Harte Konfrontation

Mit dunklen Farbtönen, sparsamen Lichteffekten und eindrucksvollem Körpertheater konfrontierte das „Freedom Theatre“ aus dem Flüchtlingslager Janin, Palästina, im Stadttheater Kempten vergangene Woche seine Zuschauer. Die Bilder von Tod, Terror, Vorurteil und Hass lösten beim Publikum von Anfang an starke Gefühle aus.

„Wir wollen“, so der jüdisch- palästinensische Regisseur Juliano Mer-Khamis, „unsere Empfindungen sichtbar machen. Wir spielen unseren Alltag und tragen so die Botschaft von Janin in die Welt.“ Eingeladen wurde die Gruppe von der Allgäuer Initiative Palästina-Israel, die erst vor kurzem in Kempten eine Vortragsreihe zur Nakbah, der Vertreibung des palästinensischen Volkes, angeboten hatte. Der Weltladen beteiligte sich an der Organisation der Aufführung. Eine Frau, gefesselt an einen Stock und erschlagen der Liebe wegen, junge Männer, sinnlos in den Tod geschickt, eine Hochzeit, die sich in einen Alptraum von Gewalt und Vertreibung verwandelt. Die Szenen wechseln rasch, lassen kaum Zeit zum Nachdenken und lösen Beklemmungen aus. Deutlich kommt die tägliche Belastung der jungen Schauspieler in ihrem Heimatland Palästina beim Publikum an. Alle acht Darsteller sind zwischen 18 und 19 Jahre alt. Die Männer haben, wie in einem Kurzfilm zu Beginn der Aufführung zu sehen ist, schon erwogen, als Märtyrer für ihr Volk zu sterben. Das „Freedom“ Theatre hat ihnen eine neue Perspektive gegeben. Sie wollen nun, wie ein Pantomime sagt, der kulturellen Vernichtung durch die Besatzungsmacht Israel entgegenwirken und ihre Situation öffentlich machen. Keine Propaganda Das „Freedom Theatre“ entwickelt den einzigen professionellen Veranstaltungsort für Theater und Künste im nördlichen Teil des besetzten Palästina. Studenten haben nun die Möglichkeit, eine Theater- oder Schauspiellaufbahn einzuschlagen. Für Frauen, wie eine Darstellerin erzählt, ein schwieriger Weg. Viele Palästinenser glauben nicht an die Kraft des Schauspiels und die Arbeit am Theater widerspricht der traditionellen Rolle der Frau in der Familie. Im Film bringt es ein Mädchen auf den Punkt. „Wir gehen vom Haus des Vaters an den Herd des Ehemanns.“ Schnell wird deutlich, dass die Gruppe keine Propaganda für eine bestimmte Volksgruppierung betreibt. „Wir sind für keine bestimmte Gruppe“, bestätigt auch Mer-Khamis. „Wir sind für die Menschen, die in Palästina leben und die in Freiheit leben wollen. Nicht irgendwann, sondern heute.“ Ein Teilnehmer der späteren Diskussion spricht aus, was viele denken. „Wenn wir hier in Deutschland etwas zu Gunsten Palästinas verändern wollen, sind wir auf eure Hilfe angewiesen. Nur ihr könnt zeigen, wie es dort wirklich ist.“

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