Ein Zeichen der Menschlichkeit

Heimenkirch spendet 4000 Euro Katastrophenhilfe für Beirut

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Der Libanon ist für Heimenkirchs Bürgermeister Markus Reichart zur Herzensangelegenheit ge-worden. Seit Jahren unterstützt die Allgäuer Gemeinde, Initiativen zur Bewältigung der Flücht-lingskrise.

Heimenkirch – Bilder einer ge-waltigen Explosion, die weite Teile der Stadt Beirut zerstör-ten, gingen am 4. August um die Welt.

190 Menschen verloren an diesem Tag durch die Explosion von rund 2700 Tonnen Ammoniumnitrat im Hafen der Stadt ihr Leben, 6000 Menschen wurden verletzt und rund 300.000 Menschen hatten von einer Sekunde auf die andere kein Dach mehr über dem Kopf.

„Das etwas Schlimmes passiert ist, habe ich direkt von libanesischen Bekannten erfahren“, erinnert sich Markus Reichart, Bürgermeister der Marktgemeinde Heimenkirch. Er selbst war bereits zwei Mal im Libanon unterwegs gewesen, zusammen mit einer kleinen Delegation aus dem Allgäu. An das Beiruter Hafenviertel „Gemmayze“ kann er sich noch genau erinnern. Zusammen hätten sie abends Spaß gehabt, gelacht. Land, Leute und Kultur hätten sie kennen und schätzen gelernt.Seit einigen Jahren unterstützt die Allgäuer Marktgemeinde zusammen mit den Gemeinden Gestratz, Amtzell, Kißlegg, Opfenbach und Hergatz, im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Leben gerufene Programm „Kommunales Know How für Nahost“, Initiativen in libanesischen Kommunen bei der Bewältigung der syrischen Flüchtlingskrise.

„Unsere libanesische Partner-Kommune liegt auf der Bekaa-Ebene, einem Hochgebirgszug auf 1000 Höhenmeter“, erzählt Reichart. Ghazzé, so heißt die Gemeinde, die nur knapp 20 Kilometer hinter der syrischen Grenze liegt und für viele Kriegsflüchtlinge, Zuflucht geworden ist.„Es ist ein Kommune mit 6000 Einwohnern und rund 36.000 Flüchtlingen“, beziffert Reichart die Situation vor Ort. Die Flüchtlinge leben dort in Zeltcamps, in einfachen Behausungen. Außerdem gibt er zu bedenken, dass die klimatischen Verhältnisse im Winter dem Allgäuer Klima entsprechen. Mit diversen Projekten und Initiativen versucht die Marktgemeinde die libanesische Partner-Kommune bei der Flüchtlingskrise zu unterstützen. So soll zum Beispiel eine ehemalige Parkanlage revitalisiert und zum Treffpunkt für syrische und libanesische Menschen werden, erzählt Reichart.

Auf einer ihrer Reisen hatte die Allgäuer Delegation das Team der Orienthelfer in der Landeshauptstadt Beirut kennengelernt. Dieser gemeinnützige Verein, den Kabarettist Christian Springer 2012 gegründet hat, unterstützt Menschen direkt im Libanon und in Syrien. Damals, vor zwei Jahren, hatte die Delegation das libanesische Team von Springer in den Räumlichkeiten zu einem Beratungsgespräch besucht. Doch bei der Explosionskatastrophe Anfang August wurde auch das Büro der Hilfsorganisation zerstört. 

„Unter unseren Bekannten gab es Gott sei Dank keine Todesopfer, allerdings wurden einige verletzt“, erzählt Reichart. Die libanesischen Menschen stehen den Allgäuern inzwischen nahe, sie wissen, die Not ist groß dort. In der letzten Sitzung des Libanon Ausschusses Allgäu, dem die Marktgemeinde Heimenkirch angehört, wurde deswegen beschlossen, alle dem Ausschuss angehörigen sechs Gemeinden zu bitten, einen Euro pro Einwohner an die Orienthelfer zu spenden. Dieser Bitte kam der Gemeinderat aus Heimenkirch nach und stockte den Betrag sogar von 3605 auf 4000 Euro auf. Hergatz hat mittlerweile einen Zuschuss von 2500 Euro beschlossen. In den Gemeinden Kißlegg, Amtzell, Gestratz und Opfenbach soll darüber in den nächsten Sitzungen beraten werden.

Heimenkirchs Bürgermeister Reichart spendete noch 1000 Euro aus eigener Tasche. Er selbst kenne bereits mehrere Bürger, auch aus anderen Nachbargemeinden, die diese Initiative unterstützen, erzählt er. „Und bei den Orienthelfern wissen wir, dass das Geld 1:1 ankommt und entsprechend eingesetzt wird.“ So versuchen die Orienthelfer, die in Beirut obdachlos gewordenen Menschen in leerstehenden Hotels unterzubringen. Außerdem unterstützen sie Privatkliniken bei der Versorgung von Verletzten und kümmern sich mit mobilen Feldküchen um die Versorgung hungriger Menschen.Für Heimenkirchs Bürgermeister Reichart ist der Libanon zur Herzensangelegenheit geworden. 

„Die Projekte, die wir dort drüben, zusammen mit den Libanesen zur Abmilderung der Flüchtlingskrise realisieren, das ist das eine. Aber dass wir auch interkulturelle Botschafter und Vermittler zwischen dem Libanon und dem Allgäu sind, das ist mindestens genauso wichtig.“

Wer den Verein Orienthelfer e.V. unterstützen möchte, kann unter dem Stichwort ”Libanonhilfe Allgäu“ oder “Explosion in Beirut” auf folgendes Konto spenden: Stadtsparkasse München, Empfänger: Orienthelfer e.V., IBAN: DE92 7015 0000 0000 5741 11, BIC: SSKMDEM. Weitere Infos zu Orienthelfer e. V. findet man unter www.orienthelfer.de

Tamara Lehmann

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