Götterberge und Berggötter

Gesprächsrunde zum Verhältnis von Mensch und Berg

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Der Ethnologe Emanuel Valentin (l.) aus Südtirol brachte neben seinen Erfahrungen über die Gedankenwelt von Bergvölkern auch ein „Hang“ mit – ein Schweizer Musikinstrument in der Form eines Ufos, das aus zwei miteinander verklebten Halbkugelsegmenten besteht und dessen wohlige Klänge wohl am ehesten denen einer Steel Pan entsprechen. Im Hintergrund Prof. Dr. Dietrich Wildung.

Kempten – Zum zweiten Mal in diesem Jahr fand eines der insgesamt drei Gespräche aus der vom Kulturamt initiierten Reihe „Gespräche zur Zeit“ statt.

An jedem der drei Abende wurde und wird zu unterschiedlichen Themen die Frage gestellt, was Kunst und Kultur bewegt und wie Kunst und Kultur die Welt bewegen. So werden in Vorträgen, Diskussionen und Gesprächsrunden die Dinge dieser Welt aus Sicht von Kunst und Kultur beleuchtet – diesmal zum Thema „Heilige Berge, Heimat Berge: Mehr als nur ein Haufen Geröll und Steine“. Dazu hatte Martin Fink, Kulturamtsleiter und Moderator, Prof. Dr. Dietrich Wildung, einen promovierten Ägyptologen und Bergler par excellence, Emanuel Valentin, einen Ethnologen aus Südtirol und Florian Karg, einen ausgebildeteten Tenor und sommerlichen Alphirten aus dem Ostrachtal eingeladen.

Berge als Kultstätten

Den Gesprächsabend eröffnete Wildung mit seinem Vortrag „Götterberge und Berggötter im alten Ägypten“, der sich mit dem Verhältnis der alten Ägypter zu den Bergen ihrer Heimat befasste. Schon zu Zeiten vor Christi Geburt war nur der Teil dieses Landes bewohnbar, der sich entlang des Nils und des Nildeltas entlangzog. Westlich wie östlich ist sein mittlerer wie oberer Flussverlauf mit steilen Bergketten gesäumt, die den alten Ägyptern als heilig galten. In die steil empor ragenden Felsen trieben die Menschen dieser Zeit tiefe Stollen und errichteten an deren Ende Grabkammern. Archäologische Funde und Fotografien von Hyroglyphen aus alten Tempelanlagen, wie unter anderem Luxor, belegen, dass den Menschen dieser Zeit Berge als nahe Orte zum Göttlichen galten. Wildung bebildert seine Ausführungen beispielsweise auch mit eindrucksvollen Aquarellen, die sein Vater, ebenfalls Ägyptologe, dereinst bei Grabungen entlang des Nils anfertigte. Nach Beendigung des Fachvortrags lud Fink im zweiten Teil die Diskutanten auf die Bühne, um mehr zu erfahren über deren unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen mit dem Mythos „Bergwelt“.

Persönliche Ansichten

Alle drei Diskutanten sind mit den Bergen eng verbunden. Emanuel Valentin beschäftigt sich als Ethnologe mit dem Fragestellung, ob Bergvölker spezifische Eigenarten und Lebenseinstellungen entwickeln, der Oberstdorfer Florian Karg entschloss sich nach Schreinerlehre und Ausbildung zum Tenor die Sommer auf einer Alpe zu verbringen und Wildung ist ein begeisterter Bergsteiger und diente viele Jahre lang in der Bergwacht. Für alle drei ist die Schönheit der Berge eine persönliche Bereicherung und das Besteigen ihrer Gipfel Ausdruck einer Neugier mehr zu erfahren über das „was dahinter steckt“. So gesehen wird die Bergwelt von allen drei Diskutanten nicht als Mauer, als natürliche Grenze erfahren, sondern als etwas Erhabenes, das den Blick eher weitet als verengt. „Je höher wir im Laufe eines Sommers mit unseren Kühen auf die Berge gelangen, umso ruhiger und entspannter werden wir“, berichtet Karg, der den Sommer über auf einer Alpe im Hintersteiner Tal lebt. Im launigen Gespräch führt Wildung an, dass in früherer Zeit auch im christlichen Raum Hügel und Bergspitzen häufig mit Sakralbauten „gekrönt“ wurden. Das sei etwas, was sich heutige Bauherren aus Respekt vor der Natur und aufgrund von Naturschutzvorschriften nicht mehr trauen würden. Auch das Gipfelkreuz wurde von allen Diskutanten als Beleg dafür gewertet, dass auch in christlich geprägten Weltgegenden der Berg wegen seiner vermeintlichen Nähe zum Himmel als sakraler Ort angesehen wurde. 

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