Hoffen auf ein "gutes Ende"

Bei einem Warnstreik im Kemptener Hochland-Werk sollen Tonaufnahmen von einer Rede eines Heimenkirchener Betriebsrats gemacht worden sein. Der hat deshalb nun seine Freistellung verloren. Foto: Matz

Als „absurd“ hat die Hochland-Pressestelle vergangene Woche die Bespitzelungs-Vorwürfe der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gegen Hochland-Mitarbeiter (der KREISBOTE berichtete) bezeichnet. Geheime Tonmitschnitte bei einem Warnstreik in Kempten haben der NGG zufolge einem Betriebsrat des Werks Heimenkirch die Freistellung gekostet. Der Betroffene hofft jetzt auf Rehabilitierung.

Von „geheimen Tonmitschnitten“ kann aus Sicht der Hochland-Pressestelle keine Rede sein. „Es handelte sich um eine öffentliche Veranstaltung, bei der auch Externe anwesend waren, und bei der von einem Mitarbeiter eine Handy-Aufnahme gemacht wurde.“ Die Aufnahme sei nicht von der Unternehmensleitung in Auftrag gegeben worden und wurde auch nicht mit deren Wissen angefertigt, hieß es weiter aus der Pressestelle. Dass die Aufnahme nicht von der Geschäftsführung in Auftrag gegeben wurde, glaubt auch der Betroffene selbst. Aber es gebe genug andere Personen, die so etwas in Eigeninitiative machen würden, sagte er am Donnerstag gegenüber dem KREISBOTEN. „Fakt ist, dass der betroffene Betriebsrat seine Freistellung und sein Mandat im Gesamtbetriebsrat verloren hat“, erläuterte Claudia Weixler, NGG-Gewerkschaftssekretärin der Region Allgäu. Nicht nachvollziehbar Die NGG versucht Weixler zufolge nun über die Belegschaft, die hinter dem betroffenen Betriebsrat stehe, „politischen Druck“ aufzubauen. Der Betroffene selbst hofft dagegen einfach nur, dass man rausfindet, wer hinter den Aufnahmen steckt und er seinen Job wieder bekommt. Erst kürzlich hatte er sein 30-jähriges Jubiläum bei Hochland und seit 20 Jahren ist er bereits für die Betriebsratsarbeit freigestellt. „Wer mich in der Zeit noch nicht richtig kennen gelernt hat und nicht weiß, dass ich mich immer für andere voll und ganz eingesetzt habe, dem kann ich auch nicht helfen“, meinte er. Im Unternehmen kursiere derzeit ein Wortprotokoll mit „den Dingen, die ich gesagt haben soll“. Einige Kollegen hätten ihn deshalb bereits kontaktiert, da sie nicht nachvollziehen können, was daran so verwerflich sein soll. Die NGG versucht jetzt herauszufinden, wer für die Aufnahmen verantwortlich ist und prüft, ob sie Strafanzeige gegen Unbekannt stellt. Weixler geht es vor allem auch um die Absicht, die dahinter steckt. „Es kann nicht sein, dass "Spitzel" im Geheimen Tonmitschnitte der Redebeiträge eines Streiks machen und diese dann verwendet werden um unbequeme Betriebsräte abzusägen“, kritisierte sie vergangene Woche. Gegenüber dem KREISBOTEN schilderte Weixler, dass der Betriebsrat in Heimenkirch zweigeteilt sei, es gebe zwei Lager. Ob allerdings Betriebsräte des anderen Lagers dahinter stecken, ist unklar. Die Betriebsratsvorsitzende wollte dazu jedenfalls nichts sagen. Und auch die Geschäftsleitung könne sich zu den betriebsratsinternen Vorgängen nicht äußern, wie die Hochland-Pressestelle verlauten ließ. Der Betroffene selbst will jedenfalls in einer baldigen NGG-Mitgliederversammlung den Hochland-Mitarbeitern Rede und Antwort stehen und hoffte auf ein gutes Ende. Er sah keine Veranlassung, dass ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird, „bloß weil sich jemand beleidigt fühlt“.

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