Viele Unwägbarkeiten

Kemptens Messe- und Veranstaltungs-Eigenbetrieb auf wackligen Beinen

Im Dirndl unterwegs auf der Allgäuer Festwoche
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Der Messe- und Veranstaltungsbetrieb ist u.a. für die Organisation der Festwoche zuständig.

Kempten – Der Eigenbetrieb wird als Unternehmen der Stadt Kempten außerhalb der allgemeinen Verwaltung als Sondervermögen ohne eigene Rechtspersönlichkeit geführt. Die Ausgaben des Eigenbetriebs werden durch eigene Einnahmen und durch Haushaltsmittel der Stadt gedeckt. In der Regel stellt die Stadt hierzu einen hohen Betrag zur Verfügung. Gegenstand des Unternehmens ist die Organisation der Allgäuer Festwoche, des Weihnachtsmarktes, der Jahr- und Händlermärkte sowie des Wochenmarktes. Außerdem die Verwaltung und Vermietung Veranstaltungshäuser: Kornhaus, Allgäuhalle, Markthalle und Hofgartensaal der Residenz. Die Sparte Stadttheater wurde in einen eigenen Eigenbetrieb ausgegliedert

Die Geschäftsführerin, Martina Dufner, wies im Rahmen der Haushaltsberatungen zunächst darauf hin, dass die Aufstellung des Wirtschaftsplanes durch die anhaltende Coronakrise schwierig war, da nicht bekannt ist und nicht spekuliert werden kann, welche Veranstaltungen im kommenden Jahr überhaupt durchgeführt werden können. Der Wirtschaftsplan stand daher unter der Prämisse, dass 2021 alle jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen stattfinden können. Im laufenden Jahr waren die Erträge geringer, denen stehen dann auch noch höhere, coronabedingte Aufwendungen gegenüber. Als Beispiel nannte sie die Markthalle, deren Nutzung stark eingeschränkt gewesen sei. Jetzt dürfen nur acht Händler in die Halle, eine Nutzung für andere Veranstaltungen war nicht möglich. Somit sieht Dufner geringere Erträge vorprogrammiert. Da sich die Markthalle in Privatbesitz befindet, musste bisher auch die Miete bezahlt werden.

Stadtrat Thomas Hartmann (Bündnis 90 / Die Grünen) wollte wissen, ob die Pacht in der Höhe beglichen werden muss, obwohl die Halle nicht benutzt werden konnte. Ferner meinte er, dass man heute solch einen Pachtvertrag nicht mehr abschließen würde und der einzige Gewinner der Eigentümer sei. Dufner will mit dem Eigentümer Gespräche bezüglich einer Mietminderung führen.

Im Jahre 2021 ist in allen Sparten ein größeres Defizit zu erwarten. In puncto Allgäuer Festwoche mahnte Dufner an, zeitnah zu entscheiden, ob diese stattfinden kann, um unnötige Kosten zu vermeiden. Selbst wenn die Festwoche ausfallen sollte, werde es ihrzufolge bei dem eingeplanten Minus von 115.000 Euro nicht bleiben. OB Thomas Kiechle wollte sich zu einem Ausfall der Festwoche nicht festlegen. Man komme auf jeden Fall einem Defizit, je nach Umfang der Festwoche in unbekannter Höhe, nicht aus. Unwägbarkeiten gibt es auch was den Zeltaufbau betrifft, da der bisherige Zeltbauer nicht mehr zur Verfügung steht und die Kosten eines Nachfolgers laut Dufner nur schwer abzuschätzen seien. Die Anpassung an den Stadtpark machen zudem Umplanungen notwendig. Da der Auf- und Abbau der vergangenen Festwochen immer aufwendiger geworden sei, soll dieser nun optimiert werden.

Der Jahrmarkt soll um die Hälfte verkleinert und der Stadtpark in die Planung miteinbezogen werden. Den Händlern wird eine Reduzierung der Platzmiete in Höhe von 16.000 Euro gewährt. An der Frage, ob im städtischen Haushalt ein finanzieller Puffer bezüglich des städtischen Finanzausgleichs für den Eigenbetrieb eingebaut ist, entwickelte sich eine rege Aussprache, obwohl Stadtkämmerer Matthias Haugg darauf hinwies, dass es keine Puffer gebe. „Wir haben kein Dezemberfieber, um am Jahresende Geld auszugeben“, so Haugg. Wenn bei allen Projekten Puffer eingebaut wären, könnten wir den Haushalt nicht aufstellen, da ein Haushaltsausgleich nicht mehr möglich wäre, erläuterte er.

Der Eigenbetrieb hat jedes Jahr andere Entwicklungen. Die Zuschüsse werden so gewährt, wie sie erforderlich sind. Der Oberbürgermeister wies darauf hin, dass die Haushaltsansätze realistisch seien. Es könne aber im Verlauf des Prozesses notwendig werden, höhere Ansätze zu wählen. Er appellierte an alle, auch kleinere Beträge zu hinterfragen, da die Risiken für die kommenden Jahre nicht absehbar seien. 

Helmut Hitscherich

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