Herausforderungen der Zukunft für Kempten: CSU-Ortsgruppe-Süd lädt zur Diskussion

Demographie und Integration als Themen

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Vor der Kür die Pflicht: Aus seinem Referat für Jugend, Schule und Soziales verkündete Referatsleiter Benedikt Mayer vorab viele Zahlen. Links neben ihm Stadtrat und Vorsitzender der CSU-Ortsgruppe-Süd, Stephan Prause.

Kempten – „Herausforderungen der Zukunft für Kempten“, zu diesem Thema hatte der CSU-Ortsverband-Süd seine Mitglieder, Neugierige und Vertreter der Presse eingeladen. Als Referenten des Abends hatte man Sozialreferent Benedikt Mayer gewinnen können. Nachdem es im weiteren Verlauf des Abends zu angeregter Diskussion kam, beschäftigte sich dieser vorab in seinem halbstündigen Referat mit dem Thema „Fachkräftemangel – Herausforderungen der Zukunft“.

Mayer benennt die unschönen Fakten des demografischen Wandels. Bei einer Gesamtbevölkerung von 67.000 Einwohnern in Kempten sind 14.300 Menschen älter als 65 Jahre, aber nur 10.400 Menschen unter 18 Jahre. Der Anteil der älteren Bevölkerung ist größer als der der jungen Generation und zukünftig wird sich dieser Trend noch verstärken. Zwar räumt Mayer ein, dass es im letzten Jahr erfreulicherweise einen Anstieg auf 735 Geburten in Kempten gegeben hat, verweist aber mit einem Fingerzeig auf die Alterungspyramide der Stadt, die belegt, dass solche Zahlen Ausreißer sind.

Zahlen sprechen deutliche Sprache

Positiv für die Allgäumetropole ist der hohe Anteil von insgesamt 40.900 Personen im erwerbsfähigen Alter. Mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von nur 3,5 Prozent verfügt Kempten derzeit auch über ausreichend sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse. Ein Blick auf die Zahlen der Ausbildungsstellen des Jahres 2016 aber lassen bereits jetzt entstehende Probleme auf dem Arbeitsmarkt erkennen. 2016 standen 6225 offenen Ausbildungsstellen nur 4615 Bewerber gegenüber. Auch in Kempten ist ein Trend weg von der betrieblichen, dualen Ausbildung hin zu längeren Schulbesuchen erkennbar. Aus diesem Grund entwickelt sich ein immer größer werdender Fachkräftemangel.

Mayer zählt am Abend allein 20 Berufsbilder auf, denen es sowohl an Auszubildenden wie Fachkräften mangelt, vom Fahrlehrer, über den Friseur bis zu Ingenieuren der Mechatronik und Automatisierungtechnik oder Spezialisten der Elektrotechnik. Dem gegenüber stellt Mayer die noch vorhandenen Potentiale auf dem Arbeitsmarkt. Durch entsprechende Angebote, wie beispielsweise Teilzeit durch Unternehmen oder einer ausreichenden Versorgung in punkto Kinderbetreuung seitens der Stadt, können neue Arbeitskräfte aus der Gruppe der Frauen und älteren Personen gewonnen werden. Schwieriger ist es aus der Gruppe der Schulabbrecher und Langzeitarbeitslosen Fachkräfte dem Arbeitsmarkt zuzuführen.

Große Chancen sieht Mayer in dem Versuch, junge Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Im gesamten Allgäu werden derzeit rund 260 junge Flüchtlinge in zweijährigen schulischen Maßnahmen auf eine mögliche betriebliche Ausbildung vorbereitet. „Dieser Weg ist okay“, sagt Mayer und verkündet froh: „Von 16 in dieser Maßnahme vorgebildeten Jugendlichen konnten wir im letzten Jahr 14 in ein betriebliches Ausbildungsverhältnis führen.“

Unterschiedliche Meinungen

Nach dem Referat lud CSU- Stadtrat und Vorsitzender der CSU-Ortsgruppe-Süd, Stephan Prause, die Anwesenden zu einer offenen Diskussion ein. Dabei berichteten unter anderem Matthias Fiedler, Geschäftsführer der Firma Deiser, Stadtrat und Einzelhandelsunternehmer Andreas Kibler sowie Stadtrat und Busunternehmer Helmut Berchtold von ihren Erfahrungen als Arbeitgeber. Alle sprachen unisono von der Schwierigkeit geeignetes Personal zu finden und berichteten von zum Teil nicht ausbildungsfähigen Jugendlichen und hohen bürokratischen Hürden. „Manchmal bevorzuge ich die Bewerbung eines jungen, motivierten Menschen mit Migrationshintergrund der eines gleichaltrigen Deutschen“, gibt Fiedler zu. Grundsätzlich habe man gute Erfahrung mit der Integration von ausländischen Arbeitnehmern in den eigenen Betrieben gemacht, „… vorausgesetzt man spricht Deutsch.“

Angemerkt wurde von den Anwesenden auch der Abzug von Fachkräften aus dem Handwerk in Richtung der Industrie. „Ich kann meinen Angestellten solche Gehälter nicht zahlen“, berichtet ein betroffener Handwerksmeister. Lebendiger wurde die Diskussion als die Sprache auf die grundsätzliche Hinführung von Flüchtlingen auf den deutschen Arbeitsmarkt zu sprechen kam. Bis auf Ausnahmen waren die meisten Anwesenden der Überzeugung, dass Flüchtlingszahlen wie 2015 eine Integration auf dem Arbeitsmarkt eine nicht lösbare Aufgaben sei. Gabriele Gruber von der Frauen Union gab zu Bedenken, dass eine Flüchtlingspolitik ohnehin nur dann wirklich gelingt, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Angesichts schwelender Staatsschuldenkrisen in der EU, einer Nullzins-Politik, einer nun rasant steigenden Verteuerungsrate und vielen ungelösten internationalen Konflikten könnte es auch in Deutschland schnell zu krisenhaften Situationen kommen.

Jörg Spielberg

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