Platzumbau mit Hindernissen

Neue Überraschungen unterm Platz

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Rätsel gibt dem archäologischen Grabungsteam am Hildegardplatz unter anderem der jüngste Fund, eine außer der Reihe schräg verlaufende Mauer, auf.

Kempten – Trotz klirrender Kälte – im Schutz des großen beheizten Zeltes westlich der Residenz schreiten die bauvorbereitenden archäologischen Grabungen am Hildegardplatz unbeirrt voran.

Dort kamen jüngst Grundmauern eines bislang unbekannten, vor allem aus Rollsteinen gesetzten Steingebäudes hervor, das der stellvertretende Grabungsleiter Manfred Haas einem „vermutlich zum Kloster gehörenden Wirtschaftsgebäude“ zuordnete. 

 Auch Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber bestätigte, dass die nahezu parallel verlaufenden Mauern „mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem größeren Nebengebäude der mittelalterlichen Klosteranlage gehören“. Nur eine einzige, perspektivisch weitgehend unverzerrte Zeichnung sei erhalten geblieben, anhand derer nachvollziehbar sei, wie die Anlage vor ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg ausgesehen habe. Demnach könnten die wieder entdeckten Bauteile von einem Gebäudekomplex stammen, der westlich der eigentlichen Klosteranlage und unterhalb des südlichen Kirchenhügels, auf dem die gotische Hallenkirche „St. Lorenz uffm Berg“ – Vorgängerkirche der heutigen Basilika – zu sehen sei, so die Einschätzung aus dem Kulturamt.

 Am Grabungsort sei, laut Weber, ein großer Raum mit Ziegelboden und einer oder mehrerer Innenstützen erkennbar, mit einem breiten anschließenden Korridor sowie einem zuletzt wohl nicht voll überdachten weiteren großen Raum. Kleinere Einbauten und Begleitfunde würden unter anderem auf handwerkliche Arbeiten an diesem Ort schließen lassen. Haas berichtete vor allem von Nägeln, Fenster- und Gefäßglasfragmenten, die wahrscheinlich „zumindest teilweise von der Vorgängerkirche stammen“. Er vermutete, dass die Fundamente deshalb zum Teil auf Holzbohlen gebaut worden seien, weil der sich erst im Lauf der Zeit verfestigte Grund „wohl damals noch sehr instabil gewesen sein könnte“. 

Wie Weber hofft, „könnte sich die Entstehungszeit des Gebäudes relativ genau bestimmen lassen“, da die Holzbohlen im dauerfeuchten Boden erstaunlich gut erhalten geblieben seien; das 16., 15. Jahrhundert oder sogar noch früher schweben dabei nach ersten Abwägungen im Raum. 

 Vieles zunächst unklar 

Bereits datierbare Funde von Keramikscherben würden darauf hindeuten, dass das Gebäude auch zur Bauzeit der barocken Residenz ab 1651/52 noch als Wirtschaftsgebäude beziehungsweise Handwerkerhof gedient haben könnte. Erst wenige Tage alt ist ein im östlichen Teil des Grabungszeltes liegender „völlig anders verlaufender Mauerfund“, so Haas. Entgegen der hier bisher freigelegten Mauerfunde, die in nordsüdlicher Richtung verlaufen, zeige dieser neu entdeckte von „Nordost nach Südwest“. Zudem sei viel „Bauschutt aus unterschiedlichen Epochen“ eingearbeitet worden, die von Dachplatten bis zu glasierten Tonscherben reichten. „Das können wir alles noch nicht zuordnen“, bekannte er, dass das Grabungsteam momentan noch auf der Suche nach der Länge des Verlaufes sei, woraus sich „vielleicht dann irgendwelche Erkenntnisse für uns ergeben“. Dass die ein oder andere Brandspur im Grabungsgelände mit den kriegerischen Zerstörungen am Kemptener Kloster anno 1632/33 zu tun haben könnten, will Weber nicht ausschließen. Christine Tröger

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