Der Höhepunkt der Feierlichkeiten zu "Isny wird frei – 650 Jahre Freie Reichsstadt"

Ein großes Fest rund um das Rathaus

+
Professor Hans-Georg Wehling (re.) erhält von Bürgermeister Rainer Magenreuter die Jubiläumsmünze als Gastgeschenk.

Isny – Es ist schon mehr als ein glücklicher Zufall, dass mehrere Ereignisse zusammengefasst werden konnten und mit dem Schmalzmarktfest, einem gelungenen Herbstmarkt rund um den Marktplatz, einem interessanten Festvortrag von Professor Hans-Georg Wehling, der Jubiläumsrede von Bürgermeister Rainer Magenreuter und der Einweihung des neuen Brunnens inmitten der Stadt einen gemeinsamen Höhepunkt ausmachten.

Über den Brunnen und sein Werden wurde schon berichtet, nur über die Figur, die nun oben auf dem Brunnen steht, ist bisher noch nichts erwähnt worden, doch darüber später.

Begonnen hat der Tag mit dem Aufbau des Herbstmarktes mit vordringlich einheimischen Produkten vom an Ort und Stelle gepressten Apfelsaft bis zum Brot und „Reichsseelen“ der Bäckerei Mayer. Zu diesem Anlass wurde die Münzwerkstatt vor dem Rathaus aufgebaut und zum Jubiläum die Gedenkmünze mit dem historischen Fallhammer geprägt. Den ganzen Tag über hörte man von irgendwo her Musik und das nicht nur aus mittelalterlichen Zeiten.

Um 11 Uhr wurde es dann im großen Sitzungssaal des Rathauses richtig offiziell. Professor Hans-Georg Wehling war der Festredner, der unter dem Titel „Kleine Reichsstadt ganz groß“ die geschichtlichen Hintergründe noch einmal verdeutlichte. Er definierte den Begriff „Freie Reichsstadt“ ausführlich und was sich alles an Vorteilen und Verantwortungen daraus ergab. Isny war eine reiche Stadt, die mit Verbindungen über ganz Europa seine Marktlage auf dem Leinenmarkt erfolgreich ausbaute. Der chro- nische Geldmangel des Adels erleichterte den Freikauf und die Unterstellung allein unter die Herrschaft des Kaisers.

Mit der Reformation kam neben anderen Einflüssen 1531 der Protestantismus nach Isny und das schuf eine ganz besondere Situation. Eine protestantische Stadt beugte sich damit dem katholischen Kaiser. Auch das Verhältnis Kloster und Stadt führten zu ununterbrochenen Reibereien. Erst mit der Säkularisierung der Klöster und dem Einsetzen des Hauses Quadt in die Herrschaft über die Ländereien und die Stadt kam Isny in ein neues Fahrwasser, aber schon drei Jahre später war Isny dem Lande Württemberg zugeschlagen worden und die Grafschaft wieder aufgelöst. Baugrund war spärlich, denn die Stadt hatte mit der Einengung durch das Haus Quadt und das Haus Waldburg kaum Möglichkeiten Land zu erwerben. Die Situation verschärfte sich als die Stadt nach dem zweiten Weltkrieg 4000 Neubürger unterbringen musste (!). Die Bilanz aus dem Ganzen war für Professor Wehling wichtig. Für die ehemalige Freiheit und seine Bürger ist es der hohe Wert der Freiheit und der Mitentscheidung, die bis zum heutigen Tag die Bürger und ihr Verhalten prägt. Isnys oft zitierte „Streitkultur“ hat im Behauptenmüssen über Jahrhunderte noch heute seine Auswirkungen.

Nur eine kurze Pause und dann stand Bürgermeister Rainer Magenreuter auf dem Balkon und eine große Menschen- menge lauschte interessiert seinen Worten. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren auch bei ihm die Grundlagen für seine Rede. Seine große Hoffnung ist es: „Dass wir die Herausforderungen ohne Einschränkungen unserer hart erarbeiteten, erkämpften oder wie im Fall von Isny vor 650 Jahren erkauften Freiheit schaffen.“ Weiter führte er aus: „Wir feiern nicht nur das Jubiläum ‘650 Jahre Freie Reichsstadt’, sondern auch, dass unsere Vorfahren den Mut hatten eigenständig zu werden. Auch darauf gründet der berechtigte Stolz aus reichsstädtischen Zeiten. Der Stolz auf die Bürgerrechte, Mut zur Eigenständigkeit, Selbstbewusstsein bei der eigenen Meinung, die wirtschaftliche Stärke der Stadt und der Stolz auf die Heimatstadt.“

Mit dem Verlesen der Kaiserurkunde in der deutschen Übersetzung durch Rudi Daumann endete dieser Teil der Feier. Anschließend wurde der Schmalzbrunnen eingeweiht und von Heinz Bucher an die Stadt und den Bürgermeister übergeben. Auf der Mittelsäule steht nun die „Barbara“, wie sie von Heinz Bucher genannt wurde. Der Kunstschmied Peter Klink hat diese Figur geschaffen und half, durch das Wasser des Brunnens watend, bei der Enthüllung.

Manfred Schubert

Meistgelesen

Shawn James im "mySkylounge"
Shawn James im "mySkylounge"
EEG ein "teurer Irrweg!"
EEG ein "teurer Irrweg!"
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Schüsse im Wald führen zu Großeinsatz der Polizei
Schüsse im Wald führen zu Großeinsatz der Polizei

Kommentare