Der "gute Geist" von St. Lorenz verabschiedet sich nach einem Vierteljahrhundert

Ende Januar ist Schluss

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Viele Besucher des Pfarrzentrums von St. Lorenz kennen das Hausmeisterehepaar Hanne und Heribert Keppeler, das Ende Januar in den Ruhestand geht.

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist Hanne Keppeler der „gute Geist“ von St. Lorenz. Alles, was an Arbeit rund um das Pfarrzentrum und um die Basilika anfällt, bewältigt die Hausmeisterin mit ihrem Ehemann Heribert Keppeler.

Alles, was an Arbeit rund um das Pfarrzentrum und um die Basilika anfällt, bewältigt die Hausmeisterin mit ihrem Ehemann Heribert Keppeler. Sie ist Ansprechpartnerin für den Stadtpfarrer, koordiniert die Veranstaltungen und die Gruppen, die sich im Pfarrheim treffen und sorgt für den reibungslosen Ablauf. Doch diese Ära geht nun zu Ende: Ende Januar verabschieden sich Hanne Keppeler und ihr Mann in den wohlverdienten Ruhestand.

Direkt über dem Geschehen, im oberen Stockwerk des Pfarrzentrums von St. Lorenz, hatte das Hausmeisterpaar seine Wohnung. „Das ist schon praktisch, wenn man in Hausschuhen zu seiner Arbeit gehen kann“, bemerkt die 63-Jährige mit einem Augenzwinkern. Doch die ständige Verfügbarkeit hatte auch ihre Schattenseiten. Etwa wenn Passanten sich nach Gottesdienstzeiten erkundigten oder auf der Suche nach der richtigen Tür zu den unterschiedlichsten Zeiten bei ihr läuteten. Die künftige Rentnerin schränkt allerdings ein: „Seitdem die ­Cityseelsorge gleich nebenan ihr Café betreibt, ist es viel besser geworden.“

Die in Altenstadt geborene gelernte Laborantin zog mit ihrem Ehemann 1976 nach Kempten. 1990 erfuhr Hanne Keppeler von der Ausschreibung als Hausmeisterin sowie als Aushilfsmesnerin für die Basilika St. Lorenz und trat diese Vollzeitstelle vor fast 27 Jahren im April 1990 an. Zusammen mit ihrem Mann, der bei der Telekom beschäftigt war, und den beiden damals elf und 15 Jahre alten Kindern wohnte sie fortan in der Hausmeisterwohnung im Pfarrzentrum. Seither kümmert sich Hanne Keppeler um die Belegung und teils auch um den Service bei Veranstaltungen – angefangen vom Einkauf, der Abrechnung und der Reinigung des gesamten Hauses. „Ich muss 300 Scheiben putzen“, hat sie einmal nachgezählt. Sie bestuhlt die Räume, deckt ein, dekoriert und stellt die nötige Technik bereit.

Als Aushilfsmesnerin gehörte neben den klassischen Aufgaben der Gottesdienstvorbereitung auch die Koordination der Ministranten, die Überprüfung der Rauchmeldeanlage und anderer technischer Einrichtungen zum Arbeitsfeld. Alle technischen Dinge habe sie sich erst erarbeiten müssen. „Insgesamt habe ich vier Monate nur in der Kirche gearbeitet“, beschreibt Hanne Keppeler den zeitlichen Umfang. Während der letzten fünf Jahre sei die Vertretung von Mesner Raimund Lux allerdings deutlich weniger geworden.

Ein Glücksfall für die 63-Jährige sei die aktive Mithilfe ihres Mannes Heribert gewesen, stellt die Hausmeisterin fest. Als geringfügig Beschäftigter habe er sich um die Außenanlagen gekümmert und überall, wo es nötig war, mitgeholfen. Das Schneeräumen hatte da oft den größten Anteil. „2006 hat es an Weihnachten wahnsinnig geschneit. Da mussten wir sogar vor der Christmette noch einmal räumen – vor allem die vielen Stufen zur Basilika“, erinnert er sich. Von November bis März seien die Eheleute witterungsbedingt sehr gebunden gewesen, blicken sie zurück. Im Winter vor rund 20 Jahren hat die humorvolle Frau einmal wochenlang einem Obdachlosen im Windfang des Pfarrzentrums einen warmen Schlafplatz geboten. Bei grimmiger Kälte sei er um die Kirche herumgestrichen, erzählt sie. „Wir kamen miteinander in Gespräch und waren uns sympathisch. Albert hieß er“, erinnert sich Hanne Keppeler. Von ihrem „Asyl“ hat damals – außer der Familie – niemand etwas erfahren.

Aufregung gab es vor einigen Jahren, als Heribert Keppeler einen Opferstockräuber auf frischer Tat überführte. Über Monate hinweg war immer wieder Geld gestohlen worden. Als Hanne Keppeler eines Sonntags nach dem Mesnerdienst zum Essen heimkam, erzählte sie ihrem Mann von einem auffälligen Mann, der sich hinter einer Säule versteckt hatte. Mit einem Handy „bewaffnet“ schaute Heribert Keppeler sogleich in der Kirche nach dem Rechten, bemerkte den beschriebenen Dieb und rief die Polizei. Die Beamten überwältigten den in einer Bank knienden Räuber und nahmen ihn mit – das Tatwerkzeug fanden sie dank der Zeugenaussage Keppelers in der Kirche.

Im Ruhestand wird sich das Ehepaar, das nun eine eigene Wohnung bezogen hat, mehr um die betagte Mutter kümmern und viel Spazierengehen oder Fahrradfahren. Als Ausgleich können sie sich auch einen Schrebergarten vorstellen. „Wir müssen unsere Nischen entdecken“, erklären die beiden augenzwinkernd voller Vorfreude auf die bald startende ruhigere Lebensphase: „Wir lassen es auf uns zukommen.“ kb

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