rietzler. Schließlich habe die Telekom damals behauptet, nach der Abschaltung der alten Sendeanlage in Kindberg würde die Börwanger Mobilfunkversorgung komplett zusammenbrechen – was nicht der Fall war. Während mobile Internetverbindungen bestenfalls zäh funktionieren, sind Telefonate mit dem Handy (wenn auch teils nur außerhalb der Häuser) meist möglich.

Laut Gutachten des unabhängigen Umweltinstituts München wäre der neue Mast trotzdem sinnvoll. Denn momentan sind die Börwanger aufgrund des schlechten Empfangs einer höheren Strahlenbelastung durch ihre auf Volllast laufenden Endgeräte ausgesetzt. Der von der Telekom geplante Standort für den neuen Mast in einem Waldstück oberhalb Börwangs, gut 350 Meter von der nächsten Bebauung entfernt, wäre optimal, so das Gutachten weiter. Er gewährleistet die Mobilfunkversorgung des gesamten Dorfes und weist mit die gerings- ten Strahlungswerte aller infrage kommenden Alternativen auf. „Selbst wenn wir den Mast jetzt ablehnen, würde das Landratsamt diese Entscheidung aufgrund der Privilegierung von Handymasten und unserer Versorgungspflicht sowieso aufheben“, sagte Matthias Ammann. Dr. Albrecht Botzenhardt gab zu bedenken: „Wenn wir diesen Masten ablehnen, kommt womöglich ein Privatmann, dem die Meinung der Nachbarn egal ist und lässt die Antennen stattdessen auf seinem Hausdach installieren, was ein Vielfaches an Strahlenbelastung für alle bedeuten würde. Und wir hätten als Gemeinde keinerlei Möglichkeit, das zu verhindern.“

Durch die abschließende Abstimmung hat die vor Monaten erteilte Baugenehmigung Bestand. Nun ist es am Landratsamt und an der Telekom, die weiteren Schritte einzuleiten. Da der Mast möglicherweise knapp innerhalb eines derzeit in Planung befindlichen Wasserschutzgebietes stehen wird, gehört hierzu auch der Nachweis seitens des Anbieters, dass die Erschließung des Geländes und der Bau der Fundamente unbedenklich möglich sind. „Notfalls kann der Mast um einige Meter außerhalb der Schutzzone versetzt werden“, so Bürgermeister Josef Wölfle. Einen Baubeginn noch in diesem Jahr hält er für unwahrscheinlich. Die Gemeinde will nun die Kosten für ein Strahlengutachten erfragen, das auch die derzeit gegebene Befeldung durch die Sendeanlagen auf der Maha und in Ursulasried anzeigt.

Sabine Stodal

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