Freilichtspiele Altusried ausgezeichnet

Söder verleiht "Heimatpreis Schwaben" im Kemptener Kornhaus 

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Der Bayerische Heimatminister Dr. Markus Söder beim Festakt zur Verleihung des Heimatpreises.

Kempten/Allgäu – „Jetzt wird’s ernst!“ Mit diesem nicht ganz ernst gemeinten Satz kündigte der Staatsminister für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat im Kemptener Kornhaus die Verleihung des Heimatpreises an acht Vereine an,

die sich in herausragender Weise um die bayerische Heimat und Brauchtum verdient gemacht haben.

Man glaubte dem gut aufgelegten und gelegentlich sogar etwas selbstironischen Söder sofort, dass er diesen Festakt im Allgäu den Koalitionsverhandlungen in Berlin vorzieht. Schließlich gaben sich hier ein hochgestimmtes Publikum aus den verschiedenen geehrten Initiativen sowie amtierende und verflossene Politprominenz aus Stadt und Land die Ehre. Im Saal wie auf der Bühne waren äußerst fotogene Gestalten mit den verschiedensten Kopfbedeckungen zu bewundern: Mächtige Gamsbärte auf grünsamtenen Hüten, mit Faschingsorden geschmückte Hemden und Blusen, blau-rot-weiß uniformierte Trommler, eine Pickelhaube, Kölner Narrenkappen, Landsknechte und Marketenderinnen in Pluderhosen und Wams, Hüte mit breiten Krempen und wehenden Straußenfedern, strohgeflochtene „Kreissägen“, neckische Gardemädchen, eine gar huldreiche Faschingsprinzessin, aber auch wüste Zottelgestalten mit dröhnenden Schellen – der Spaß am Verkleiden war unübersehbar und das Ergebnis unzähliger Ehrenamtsstunden wirklich beeindruckend.

Den Heimatpreis Schwaben in Form eines Bayerischen Löwen aus weißem Nymphenburger Porzellan samt Urkunde erhielten, von Trommelwirbeln dramatisch untermalt:

• das Colomansfest und der Colomansritt in Schwangau – eine aufwändige Wallfahrt mit vielen Pferden zur Kirche Sankt Coloman, eine Verbindung von Natur und Werten,

• der Dillinger Nachtumzug – ein ausgelassenes alljährliches Faschingsspektakel; Söder musste vor der Prinzessin in die Knie gehen, um sich den Ehrenorden umhängen zu lassen,

• die Erkheimer Klausen – ein Verein, der seit 1964 einen uralten alemannischen Brauch wieder pflegt, hier vertreten von einem fein gewandeten Bischof Nikolaus, wild ausgestatten Knechten und Bärbele,

• die Freilichtspiele Altusried – das Aushängeschild der Gemeinde; alle drei Jahre bringen circa 500 Mitwirkende ein Stück auf die Freilichtbühne, bei dem stets ein gewisser Widerstandsgeist eine tragende Rolle hat,

• die Kinderbrotspeisung Burgau – eine Aktion, die vor über 400 Jahren anlässlich einer Hungersnot ins Leben gerufen wurde und bis heute an jedem Rosenmontag stattfindet,

• der Sprachatlas für Bayerisch-Schwaben – das Lebenswerk von Prof. Dr. Werner König, eine sprachwissenschaftliche Arbeit über schwäbische Dialekte und ihre geographische Verteilung,

• das Kaufbeurer Tänzelfest – das älteste historische Kinderfest in Bayern, bei dem Kinder und Jugendlich alljährlich die Geschichte der Stadt nachspielen, und

• die Wallensteinfestspiele Memmingen – ein großartiges Schauspiel, das einen alle vier Jahre ins Jahr 1630, in die tragische Epoche des Dreißigjährigen Krieges zurückversetzt.

Die Gesprächsrunde war der Frage „Was ist Heimat?“ gewidmet und auch bei diesem Anlass wurde ausgiebig einem beliebten Hobby gefrönt, nämlich der Charakteranalyse der verschiedenen bayerischen und schwäbischen Volksgruppen. Söder moderierte kurzweilig und entlockte den Damen und Herren ein paar prägnante Äußerungen. 

Sternekoch Christian Henze, der mit dem Wort Heimat „Emotion und Leidenschaft“ verbindet und die Allgäuer Küche als Markenzeichen in die Welt tragen will, freute sich über die Renaissance der Kässpatzen, während die TV-Moderatorin Silvia Laubenbacher bekannte, dass ihr als Jugendliche das Wort Heimat und ihr Dialekt peinlich gewesen sind. 

Für ihre Kollegin vom Bayerischen Rundfunk, Anja Marks-Schillfarth ist Heimat schlicht, „wenn man kein Navi mehr braucht“. Oberbürgermeister Thomas Kiechle, dessen Familie seit 1734 in Kempten verwurzelt ist, bezeichnete die Allgäuer als noble, aber zurückhaltende Menschen und konnte sämtliche Strophen des Allgäulieds flüssig zitieren. Dass die Stadt Vereine und Ehrenamt kräftig unterstützt, bezeichnet er als politischen Beitrag zum Heimatgefühl.

„In Bayern ist es kein Widerspruch, Kosmopolit zu sein und Tracht zu tragen“, diese eingangs von Söder aufgestellte Behauptung blieb sicher vielen Leuten im Kopf.

Elisabeth Brock

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