Holz lockt die Menschen an

Vorbei an den Glocken ging es im Turm der Sankt Mangkirche bis hinauf in die Spitze des Turms. Fotos: Tröger

Das Badewetter vergangenen Sonntag konnte dem Tag des offenen Denkmals zum Thema „Holz“ offensichtlich nicht viel an- haben. Das Interesse an den sieben Stationen in Kempten war sichtbar riesig. Rund 100 Menschen kamen allein schon zur ersten Führung durch Dachtragwerk und das darunter liegende, aus Eichenholz geschnitzte Chorgestühl in der Basilika St. Lorenz.

Im Chorraum offenbarte sich das Thema „Holz“ nicht auf Anhieb, denn das Holz liegt dort „unter dem Deckenputz“, wie Hugo Naumann erklärte.1830 sei das damals verfaulte Holz „erneuert, verputzt und bemalt worden“, zum Beispiel auf der Westseite von dem Maler Lochbihler mit einem Bild des Heiligen Magnus. Vor rund 20 Jahren seien einzelne Flecken der geweißelten Wand freigelegt und „überall Gemälde gefunden“ worden. „Die Frei- legung wurde aus Kostengründen aber späteren Generationen überlassen“, wie er meinte. Der in der „kaiserlichen Bauform“ achteckig angelegte Kuppelbau, der nur von außen eine „übliche Kuppel“ abbilde, sei als Reminiszenz an Karl den Großen und seine Gattin Hildegard, beide große Gönner des Klosters, so gebaut worden. Noch eine Etage weiter, wich die Kirchenatmosphäre dann der eines Dachbodens, wenn auch mit interessanter Balkenkonstruktion, zu der Hugo Naumann ebenfalls fachkundig Auskunft gab. Einen regelrechten Ansturm gab es auch bei der Tour durch die Sankt Mangkirche. Als kleine Besonderheit wies Heinz Heubeck zum Beispiel auf die umklappbaren Lehnen der – natürlich hölzernen – Kirchenbänke hin, die es den Gläubigen ermöglichen, je nach Bedarf, Altar oder die „mit Blattgold verzierte Kanzel aus Eichenholz“ im Blick zu haben. Nach Besichtigung auch der beiden Altäre – der 2007 angefertigte, schlichte Holzaltar sowie der Riemenschneider-Altar aus dem Jahr 1894 – ging es auch hier hoch hinauf, bis ins Dachtragwerk des Turmes. Verkohlte Balken Nach den ersten Treppen im Vorschiff angelangt, erinnerten verkohlte Holzbalken an die Fliegerbrandbomben des Jahres 1944, von denen, laut Heubeck, zwei die Sankt Mangkirche getroffen hätten. „Die Balken sind noch voll tragfähig“, versicherte er, „mit Eisenträgern wäre alles eingestürzt“. In vielen Windungen ging es auf der schmalen, steilen Holztreppe weiter nach oben, vorbei an den Kirchenglocken, bis schließlich der ehemalige Raum des Turmwächters sagenhafte Blicke auf Iller und Altstadt eröffnete. Noch eine kurze Stiege weiter, deutete Heubeck auf einen Verschlag zwischen dem Gebälk: das Klo des Turmwächters. Wie das funktioniert habe? Darunter sei eine Schüssel gewesen, die täglich „per Seil und Korb nach unten gelassen“, und dort von Kindern in die Iller geleert worden sei, gab Heubeck preis. Großes Kommen und Gehen konnte auch das Beginenhaus verzeichnen, wo neben unter anderem Führungen, Kunst und holzbezogenem Handwerk auch Kaffee und Kuchen die Besucher lockten. Eine weitere Attraktion war die Besichtigung der Holzfachwerkkonstruktion der König-Ludwig-Brücke, deren „Erhalt uns Sorgen macht“, wie Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann bekannte. Er wies auf einige „faule Stellen“ im Holz hin, die entstanden seien, „weil die Verschalung 1988 entfernt worden ist“. Er vermutete, dass die Fachwerkkonstruktion erneut verschalt werden müsse, wodurch das „Bauwerk so dann allerdings von außen nicht mehr zu sehen ist“. Das Mitte des 19. Jahrhunderts als „zweigleisige Bahnbrücke“ errichtete Bauwerk wurde im April dieses Jahres als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet (der KREISBOTE berichtete). Weiter interessante Programme gab es im Rathaus, im Alpinmuseum und auf der Burghalde.

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