Auf heißen Kufen ins Tal

Adrenalin-Kick beim Hornerrennen in Sulzberg

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Sulzberg – „Wer bremst, verliert“, so Robert Steiner, Hornerschlittenfahrer beim Rennen in Sulzberg. In vollem Karacho preschten am Sonntag 71 Rennteams die 600 Meter lange Piste von Oberthannen nach Sulzberg auf Hornerschlitten hinunter. Ein Team besteht aus zwei Schlittenfahrern, einem der vorne lenkt und einem zweiten der hinten bremst und sich in die Kurven reinhängt. Doch wem es beim Anblick der steilen Piste mulmig wurde, brauchte sich gar nicht erst auf einen Schlitten zu setzen.

„Denn auf 600 Meter hat die Strecke ein Gefälle von 150 Höhenmeter. Da geht´s ganz schön zur Sache“, sagt Anton Mayr, 1. Vorstand des ausführenden Hornervereins der Hornados aus Sulzberg. 

Die Piste wurde am Tag zuvor extra vereist, mit der Pistenwalze und zu „Fuß“ von Vereinsmitgliedern der Hornados und des MSG Sulzberg verdichtet. „Da bringt man einfach noch mehr Druck drauf“, erklärt Mayr. Bevor die Hornerschlittenfahrer starten dürfen, wird kontrolliert, ob der Schlitten dem Reglement entspricht. 

Denn für die Teilnahme gibt es genaue Bestimmungen: Die Hornerschlitten müssen aus Holz, in Originalbauweise, sein. Es müssen Metallkufen montiert sein und die Kufenneigung darf nicht mehr als zehn Prozent betragen. Die meisten Teilnehmer bauen ihre Schlitten selbst oder haben einen Schreiner, der ihnen einen baut. Hergestellt werden sie aus widerstandsfähigem Holz – meist aus Esche. Natürlich gibt es auch exklusive Modelle, aber rund 1000 Euro muss man für ein solches Gefährt schon veranschlagen. „Wenn man Vollgas fährt, schafft man die Strecke kaum, denn die zweite Kurve nach dem Steilhang hat es wirklich in sich“, so Mayr. 

Da die Teams bei den Horner-Rennen nur einen Wertungslauf haben, ist es letztendlich immer Abwägungssache, wie sie ins Rennen gehen. Nachdem die Hornerfahrer den ersten Steilhang passiert hatten, steuerten sie direkt auf eine Bretterwand zu. Im Bruchteil einer Sekunde mussten Lenker und Bremser eine Einheit bilden: lenken, drücken, bremsen, gegendrücken, Gewicht verlagern…Und letztendlich hoffen, dass um die Kurve „alles gut geht“.

 „Puh, das war knapp“, entlud sich die Anspannung bei so manchem Zuschauer. Gerade in der zweiten Kurve touchierten einige „rasantere“ Fahrer die Bretterwand und sorgten für spektakuläre Augenblicke. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 60 Stundenkilometern preschten Michael Feuerstein und Patrick Egender über den Steilhang in die Linkskurve und rissen knapp 80 Meter weiter ihren Schlitten mit aller Kraft nach rechts. In einer Rekordzeit von 37,45 Sekunden erreichten sie das Ziel und landeten auf dem ersten Platz. 

Stand früher noch die „Gaudi“ an erster Stelle, „so ist daraus inzwischen ein Sport geworden. Die Strecken sind viel anspruchsvoller und ohne Übung hat man keine Chance mehr“, so Claudia Günther, Hornerschlittenfahrerin der Sulzberger Hornados. Zusammen mit Freundin Tanja Pilgrim ist sie im Alter von 16 Jahren das erste Mal spaßeshalber bei einem Hornerrennen gestartet. Damals fiel beim Verein ein Männerteam aus und die beiden starteten unter deren Namen. Seitdem der Sprecher sie damals mit einem „Das sind joa Hasa!“ überrascht enttarnte, sind inzwischen 26 Jahre vergangen. 

Und noch immer sind die beiden erfahrenen Hornerschlittenfahrerinnen mit Leib und Seele dabei. Obwohl, eins hat sich inzwischen schon geändert: Es ist es nicht mehr so wichtig, mit „Vollgas“ den Berg hinunter zu preschen, sondern „Hauptsache heil“ unten anzukommen. Auch Manfred Herb, Kassier der Sulzberger Hornados, hält die Veranstaltung mit rund 1000 Besuchern für sehr gelungen, letztendlich einfach deswegen „weil nichts passiert ist!“

Tamara Lehmann

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