Thomas Kiechle lädt zum Austausch ins Rathaus ein

OB mit Handwerkern im Gespräch

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OB Thomas Kiechle hatte am Montagabend Repräsentanten des Handwerks zu einem Rathausgespräch in die Schrannenhalle eingeladen.

Kempten – „Das Handwerk hat traditionell eine große Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Kempten.“ Einerseits weil es viele Arbeitsplätze schaffe und andererseits weil es viele Ausbildungsplätze anbiete. Um mit verschiedenen Vertretern von Kemptener Handwerksbetrieben ins Gespräch zu kommen und ihnen die Möglichkeit zu geben, Themen zu platzieren, hatte OB Thomas Kiechle am Montagabend zu einem Rathausgespräch geladen.

„Ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind“, begrüßte Kiechle seine Gäste in der Schrannenhalle des Rathauses, in der auch Handwerkskunst zu sehen sei. Die Eichenbalken seien aus dem Jahr 1474, informierte er, und wie er findet in „meisterlicher Handwerksarbeit gestaltet“.

In Kempten gibt es laut Kiechle ungefähr 800 Handwerksbetriebe („eine gewaltige Zahl“), die insgesamt rund 4000 Beschäftigte haben und einen Jahresumsatz von knapp einer halben Milliarde Euro generieren. „Das ist ein ganz starkes Fundament und über Jahrzehnte dafür verantwortlich, dass es uns gut geht.“

Der Rathauschef erläuterte den Gästen eines der strategischen Ziele des Stadtrats – den Wirtschaftsstandort Kempten zu stärken. Dafür sei es wichtig, entsprechend Gewerbeflächen zur Verfügung zu stellen. Derzeit gebe es eine Vielzahl an Anfragen für Gewerbeflächen, jedoch stoße die Stadt hier an ihre Grenzen. „Flächen sind nicht beliebig vermehrbar“, so Kiechle, weshalb auch die Nachnutzung von Leerständen eine große Rolle spiele. Zudem gehe die Bereitstellung von Gewerbeflächen einher mit Wohnbauflächen. Dies seien zwei wichtige Themen und gerade im Wohnbau passiere in Kempten derzeit sehr viel. „Wir arbeiten daran, die Stadt attraktiv zu halten und zu gestalten.“

Bevor einige Gäste die Möglichkeit nutzten, Themen offen anzusprechen, war es Kiechle noch ein Anliegen, sich bei den Handwerkern zu bedanken. „Vergelt‘s Gott. Sie sind die Leistungsträger unserer Gesellschaft und leisten hervorragende Arbeit, nicht nur im wirtschaftlichen, sondern auch im sozialen Bereich.“

Das erste Thema, das angesprochen wurde, bezog sich auf die neu eingeführten Parkgebühren. Berufsschüler müssten nun jeden Tag drei Euro bezahlen, deshalb fragte Klaus Dieter Scholl, Obermeister der Innung Spenger-Sanitär,Heizung-Klimatechnik, ob es nicht möglich wäre, für die Berufsschüler Parkausweise auszustellen. Zu diesem Thema habe man sich viele Gedanken gemacht, eine Sonderregelung sei aus rechtlichen Gründen jedoch nicht möglich. Kiechle erläuterte den Anwesenden die verschiedenen Tickets (z.B. Jahres-, Viermonatsticket), die an den Automaten gelöst werden können. Außerdem werde es bald das Jobticket geben, wodurch die Busnutzung wesentlich günstiger wird. Für die Einführung des Jobtickets fehle nur noch ein Stempel der Regierung von Schwaben, gab Helmut Berchtold bekannt. Mit diesem Ticket kostet das Monatsticket für den Kemptener Stadtbus beispielsweise nur noch zwölf Euro (Azubis: elf Euro). Sobald genügend Nachfrage da sei, könnten auch die Linien weiterentwickelt werden. Außerdem wird versucht, das Angebot auch beispielsweise auf die Buslinie Kempten-Immenstadt auszuweiten. Die Nutzung des ÖPNV zu steigern sei eine Zukunftsaufgabe, so Kiechle. Auch werde versucht, künftig mehr P&R-Parkplätze anbieten zu können.

Weiteres Thema war der Fachhandwerkermangel, gerade für Lehrlinge werde wenig getan, wodurch es auch wenige Lehrlinge gebe, bemängelte Heizungstechniker Werner Bogner und fragte Kiechle daher, was die Stadt machen könne, um die Lehrlingsausbildung zu fördern. Das Handwerk habe ein Imageproblem und daher sei es eine Gemeinschaftsaufgabe, das Image aufzubessern, so das Stadtoberhaupt. Er spreche das Thema auf Veranstaltungen immer wieder an, jedoch sei die Konkurrenz der Industrie so groß und zudem sei Handwerk für viele Jugendliche nicht mehr erlebbar, da sie „zwei Eltern mit linken Händen“ haben. Es sei eine langfristige Aufgabe es zu schaffen, dass es die Vorzüge einer Ausbildung im Handwerk wieder in die Köpfe schaffen. Dazu gehört Kiechle zufolge jedoch auch, dass nicht mehr nur Abitur und Hochschulreife als optimaler Bildungsweg gelten. Wer hier eine Ausbildung im Handwerk mache, sei in diesem Bereich weltweit an der Spitze.

Kreishandwerksmeister und Stadtrat Hans-Peter Hartmann wies noch auf das Projekt „Wanted Handwerk“ hin, das Jugendliche frühzeitig ans Handwerk heranführt und die Berufe erlebbar macht. Dieses Projekt werde auch von der Stadt unterstützt.

„Geplante Investitionen in der Stadt scheitern schon früh an der Stadtverwaltung“, bemängelte Karosseriebauer Bernd Mildner, der von acht geplanten Projekten nur eines „durchgebracht“ habe. Kiechle bat um Verständnis für die Verwaltung, die immer nach einer rechtssicheren Lösung suche. Häufig gebe es gesetzliche Vorgaben, für die die Stadt nichts könne. „Wir versuchen immer in Gesprächen eine Lösung zu finden“, betonte der OB. Baureferent Tim Koemstedt empfahl, schon bei ersten Ideen den Bürgerservice Bauen zu kontaktieren, ohne dass schon konkrete Planungen vorliegen.

Anschließend klang der Abend bei Gesprächen in kleineren Runden mit Getränken und Essen aus. Für die Handwerker standen neben OB Kiechle auch Experten aus der Stadtverwaltung sowie die Fraktionsvorsitzenden der im Stadtrat vertretenen Parteien als Gesprächspartner zur Verfügung.

Melanie Weidle

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