Asylunterbringung ist komplexes Thema

Komplexe Anforderungen

Der schwierigste Bereich bei der Unterbringung von minderjährigen Asylbewerbern ohne Begleitung ist nicht so sehr die Konzeption.

 „Es geht massiv um das Problem Personal“, gab Jugend-, Schul- und Sozialreferent Benedikt Mayer im Pressegespräch Anfang der Woche einen Einblick in die Komplexität des Themas, die nicht nur Personalverstärkungen im Jugendamt erforderlich gemacht hätten. 

Zusammen mit den Leitern des Stadtjugendamtes, Thomas Reuß, und des Amtes für Jugendarbeit, Thomas Baier-Regnery, sowie den Leitern der Jugendeinrichtungen Gerhardingerhaus, Michael Wilde, „Kids 24“, Michael Ohnesorg und Förderzentrum St. Georg, Ingeborg Berka, nahm er Stellung zur aktuellen Situation in Kempten und stellte neue wie bereits bestehende Angebote vor. 

Seit einem knappen Jahr gibt es für minderjährige Asylbewerber ohne Begleitung von Erziehungsberechtigten keine zen- trale Aufnahmestruktur mehr, sondern die örtlichen Jugendämter sind direkt dafür zuständig diese jungen Menschen einerseits in Obhut zu nehmen, und andererseits Plätze für sie zu schaffen, um sie dann auch langfristig unterzubringen. Im Förderzentrum der Katholischen Jugendfürsorge in Kempten sind seit einigen Monaten bereits sechs etwa 16-jährige Flüchtlinge aus Ägypten, Eritrea und Äthiopien untergebracht. Wie Berka betonte, werden möglichst zwei Personen der gleichen Nationalität in einer Wohngruppe einquartiert. Ihre große Motivation zur Integration, der Teilnahme am Sprachunterricht oder Ausbildung sei man „in der Jugendhilfe so nicht gewöhnt“, meinte sie mit dem Hinweis, dass es ja zum Teil auch „sehr gebildete Menschen sind“. Derzeit gehen sie in Immenstadt zur Schule. Hinter ihnen liegen in der Regel viele Monate auf der Flucht, nachdem ihre Eltern getötet wurden, weshalb sie in den therapeutischen Wohngruppen auch psychologische Betreuung bekommen. „Meist nach zwei bis drei Wochen brechen die Traumata aus“, berichtete Berka. „Wir haben frühzeitig begonnen die Nachbarn zu informieren und sehr positive Resonanz bekommen“, meinte Wilde, was auch die anderen Einrichtungsleiter für sich so bestätigen konnten. Das Gerhardingerhaus will den Jugendlichen „Zuflucht bieten mit hochwertiger pädagogischer Begleitung“: bis zu 16 Plätze in einer Jugendgruppe und möglicherweise drei Inobhutnahmeplätze sind dafür vorgesehen. 

Ganzheitliches Konzept 

Ein ganzheitliches Konzept vom so genannten Clearing – dabei wird geklärt woher sie kommen, ob es irgendwo Angehörige gibt und wohin sie kommen sollen – mit anschließender Überführung in die reguläre Gruppe und schu- lischem Angebot bis zur adäquaten psychologischen Betreuung steht bei „Kids 24“ im Fokus. Von 21 Plätzen ist hier die Rede: acht Plätze in der Clearingstelle mit Möglichkeit der Inobhutnahme, bis zu acht Plätze in einer heilpädagogischen Wohngruppe und fünf Plätze innenbetreutes Wohnen. Neben den derzeit sechs Plätzen in Jugendwohngruppen von St. Georg stehen hier noch zwei Inobhutnahmeplätze zur Verfügung. Vor dem Clearingverfahren steht die Erstuntersuchung, die Dank des „guten Prozedere“ in Kempten schon gleich am ersten Tag über die Bühne gehe. Laut Reuß sind die Leistungen wie die „in der herkömmlichen Jugendhilfe“ plus das Stellen eines Vormundes, der die Aufgaben der Eltern übernimmt. 

Bis zu 17 minderjährige Flüchtlinge werden pro Jahr in Kempten erwartet, bei einer Verweildauer von drei Jahren. Das ergebe einen „Bedarf von 51 Plätzen“, so Mayer. Die bereits mehrfach nachjustierte Ausgangszahl von derzeit 3000 in Bayern ist nach seinem Ermessen allerdings bereits „mit einem Fragezeichen zu versehen“. Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz ist der finan- zielle Aufwand für die Versorgung der unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlinge vom Freistaat Bayern zu tragen. Christine Tröger

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