"Es hört nie ganz auf"

„Trauer ist ein lebenslanger Prozess, der sich zwar verändert, aber nie ganz aufhört.“ Pastoralreferent Benno Driendl, neuer Referent für die Kontaktstelle Trauerbegleitung in der Diözese Augsburg, in der Nachfolge von Pastoralreferent Josef Eberle, weiß, von was er spricht. Während seiner zehnjährigen Tätigkeit in der Notfall- und Klinikseelsorge konnte er viele Erfahrungen sammeln. Mit zwei großen Arbeitsbereichen wird er, vor allem im Allgäu, präsent sein.

Zum einen ist ihm die Seelsorge mit Betroffenen ein Anliegen. So bietet er unter anderem Wochenenden für trauernde Kinder, Jugendliche und Erwachsene an, hilft in Pfarreien Trauergruppen zu gründen oder initiiert vor Ort eine Nacht der Trauer. Zweiter Schwerpunkt ist der Bereich Schulung und Bewusstseinsbildung. In einer Gesellschaft, die den Tod eher verdrängt, eine notwendige Aufgabe, erklärt Driendl. So hält der Pastoralreferent Vorträge zum Thema Tod, Abschied und Trauer, versucht, Einrichtungen, die mit Trauerarbeit befasst sind, zu vernetzen und schult ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter. Trauernden rät Driendl, die Kontakte zu Freunden zu halten. „Freunde, die auch in schwierigen Situationen aushalten und nicht davonlaufen, sind für den Betroffenen sehr wertvoll“, hat er erlebt. Einfach da zu sein, zuzuhören und kleine praktische Hilfen, wie kochen, aufräumen oder Begleitung bei einem Ämtergang , seien sehr wichtig, da der Trauernde kaum mehr Kraft für die Anforderungen des täglichen Lebens habe. Es sei nicht wichtig, viele Worte zu machen. Zuweilen sei es sogar gut, mitzuteilen, dass einem angesichts des Todes die Worte fehlen. Oft treffen Trauernde in ihrem Umfeld auf Unverständnis, wie der Trauerbegleiter immer wieder erfährt. Da jeder Trauerprozess anders verläuft, könnten ihn die anderen oft nicht nachvollziehen. Der eine Betroffene sucht das Gespräch, andere ziehen sich zurück, verleugnen die Trauer oder stürzen sich in Arbeit. Außerdem gäbe es für die Trauer keine festen Zeitspannen. Es dauere oft Jahre, bis ein Hinterbliebener das Geschehene wirklich in sein Leben integriert habe. Einen sehr hilfreicher Schritt zur Trauerbewältigung sieht Driendl im persönlichen Abschied nehmen vom Verstorbenen. Mit ihm sprechen, ihn zu berühren oder zu streicheln, helfe, den Tod zu realisieren. Gerade Kinder seien im Umgang mit Toten unkompliziert, so der Pastoralreferent. Diese Form des Abschieds sei auch deshalb wesentlich, weil sie nie mehr nachgeholt werden könne. Bei Kindern, erzählt Driendl, ist es gut, sie Fragen stellen zu lassen und im Gespräch zu bleiben. Die Kleinen trauern ganz anders als Erwachsene. Sie haben scheinbar das Trauern schnell vergessen, kehren jedoch ebenso schnell und unvermutet dahin zurück. Christen könnten laut dem Trauerbegleiter zudem auf einen gnädigen Gott hoffen, der sie mit den Verstorbenen wieder vereint. Einander diese Zuversicht zu vermitteln, sei ein großer Schatz.

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