Allgäuer Holz sorgt für guten Ton

Holz für Orgelbau in Tokyo kommt aus dem Kürnachtal

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Sehr enge und gleichmäßige Jahrringe kennzeichnen Tonholz.

Oberallgäu – Warenströme laufen heute global. Deshalb verwundert es auch nicht so sehr, wenn ein Teil des im Allgäu gewachsenen Holzes weite Reisen in die Welt unternimmt.

Dass aber besonders wertvolles Holz aus dem Forstbetrieb Sonthofen der Bayerischen Staatsforsten auch als sogenanntes Tonholz beim Bau einer Orgel in Tokyo eine gewichtige Rolle spielt, klingt schon außergewöhnlich! Tonholz muss ganz spezielle Eigenschaften aufweisen und wird zum Bau von Musikinstrumenten verwendet. Von kleinen Flöten und Blasinstrumenten über Streich- und Zupfinstrumente bis zum Orgelbau reicht die Anwendungsskala. 

„Fichtenholz spielt die dominierende Rolle, doch bei Leibe nicht aus jedem Fichtenbaum lassen sich später zarte Töne entlocken“, erklärt Hans Mayr von den Bayerischen Staatsforsten. Er ist Förster des Reviers Kürnach Nord am Forstbetrieb Sonthofen. In seinem Revier hatte er den richtigen Riecher: Die gut 120-jährigen Fichten auf etwa 900 Meter Höhe sind sehr gleichmäßig in windruhiger Lage aufgewachsen. Das wiederum klingt wie Musik in den Ohren von echten Holzkennern. Denn solches Holz verzieht sich kaum, schwindet nicht, schwingt perfekt und leitet deshalb wunderbar Töne weiter. Zum Riecher des Forstmannes kommt das passende Gehör von Hermann Weber, Orgelbauer aus Engerazried bei Leutkirch. Er prüft die Stämme bereits im Wald. Wenn sie die Klopfprüfung bestehen, haben sie gute Chancen, in seinem Betrieb verarbeitet zu werden und dann in einem Orchestersaal oder einer Kirche aufspielen zu dürfen. Hermann Weber sieht sich nicht zum ersten Mal im Kürnacher Wald um. Schon seit vielen Jahren ist er zur Stelle, wenn er vom Förster einen Tipp bekommt.

„Hermann Weber ist ein Holzfeinschmecker“, meint Förster Mayr mit großer Achtung. Gleichzeitig freut er sich, dass er aus seinem Revier auch solche ausgefallenen Käuferwünsche erfüllen kann. Über Monaten hinweg hat Hermann Weber seine Schätze aus dem Kürnacher Staatswald zu einer etwa vier Tonnen schweren Orgel veredelt, einem wahren, mechanischen Wunder aus Holz. In Kisten verpackt kommt es nun per Luftfracht nach Tokyo: Für die deutsche Kirchengemeinde setzt Hermann Weber sein Werk in der dortigen Kirche wieder zusammen. „Jede Orgel hat ihren ganz eigenen, einmaligen Klangcharakter“, schwärmt Hermann Weber. Und Staatswald-Förster Mayr freut sich: „Schön zu wissen, dass im fernen Tokyo ein feiner Ton aus Allgäuer Orgelpfeifen klingt!“ 

kb

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