Bürgerinitiative kämpft gegen mögliche Tempobeschränkung

Haldenwanger wollen Tempo 30 – oder doch nicht?

+
Stefan Wanner (ganz links) und Max Böck (ganz rechts) bei der Übergabe der Unterschriftenlisten an Matthias Amann, Josef Wölfle und Michael Hauke (v.l.n.r.).

Haldenwang – In Haldenwang brodelt es. Nachdem der Gemeinderat einstimmig beschlossen hat, in weiten Teilen von Haldenwang und Börwang eine Tempobeschränkung auf 30 Kilometer pro Stunde anzustreben, machen einige Bürger mobil.

Sie möchten, dass es bei Tempo 50 bleibt und sammelten dafür 1110 Unterschriften.

„Der Wunsch nach Tempo 30 im Ort ist nicht neu“, erklärt Bürgermeister Josef Wölfle im Gespräch mit dem Kreisbote. „Bereits im Jahr 2016 hat sich der Gemeinderat ausgiebig mit dem Thema befasst. Wir haben damals Geschwindigkeitsmessungen und Verkehrszählungen durchgeführt und infolgedessen in einigen sensiblen Bereichen, beispielsweise in der Nähe der Kindergärten sowie an den steilen Straßen in Friedhofsnähe Tempo-30-Zonen geschaffen.“ Auch in der Folgezeit sei immer wieder der Wunsch nach weiteren Gebieten mit Tempobeschränkung aus der Bevölkerung an ihn und Gemeinderatskollegen herangetragen worden, vor allem nachdem es am nördlichen und am südlichen Ortsausgang von Haldenwang zu zwei Unfällen mit Personenschäden – in beiden Fällen waren Kinder betroffen – gekommen war. Immer wieder hätten sich Eltern, deren Kinder entlang der Hauptstraßen vom Schulbus nach Hause laufen, sehr besorgt über vorbeirasende Fahrzeuge geäußert. 

„Vor ein paar Jahren gab es sogar eine Unterschriftenaktion, bei der Tempo 30 in der Ottisrieder Straße gefordert wurde“, erinnert Wölfle. Dass das Thema nun wieder auf die Tagesordnung einer Gemeinderatssitzung kam, hatte daran gelegen, dass es bei der Bürgerversammlung im November 2019 eine Wortmeldung mit dem Wunsch nach Tempo 30 gegeben hatte. „Wir sind als Gemeinderat gehalten, solchen Anregungen aus der Bürgerversammlung nachzugehen und uns damit zu befassen“, betont der Rathauschef. „Ausgangspunkt der aktuellen Überlegungen war das Ortszentrum von Haldenwang. Einige der Räte wollten Tempo 30 ab der Naturecke, andere ab der Feuerwehr bis zur Raiffeisenbank. Dann stellte sich die Frage: Wo zieht man die Grenze?“ Schließlich wurde der einstimmige Beschluss gefasst, an allen Ortsstraßen entlang der Ortsdurchfahrten Tempo-30-Zonen einzuführen und bei den Durchgangsstraßen eine Tempobeschränkung zu beantragen. 

Wichtig zu wissen: Die Einrichtung von Tempo-30-Zonen in Wohngebieten liegt im Ermessen der Gemeinde. Wenn es hingegen um Tempobeschränkungen auf Bundes-, Staats-, Kreis- oder Vorfahrtsstraßen geht – darunter fallen in diesem Fall die Haupt- und Wengener Straße in Haldenwang sowie die Kemptener- und Haldenwanger Straße in Börwang – ist in der Regel das Landratsamt zuständig, bzw. bei der Börwanger Steige das Straßenbauamt. Um zu sehen, was dort überhaupt möglich wäre, habe die Gemeinde nun beim Landratsamt eine streckenbezogene Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 innerhalb der Ortschaften Haldenwang und Börwang beantragt. „Dies ist eine Maximalforderung, bei der wir nicht davon ausgehen, dass sie so bewilligt wird“, so Wölfle. Der Antrag beinhalte auch den Wunsch nach einem Vor-Ort-Termin mit Fachbehörden und Polizei, um die Sachlage gemeinsam zu beurteilen. In Stein gemeißelt sei noch gar nichts. „Das ist ja erst einmal nur der Antrag. Jetzt müssen wir die Antwort des Landratsamtes abwarten, bevor wir weiter beraten können.“ Die Ortsteile Seebach, Fleschützen und Pfaffenhofen sowie die Straße nach Kindberg seien übrigens nicht von den Tempo-30-Überlegungen betroffen. 

Und zwischen Haldenwang und Börwang bleibe ohnehin die jetzige Regelung bestehen. Hier ist abschnittsweise Tempo 100 und Tempo 60 (an der Schule) erlaubt. Im Anschluss an die Berichterstattung über den Beschluss formierte sich eine zwölfköpfige Bürgerinitiative „Pro Tempo 50, gegen Tempo 30.“ 

Pro Tempo 50
„Alle Mitwirkenden wohnen oder arbeiten in der Gemeinde Haldenwang“, sagt Stefan Wanner, einer der Initiatoren. „Viele, die zum Beispiel bei der Maha arbeiten, fahren in der Mittagspause nach Hause. Sie würden bei Tempo 30 wertvolle Minuten auf der Strecke lassen“, moniert er und fügt hinzu: „Wir wollen, dass etwas Bewährtes beibehalten wird.“ Tempo 30 im Gießkannenprinzip auf die gesamte Gemeinde zu verteilen, auch dort, wo es keine nachweisbaren Gefahren gebe, würden ihm und seinen Mitstreitern widerstreben. Ihre Argumente gegen Tempo 30 lauten: Tempo 30 senke die Kapazität der betreffenden Straßen. Das Staurisiko steige, es komme zu Stoßzeiten vermehrt zur Konvoi- bzw. Kolonnenbildung. Diese wiederum bedeute ein schwierigeres Überqueren der Fahrbahn für Fußgänger, insbesondere für Kinder und ältere Menschen, da dann die Zeitfenster sehr kurz seien. 

Das Unfallrisiko für Fußgänger steige somit. Auch die Sicherheit für Radfahrer nehme bei Tempo 30 ab. Könnten diese mit 50 Stundenkilometer zügig überholt werden, sei bei 30 Kilometer pro Stunde die Differenzgeschwindigkeit so gering, dass der Überholvorgang sehr lange dauere. Hierbei verschätzen sich viele Autofahrer, was erst recht gefährliche Situationen für Radfahrer zur Folge haben könne. Für umsichtige Autofahrer, die dann auf ein Überholen verzichteten, bedeute jeder Radfahrer, noch langsamer als 30 Kilometer pro Stunde fahren zu müssen. Überdies führe Tempo 30 zu mehr CO2-Ausstoß, mehr Feinstaubbelastung und zu mehr Lärm. Mit diesen Argumenten waren die Aktiven von Haustür zu Haustür gezogen, „um eine möglichst reelle Meinung der Bevölkerung einzuholen und Unterschriften zu sammeln“, so Wanner weiter. Sage und schreibe 1110 der insgesamt 3800 Bürgerinnen und Bürger (oder anders gesagt: gut ein Viertel der Wahlberechtigten) haben sich mittlerweile mit ihrer Unterschrift gegen Tempo 30 ausgesprochen. 

In der vergangenen Woche übergaben Stefan Wanner und Max Böck die Unterschriftenlisten im Rathaus an Josef Wölfle und seine beiden Stellvertreter Matthias Amann und Michael Hauke. Diese zeigten sich überrascht. „Dass es so viel sind, wundert mich“, räumte Wölfe ein. Hauke sicherte zu: „Selbstverständlich wird dieses klare Votum in die weitere Meinungsbildung einfließen.“ Bei der Gemeinderatssitzung am 18. Februar (nach Redaktionsschluss) werde das Gremium zunächst über die Einwände informiert. Nach Erhalt der Stellungnahme des Landratsamtes soll dann erneut und unter Berücksichtigung aller Aspekte über das Thema gesprochen werden. Die Tempo-50-Befürworter haben sich mit ihrem Anliegen auch schon an Landrat Anton Klotz gewandt. Er habe um Kopien der Unterschriftenlisten gebeten. 

Sabine Stodal

Auch interessant

Meistgelesen

Gewässerverunreinigung durch Heizöl an Göhlenbach und Rottach
Gewässerverunreinigung durch Heizöl an Göhlenbach und Rottach
Rechenschaftsbericht des ehemaligen Tourismusbeauftragten des Stadtrats Helmut Berchtold
Rechenschaftsbericht des ehemaligen Tourismusbeauftragten des Stadtrats Helmut Berchtold
Bei Ohrwerk sind die ViO Hörsysteme jetzt auch mit Akkutechnologie erhältlich
Bei Ohrwerk sind die ViO Hörsysteme jetzt auch mit Akkutechnologie erhältlich
Bauen in Hanglage: Besondere Anforderungen bei der Planung und Ausführung
Bauen in Hanglage: Besondere Anforderungen bei der Planung und Ausführung

Kommentare