Zu hohe Personalkosten

Seinen ersten Rechenschaftsbericht vor dem Stadtrat hatte sich Andreas Ruland, Geschäftsführer des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu, sicherlich anders vorgestellt. Am Donnerstagabend musste der Krankenhaus-Sanierer aber für die Klinik ein Minus von 2,65 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2009 eingestehen. Einkalkuliert gewesen war ein Verlust von knapp zwei Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll sich die Lage zwar entspannen. Allerdings haben das vor Ruland schon einige Geschäftsführer an gleicher Stelle gesagt.

Betrug das Minus des Krankenhauses 2008 noch knapp 1,9 Millionen Euro, so ist es 2009 mit weiteren 2,65 Millionen Euro noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. „Das Jahr war davon geprägt, dass die Leistungserwartungen nicht wie geplant realisiert werden konnten“, bilanzierte Ruland. Die Gründe für das hohe Defizit seien vielschichtig. Zwar seien mit 2009 mit insgesamt 22 484 279 Patienten mehr als 2008 stationär behandelt worden. Die damit erzielten 22 582 Casemix-Punkte reichten aber nicht an das Vorjahresergebnis von insgesamt 23 063 Punkten heran – ergo gab es weniger Geld von den Kostenträgern. Gleichzeitig stiegen die Personalkosten von rund 56 Millionen Euro durch die Tariferhöhung um 1,3 Millionen. Nach Angaben von Ruland sind damit rund 70 Prozent aller Ausgaben des Klinikums Personalkosten. Für das Jahr 2010 geht Ruland mittlerweile von einem Minus in Höhe von ebenfalls zwei Millionen Euro aus. Ursprünglich veranschlagt im Wirtschaftsplan war ein Defizit von rund 3,4 Millionen Euro. Ursächlich für das voraussichtlich bessere Abschneiden sind unter anderem die Steigerung der Casemix-Punkte in diesem Jahr um bislang etwa 260 Punkte und der Verschlankung des Personalbtestandes, was etwa 1,2 Millionen Euro einspare. „Wir bauen konkret Stellen ab“, bestätigte Ruland Siegfried Oberdörfer (SPD). Gemeint ist damit allerdings, auslaufende Stellen nicht mehr neu zu besetzen und zum Beispiel examinierte Pflegekräfte nach und nach durch Hilfskräfte zu ersetzen. „Entlassungen wollen wir keine“, betonte Ruland am Montag gegenüber dem KREISBOTEN. In diesem Zusammenhang verwies er auf die 70 Prozent Personalkosten. In Kliniken, die einen Gewinn erwirtschafteten, liege der Personalkostenanteil bei 58 bis 60 Prozent, rechnete Ruland vor. „Und andere Kliniken schaffen es auch mit weniger Leuten.“ Bereits von 2008 auf 2009 war die durchschnittliche Zahl der Arbeitnehmer im Klinikum von 924 auf 890 gesunken. Nicht bei allen Stadträten stieß dieses Vorgehen auf Verständnis. „Wir können uns vielleicht noch leisten, dass die Angestellten eine gefühlte Mehrbelastung haben, aber nicht, dass Patienten eine gefühlte Minderversorgung haben“, kritisierte Dr. Philipp Jedelhauser. OB Dr. Ulrich Netzer entgegnete, dass es keinen Sinn mache, qualifizierte Pfleger zum Essenbringen einzusetzen. Ruland verwies darauf, dass ein solches Vorgehen in „vielen Krankenhäusern in Deutschland gang und gäbe“ sei.

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