Heißes Battle beim Jazzfrühling

Bandwettstreit im TheaterOben

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Die Sieger des diesjährigen Hansjürgen-Hensler-Jazz-Wettbewerb: Das Vincent Eberle Quintett.

Der Wettbewerb innerhalb des Jazzfrühlings darf zu einem der Highlights unter den Veranstaltungen gezählt werden. International aktuelle Jazzstars sind zu weit weg von Kempten, und wenn der Jazzfrühling immer weniger mit vergangenen Weltstars glänzen kann, dann kümmert er sich doch um zukünftige.

Das Zeug dazu hätten sie alle, zumindest was den aktuellen Stand ihrer Musikerkarrieren betrifft, die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich klappen wird, ist andererseits erfahrungsgemäß gering, was aber mitnichten – das hat sich an diesem Abend gezeigt – an ihrem musikalischen Können liegt. Am Konzertabend waren vier Bands durch die von der Landesarbeitsgemeinschaft Jazz in Bayern durchgeführte Vorauswahl gelangt. Sie nennen sich und traten in dieser Reihenfolge auf: Ark Noir, Coastline Paradox, Turn und Vincent Eberle Quintett. Alle auftretenden Musiker waren unter 30 Jahre alt und können der süddeutschen Jazzszene zugerechnet werden mit einem Schwerpunkt auf Nochstudierende bzw. Absolventen des Fachbereichs Jazz an der Hochschule für Musik und Theater München.

Die Stilrichtungen waren sehr unterschiedlich und repräsentierten einen guten Teil des Jazzspektrums. Mit Ark Noir war die Fusionrichtung vertreten, die weg von einer puristischen Auffassung mit elektrifizierten Instrumenten und elektronischen Sounds dem Jazz den klassischen Swing austreibt und auf zeitgenössische Musikströmungen eingeht. Mittlerweile ist diese Richtung allerdings auch schon in die Jahre gekommen, so dass sie nicht mehr die Speerspitze der Jazzentwicklung darstellt. Hat Jazz etwas mit Kunst an sich zu tun, mit neuen Ideen und Ausdrucksformen, wo auch außermusikalische Stilmittel aufgegriffen und mit der Musik verschmolzen werden? Coastline Paradox bot ein schlüssiges Konzept, bei dem impressionistische Klavierflächen und kongeniale Flügelhornlinien sehr interessant und stimmig mit Sprachtextwelten verbunden wurden. Reiner Jazz auf der Höhe der Zeit, das ist Turn. Hat ein Miles Davis bei Claude Debussy abgeschaut, so integriert Pianist Jonathan Hofmeister perfekt die Zwölftonmusik Arnold Schönbergs in seine Skalen, auf genauso hohem Niveau seine beiden Mitstreiter. Ein starkes und modernes Trio.

Jazzfrühlings-Halbzeit

Das Vincent Eberle Quintett mit einem unermüdlich im Hintergrund ackerndem Bassisten, einem zurückhaltendem Bandleader an Trompete und Flügelhorn, einem Bebop-Gitarristen, der weiß, wann er spielen muss und wann nicht, und einem vibrierenden Schlagzeuger, vielleicht noch übertroffen vom Pianisten, der ein Solo spielte, das klassisches Können mit erregender Modernität verband. Großer Applaus des fast vollständig gefüllten Zuhörerraums nach den jeweils 20-minütigen Darbietungen der Bands im TheaterOben. Eine viertelstündige Beratungszeit und die fünfköpfige Jury entschied sich für das Vincent Eberle Quintett als Sieger, Zweiter wurden Coastline Paradox, Dritter Ark Noir und Vierter Turn.

Jürgen Kus

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