"Lieber wenig machen, aber dafür oft"

Hobby-Gärtnerin Insa Graf mit nützlichen Tipps für einen Selbstversorgergarten

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Peperoni, Gurken, Tomaten, Chili oder Zucchini. Insa Graf versorgt sich und ihre Familie dank ihres Selbstversorgergartens das ganze Jahr über mit Obst und Gemüse. Viel Arbeit, dafür darf sie sich jedes Jahr auch über eine reichhaltige Ernte freuen. 

Kempten – Seit neun Jahren ist sie fast das ganze Jahr über in ihrem Selbstversorgergarten oberhalb der Rottach zu finden. Insa Graf hat nach einer schweren Krankheit ihre Leidenschaft für den Garten entdeckt und bewirtschaftet mittlerweile einen Großteil des 2000 Quadratmeter großen Grundstücks mit Gemüse und Obst. „Inzwischen habe ich auch ein sternförmiges Blumenbeet angelegt, sogar nach Farben sortiert. Das ist ausschließlich für Insekten und Bienen. Schaut nicht nur wunderbar aus, sondern damit gebe ich der Natur auch etwas zurück“, freut sich die leidenschaftliche Gärtnerin.

Klein angefangen hat sie damals. Mit vier Beeten und etwas Gemüse. Über die Jahre hat sich Insa Graf nicht nur viel Wissen angelesen, sondern auch einiges ausprobiert. „Ich hatte mal eine Yacon. Die ist vielen vielleicht kein Begriff. Die Yacon ist eine Gemüsepflanze und stammt aus den Anden. Sie hat dicke, essbare Knollen und ist eng mit Topinambur und der Süßkartoffel verwandt. Als ich die das erste Mal angebaut habe, hatte sie riesige Knollen dran. Daran erinnere ich mich noch gut. Ich habe sie zwar nicht gewogen, aber das war schon wirklich außergewöhnlich. Die Knollen haben ein süßliches Aroma, eine Mischung aus Birne, Karotte und Kohlrabi würde ich sagen. Eignen sich prima fürs Pfannengemüse, Eintöpfe oder auch roh“, verrät sie. Von spätestens März, wenn der Schnee weg ist, bis Oktober ist die gelernte Augenoptikerin fast täglich in ihrem grünen Reich. „Viele Menschen bleiben stehen, wenn sie hier vorbeilaufen. Manche stellen auch Fragen, die ich natürlich gerne beantworte. Inzwischen bin ich zu einem wandelnden Gartenlexikon geworden“, sagt sie und beißt dabei in eine Stange frisch geernteten grünen Spargel. „Man muss aber unbedingt die Arbeit hinter einem Selbstversorgergarten sehen. Bei mir ist das ein Rund-umdie-Uhr-Job. Urlaub ist da schwer möglich, weil ja alles gegossen werden muss. Wenn, dann fahren wir höchstens ein paar Tage weg. Aber mein Mann und ich machen einfach hier im Garten Urlaub, gibt doch keinen schöneren Platz.“

Eigenes Obst und Gemüse anbauen 

Was rät Insa Graf denjenigen, die mit dem Gedanken spielen, einen Selbstversorgergarten anzulegen oder zumindest etwas eigenes Gemüse und Obst anzubauen?

„Auf jeden Fall machen, keine Frage. Wer neu im Garten ist, soll mit wenig anfangen. Lieber immer nur ein bisschen machen, dafür regelmäßig. Also mit Kleinigkeiten starten und in Ruhe damit wachsen. Zu Beginn reicht ein kleines Hochbeet. Da empfehle ich Anfängern zum Beispiel Salat, Kohlrabi oder Radieschen anzubauen.“ Wer bereits Erfahrung habe, dem könne sie Spargel, Zuckermais, Paprika oder Chilis ans Herz legen. Durch den Klimawandel seien Chilis auch hier im Freiland kein Problem. „Alte Tomatensorten sind beispielsweise eine tolle Möglichkeit, mal etwas abseits des Mainstreams auszuprobieren. Das Saatgut lässt sich im Internet kaufen und man kann es selbst vorziehen. Wenn man seine eigenen Tomaten essen kann, ist das doch genial. Geschmacklich kommt da kein Supermarkt ran.“ 

Welche Veränderungen habe sie über die letzten Jahre denn feststellen müssen? „Es hat sich schon einiges getan. Wir haben wesentlich weniger Schnee und deshalb kann man viel früher in die Gartensaison starten. Allerdings ist es folglich leider wesentlich trockener. Auch bei den Kulturen muss man sich umstellen. Spinat ist so ein Beispiel. Der konnte früher noch lange stehen, jetzt schießt er früh, geht schnell in Blüte, einfach weil es zeitig warm wird. Ich habe auch gemerkt, dass jedes Jahr anders ist. Letztes Jahr war zum Beispiel ein extremes Bohnenjahr. Persönlich arbeite ich seit Jahren mit Terra Preta. Das ist die humus- und nährstoffreiche Schwarzerde der Indios am Amazonas. Die hält die Feuchtigkeit viel besser im Boden, wie eine Art Dauerhumus. Kann ich allen nur raten, die nachhaltig im Garten arbeiten möchten. Die Pflanzen wachsen schneller und bringen mehr Ertrag. Das habe ich die letzten Jahre deutlich gemerkt.“ Insa Graf rät außerdem, Gemüsebeete anzulegen, ohne umzugraben. Die No-dig-Methode stammt vom bekannten Gärtner Charles Dowding aus England und das „Nicht umgraben“ wird dem Ökosystem des Bodens gerechter. Abschließende Frage an die Frau, die mehr als einen grünen Daumen hat. Wie wäre das, ein Leben ohne Garten? „Ganz furchtbar“, antwortet Insa Graf prompt, „dann gehe ich ins Altersheim, glaube ich.“

Kathrin Dorsch

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