"Herausragende Stellung"

Amphoren waren es, die zahlreiche Informationen zur römischen Handels- und Wirtschaftsgeschichte wie auch zur antiken Speisekultur lieferten. Mit seinem eben erschienen Buch „Amphoren aus Cambodunum/Kempten“ belegt Dr. Florian Schimmer nun erneut die wichtige Rolle, die die Stadt für die Erforschung der Antike im süddeutschen Raum und weit darüber hinaus einnimmt. Vergangene Woche wurde die Publikation aus der Reihe „Cambodunumforschungen“ im Kemptener Rathaus vorgestellt.

Über 2000 dieser Gefäße waren bei den langjährigen Grabungen in Kempten zu Tage gekommen, die erstmals eine Amphorenserie dieser Größenordnung aus einem langfristig besiedelten städtischen Zentrum Raetiens und möglicherweise auch Sitz des Provinzhalters im 1. Jahrhundert n. Chr. darstellen. Im Rahmen seiner Dissertation an der Universität München habe Schimmer Material gesammelt und dann wissenschaftlich untersucht, begeisterte sich Professor Dr. Michael Mackesen von der Universität München über die entstandene Arbeit, „die für Einblicke in den Handel damals enorm wichtig sein wird“. Sie werde künftig als Grundlage für weitere Forschungen dienen, zumal über die Amphorenbestände von Fundplätzen in der Provinz Raetien relativ wenig bekannt sei. Zuordnung nun möglich Die je nach Ort der Herstellung speziellen Charakteristika der Amphoren „können bestimmten Regionen zugeordnet werden“, erläuterte Schimmer. Weiters hätten in den Gefäßen gefundene „Nachweise von unterschiedlichen Waren“ Aufschluss über die Belieferung der Provinz mit Lebensmitteln und anderen Gütern gebracht. Anhand einer Karte demonstrierte er die rekonstruierten Handelsrouten. Über Südfrankreich und die Schweiz fanden Fisch und Oliven aus Spanien ihren Weg nach Cambodunum, über Italien kamen Datteln, Feigen und Wein aus dem östlichen Mittelmeerraum. Spätestens ab dem frühen zweiten Jahrhundert sei es dann zu einem deutlichen Rückgang der Amphorenlieferungen gekommen. Warum? Eine Frage, der Schimmer in seinem Buch ebenfalls nachspürt. In Bayern habe man den Eindruck, die Archäologie befinde sich „auf dem Sinkflug“, mahnte Mackensen an, sie nicht zu vernachlässigen. Hier sei die einmalige Chance, sich in eine Reihe unter anderem mit der Römerstadt Augst zu stellen, wobei „Kempten schon die herausragende Stellung in unserem Bereich hat“, betonte er. Eine der auf dem Buch abgebildeten Amphoren stehe in seinem Büro, verriet OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). Sie „erinnert mich an die Geschichte Kemptens und unsere Verantwortung“ unterstrich er. Derzeit arbeite man an einem Konzept zur Weiterentwicklung des APC und auch daran, das „Thema Handelswege aufzuarbeiten“.

Auch interessant

Meistgelesen

Indien trifft Allgäu
Indien trifft Allgäu
Zwischen Romantik und Realität
Zwischen Romantik und Realität
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Große Fußstapfen
Große Fußstapfen

Kommentare