Überraschungen unter dem Hildegardplatz

Neue Funde

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Hinter den Holzstämmen und -pfosten im Boden des Hildegardplatzes vermutet Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber Wegbefestigungen aus dem 14./15. Jahrhundert.

Kempten – Immer wieder geben die archäologischen Grabungen am Hildegardplatz historisches Material frei. Jetzt wurden Holzstämme und -pfosten frei gelegt, hinter denen Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber eine „Wegbefestigung aus der Klosterzeit des 14./15. Jahrhunderts“ vermutet. 

Wie ein „Fleckerlteppich“ in unterschiedlichen Brauntönen zeigt sich das brach liegende Erdreich des Platzes derzeit für das Laienauge – bis der richtige Hinweis des Fachmanns den Blick verändert: Einer der braunen Flecken, in dessen Mitte ein Stein herausragt, könnte laut Weber eine Nagelschmiede gewesen sein. 

Grabungsleiter Ernst Sontheim zeigt sich vor allem über die lückenhafte Geschichtsschreibung in den vorgefundenen Erdschichten auf dem Platz verblüfft: „Da gibt es den Eiszeitboden und dann die Wege“ – dazwischen nichts. Die Wege seien wohl ab etwa dem 13. Jahrhundert entstanden und bis ins 16. bzw. frühe 17. Jahrhundert immer wieder ausgebessert worden. Darauf würden Funde von Keramikfragmenten hindeuten. Dann habe man wohl „den Hausmüll drüber planiert“, interpretiert er die Erdschicht aus „stark organischem Material“. Das „Fundspektrum“ ordnet er mit circa zwei bis drei Prozent dem ausgehenden Hochmittelalter zu; den Rest dem 15./16. Jahrhundert. 

Auch von einem „Mittelalter-Schwarzbau“ – in der nord-westlichen Ecke der  Grabungsfläche – weiß er zu berichten, den er schmunzelnd so nennt, weil er „völlig unbekannt und auf keinem alten Stich oder Plan“ verzeichnet sei; ein „massives Steingebäude mit ein Meter dicken Mauern“, erhalten mit insgesamt 1,60 Metern Höhe. „Es muss weit vor dem 17. Jahrhundert gestanden haben“, wagt er erste Spekulationen zu dem überraschend zutage getretenen Objekt, dessen Baukörper erst noch genauer angeschaut werden müsse. Vielleicht wird dann ja auch die Frage beantwortet, ob Zufall oder Absicht dahinter steckt, dass „der Weg schön auf einer Linie mit der Südkante des Hauses liegt“. 

Insgesamt zeigt sich Sontheim begeistert über die großflächige Grabung. Es sei „super, einmal so eine richtige Infrastruktur mit Wegen und Wasserlauf – der vermutlich künstlich angelegt wurde und möglicherweise der Vorläufer des Schlangenbachs ist – vor sich zu haben.“ Zugleich betont er aber, dass es sich hier um „eine Rettungsgrabung, keine Forschungsgrabung“ handle, von der nur das betroffen sei, „was sonst der Baggerschaufel zum Opfer fallen würde“. Oder wie Weber meinte: „Einige Geheimnisse lassen wir drin.“ 

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