Höhen und Tiefen

An dem Tag, als Franz Riedel (82) und Anna Hollermayr (81) heirateten, berichtete die Tageszeitung vom Unmut über die Militärregierung, vom Schriftsteller Thomas Mann, der die bayerische Kulturpolitik lobte und vom Papierkrieg bei der Einreise nach Österreich. Es war der 30. Juli 1949. Am vergangenen Donnerstag feierte das Paar Diamantene Hochzeit – das 60-jährige Hochzeitsjubiläum.

Mittellos stand der 18-jährige Franz Riedel kurz nach Kriegsende 1945 auf einer Landstraße irgendwo in der Oberpfalz. Die Amerikaner hatten ihn gerade aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, in seiner alte Heimat, das östliche Sudetenland, konnte er nicht zurück. Schreckliches hatte er noch als minderjähriger Soldat erlebt. In den letzten Kriegswochen musste er in Österreich zusammen mit anderen jungen Männern um die 17 Jahre die einmarschierenden Russen bekämpfen. Granatsplitter hatten Narben auf Riedels Hand und im Gesicht hinterlassen, „meinen Stahlhelm hat es auseinander gesprengt“, weiß er noch. Bei einem Bauer fand der heimatlos Gewordene schließlich gegen harte Arbeit Unterkunft und Verpflegung. „Ein Dach überm Kopf, ein Brot in der Hand, das war damals eben wichtg“, meinte Bürgermeister Josef Mayr (CSU), der seine Glückwünsche überbrachte. Schnitzel und Kartoffelsalat Über Umwege kamen Riedel und seine Verwandten 1947 nach Kempten, wo er eine Anstellung bei der Stadtverwaltung bekam – und die Bankangestellte Anna Hollermayr kennen und lieben lernte. Zwei Jahre später heirateten die beiden in kleinem Kreis. Seine Mutter brachte ihm einen dunklen Anzug mit, sodass er sich angemessen kleiden konnte, Mutter Hollermayr stellte zur Feier, zu einer Zeit als noch Essensmarken ausgegeben wurden, Schnitzel mit Kartoffelsalat auf den Tisch, erinnerte sich das Paar. Erst mit der Geburt von Sohn Reinhard erhielten die Eheleute eine eigene Wohnung, vorher lebten sie mit den Eltern der Braut unter einem Dach. Nicht nur gute Zeiten erlebten die Riedels. 1966 erlitt Riedel einen schweren Dienstunfall, von dem er sich nicht mehr vollständig erholte, zwei ihrer insgesamt vier Söhne verstarben bereits vor Jahren. „Diese schweren Schicksalsschläge festigten nach anfänglichem Weh unser Zusammensein“, sagte er. Stolz sind die Eheleute auf Sohn Wolfgang mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern, und auf Sohn Lothar, der als Mediziner bereits in Johannesburg tätig war und derzeit als Schiffsarzt auf einem Kreuzfahrtschiff um die Welt fährt. Mehrmals haben Franz und Anna Riedel ihren Sohn in Johannesburg besucht und gehen auch sonst gerne auf Reisen. Oft waren sie mit dem Bayerischen Beamtenbund unterwegs, denn kurz nach seiner Zeit als Angestellter wurde Riedel Beamter in der Führerscheinstelle, ehe er 1987 in Ruhestand ging.

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