Finanziellen Korb für Architekturforum

"Haus der Baukultur": Pumpt die Stadt nichts ins Pumpenhaus?

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Bei der Kunst Nacht Kempten nutzten viele Kemptener und Kemptenerinnen die Gelegenheit, einen Blick ins Innere des Pumpenhauses und auf die ausgestellten Fotos zu werfen.

Kempten – Eine Quasi-Absage gab es in der letzten Sitzung des Bauausschusses für das Architekturforum Allgäu. Geschäftsführer Franz G. Schröck war in die Sitzung gekommen, um ein Nutzungskonzept für das historische Pumpenhaus vorzustellen. Mit einem „Haus der Baukultur“ will der Verein eine Plattform und Raum bieten, um das qualitätvolle Bauen im Allgäu voranzutreiben.

Geld gibt es von der Stadt dafür vorerst wahrscheinlich keines. Zwar fasste das Gremium keinen offiziellen Beschluss, doch verwiesen die Mitglieder im Hinblick auf die Haushaltsberatungen auf die angespannte finanzielle Situation. Oberbürgermeister Thomas Kiechle zeigte sich vom Konzept überzeugt. „Wir könnten im süddeutschen Raum einen Ruf gewinnen“, sagte er. Allerdings müsse die Sache „erst einmal reifen“. 

Einst stand das Pumpenhaus – in dem übrigens nie gepumpt wurde – als Reglerhaus zwischen Kemptens beiden Gasometern. Heute ist das von Architekt Ambros Madlener entworfene Gebäude das letzte verbliebene auf dem einstigen Gaswerksgelände. Bis 1986 in Betrieb, wollte es die Stadt vor einigen Jahren verkaufen. Der „Initiativkreis Pumpenhaus“ aus Heimatverein, Altstadtfreunden, Architekturforum und Bürgern intervenierte und so war mit Hilfe des Intitiativkreises nach Konzepten gesucht worden, wie das Haus in städtischer Hand mit einem Betreiber bespielt werden könnte. Zwei Bewerbungen für eine Nutzung hatten sich zerschlagen, sodass nun das Architekturforum selbst auf den Plan trat. Einen ganzen Strauß von Nutzungsmöglichkeiten dieser Idee präsentierte Geschäftsführer Franz G. Schröck jüngst den Bauausschuss-Mitgliedern: Im „Haus der Baukultur“ soll nicht nur die Geschäftsstelle des Architekturforum Allgäu (Untergeschoss) unterkommen. 

Das 1914 erbaute Haus soll mit seinem 120 Quadratmeter großen Raum im Erdgeschoss auch Platz bieten für Ausstellungen, Vorträge, Fortbildungen und (Kinder-) Workshops, Veranstaltungen der Bürger des Quartiers, eine Bibliothek, die Versammlungen der Altstadtfreunde, die regionale Handwerkerschaft und die Preisgerichtssitzungen der Stadt; alles freilich vor allem mit Schwerpunkt auf der Baukultur. Auch ein öffentliches WC für die Besucher des Altstadtparks können sich die Architekten im Pumpenhaus vorstellen. Beim Betriebskonzept, das Schröck vorstellte, übernimmt die Stadt als Eigentümerin die Sanierung, das Architekturforum überweist eine monatliche Miete, die anderen Nutzer beteiligen sich ebenfalls an den Betriebskosten. 

„So ist die Geschäftsstelle schon finanziert.“ 350.000 Euro netto reine Baukosten müsste die Stadt laut einer Schätzung berappen, „wobei die Planer, Ingenieure und Handwerker unseres Netzwerks mit eingebunden werden können“, erklärte Schröck. Diese könnten in Form von Sponsoring oder ehrenamtlichen Leistungen Unterstützung bieten. Auch die Allgäuer Landkreise und somit auch die Gemeinden will der Verein zur Finanzierung und Bespielung mit ins Boot holen. „Es geht ja um die Allgäuer Baukultur“, sagte er. Abzuklären sind noch denkbare Fördermöglichkeiten wie LEADER, Energetische Sanierung oder über die erweiterte Doppelstadt. „Wir brauchen keine Luxussanierung“, betonte Schröck, der sich bereits mit Hermann Hagspiel, dem Architekten der „Schlichterei“ in Verbindung gesetzt hatte. Der Charme des Industriedenkmals soll wie beim Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Spinnerei/Weberei erhalten bleiben. Neben der Öffnung der Zugemauerten Fenster, sind auch neue Innenoberflächen nötig, da diese mit Schadstoffen belastet sind. 10.000 bis 12.000 Euro kostet der Austausch von Holzboden, Täfer und abgehängter Decke zusätzlich. 

"Es geht ums Geld" 
„Sehr aufgeschlossen“ zeigte sich CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier. Trotzdem schlug er Schröck einen Deal vor, der für die Stadt günstiger würde: „Wir überlassen Ihnen das Haus für 33 Jahre im Erbbaurecht für einen symbolischen Euro Pacht“ und das Architekturforum zieht zur Finanzierung Bauingenieure, Bauindustrie und die Architektenkammer heran. „Da steckt gewaltiges Potential dahinter“, so Hagenmaier. Auch kleine Schützenvereine würden Häuser von der Stadt kaufen und selbst sanieren. „Wenn jeder Architekt im Allgäu 100 Euro gibt, ist das Ding gezahlt.“ Überraschend stellte Siegfried Oberdöfer für die SPD-Fraktion eine neue Idee vor. Die Partei will ein Kinderhaus vor allem für die Ferienbetreuung im Pumpenhaus unterbringen, „sodass zum Beispiel die Kinder aus der Suttschule in den Ferien nicht wieder im Pausenhof landen“. Oberdörfer sprach sich dafür aus, entsprechende Prüfungen anzustellen; parallel dazu ging ein entsprechender Antrag beim Oberbürgermeister ein. Als ein „Leuchtturmprojekt“ sah Theo Dodel-Hefele (Grüne) das Vorhaben. Er konnte sich schon vorstellen, dass die Stadt sich finanziell beteiligt. „Das eine schließt das andere ja nicht aus“, sagte er.

Kein Vereinsheim
Schröck hatte im Bauausschuss vorgesprochen, bevor es in den Haushaltsberatungen darum geht, ob zumindest ein Betrag für die Planungskosten vorgesehen wird. „Ganz schwarz sehen wir jetzt nicht“, erklärte der Erste Vorstand des Architekturforums Gerhard Pahl nach der Sitzung gegenüber der Presse, „das Interesse bei der Politik, das Thema zu verorten und eine Adresse zu geben, ist sehr groß.“ Das Gebäude des Energiezentrums Allgäu werde ja auch von der Stadt und den Kommunen finanziert, weil man erkannt habe, wie wichtig das Thema ist. In einer Sitzung am 31. Oktober bespricht das Architekturforum, wie es in der Sache nun weiter vorgehen will. „Vielleicht müssen wir jetzt doch schon schneller an die Kommunen herantreten“, wo das Thema Baukultur noch jünger ist als in Kempten. Den Vergleich der CSU mit einem Schützenheim sehen die Architekten als nicht ganz richtig an. „Wir wollen das Haus ja nicht als Vereinsheim für unseren Verein heranziehen, sondern für alle und eine Plattform bieten für das wichtige Thema Baukultur.“ 

Kooperation möglich 

Vom Vorstoß der SPD zeigten sich Schröck und Pahl überrascht. „Wir haben ja im Vorfeld in den Fraktionen vorgesprochen.“ Hier sei nichts erwähnt worden. Ein Ferienprogramm unter dem Stichwort Baukultur anzubieten, können sie sich durchaus vorstellen, „aber eine permanente Nachmittagsbetreuung von Schülern, das geht nicht.“ Einer geteilten Nutzung stehen sie eher negativ gegenüber, um ein Alleinstellungsmerkmal zu besitzen. „Mit den höheren Umbaukosten plus Personal- und Betriebskosten ist ein reines Kinderhaus für die Stadt viel teurer als das ‚Haus der Baukultur‘“, so Pahl. Schröck sieht erst einmal die Möglichkeit, das Haus langsam mit einzelnen Filmabenden oder Vorträgen zu bespielen, ähnlich wie das Künstlerhaus, „das ist nun auch eine wichtige Institution“. Und Pahl zeigte sich gelassen: „Im Baubereich muss man ein bisschen zäh sein“, sagte er

Susanne Lüderitz

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