"Ich alte Frau trag‘ kein Dirndl mehr!"

70 Jahre Allgäuer Festwoche und einige sind von Anfang an mit dabei

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Walter und Gertraud Kellner kommen schon seit Jahrzehnten zur Festwoche.

Kempten – „Ich hatte mehrere Dirndl für die Festwoche, aber die Zeiten sind vorbei. In meinem Alter finde ich das nicht mehr so passend“, sagt Gertraud Kellner. Stolze 88 Jahre ist die Dame aus Kempten alt und schlendert mit ihrem Mann Walter gleich am Eröffnungstag über die Festwoche. Schon in den allerersten Jahren war sie bei der mittlerweile größten Wirtschaftsmesse der Region dabei. „Besonders die Haushaltsgeräte hatten es mir schon damals ziemlich angetan. Da will man halt schauen: Was gibt´s dieses Jahr Neues? Was kann ich daheim gut gebrauchen?“, schmunzelt sie.

Die Einkaufslust seiner Frau halte sich aber in Grenzen, verrät ihr Mann mit einem Augenzwinkern. Allerdings gebe es ein Gerät, das bereits seit 50 Jahren im Haushalt der Kellners im Einsatz sei. Ein Mixstab aus der Schweiz. „Den hab ich damals hier auf der Allgäuer Festwoche gekauft und der geht bis heute. Nur einmal musste ein stärkerer Motor eingebaut werden, aber das Gerät an sich ist noch dasselbe, das ich hier vor etwa 50 Jahren gekauft habe. Es funktioniert nach wie vor einwandfrei“, freut sich die 88-Jährige. Vor allem für Schlagsahne oder Pfannkuchenteig ist der Mixstab noch heute im Einsatz. „Und auch wenn einem dann doch wieder alles irgendwie bekannt vorkommt, die Festwoche ist auf alle Fälle eine große Bereicherung für die Stadt“, sagt Walter Kellner. Auch er läuft mittlerweile lieber in normaler Kleidung über die Messe, die Zeiten der Lederhose sind Geschichte.

Was wäre die Festwoche ohne gebrannte Mandeln?

Seit knapp 30 Jahren steht Michael Mayr aus Durach schon in seiner „Süßen Hütte“ auf der Festwoche und verkauft gebrannte Mandeln, Popcorn, Magenbrot und natürlich Lebkuchenherzen in allen Größen. „An einem guten Tag gehen hier schon mal 30 bis 40 Kilogramm gebrannte Mandeln weg. Aber da läuft die Maschine dann auch von früh bis spät“, erklärt Mayr. Sein Vater hat 1975 mit dem Süßwagen angefangen und er ist dann gleich nach der Schule mit eingestiegen. „Nach wie vor gehen gebrannte Mandeln am besten. Das ist einfach der unverkennbare Duft, den man bis in die Stadt hinein riecht. Der zieht die Leute magisch an und erinnert sie an ihre Kindheit. Und dann muss es eben ein Tüte voller frischer und warmer Mandeln sein“, so Mayr. Er und seine Freundin Silvia Gabler aus Kempten stehen fast rund um die Uhr in ihrem Wagen. Während einer Festwoche erleben sie auch immer wieder ergreifende und rührende Momente. „Besonders die Lebkuchenherzen sind natürlich der Renner. Da geht’s ganz klar um die Frage: Wer schenkt das größte Herz? Die jungen Kerle legen sich mächtig ins Zeug, vor allem je später der Abend wird“, verrät sie lachend. „Erst gestern Abend war ein junger Bursche hier, der für seine Freundin das zweitgrößte Lebkuchenherz mit ‚Ich liebe Dich‘ gekauft hat. Rund 800 Gramm ist es schwer. Ich musste es ihm heimlich geben und er hat es seiner Liebsten dann vor unserem Stand überreicht. Das ist immer toll mit anzusehen“. Auch ein Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen sei ihr vom Vorabend der Jubiläums-Festwoche noch im Kopf. „Die waren beide um die 60 Jahre alt und er meinte ganz kokett: ‚Ach, mit 60 Jahren geht das auch noch!‘ und hat seiner Frau ein kleines Herz um den Hals gehängt.“ Einen Heiratsantrag haben die Betreiber der „Süßen Hütte“ aber bislang noch nicht miterlebt.

Königlicher Besuch auf der 70. Allgäuer Festwoche

Für die Bayerische Honigkönigin Katharina Eder aus Vilsbiburg in Niederbayern ist es dahingegen das erste Mal. Sie ist als amtierende Honigkönigin zur Jubiläumsfestwoche eingeladen und hat alle Hände voll zu tun. Standesgemäß im grün-violetten Dirndl, mit Krönchen und offizieller Schärpe steht sie erst beim Imkerverein Kempten-Oberallgäu e.V. Rede und Antwort. Der Verein ist dieses Jahr erneut mit einer Sonderschau „Auf den Spuren der Honigbiene“ auf der Festwoche vertreten. Anschließend schlendert sie selbst über das Gelände: „Die Leute sind schon seit längerer Zeit sehr sensibilisiert, wenn es um das Thema Bienen geht. Nach dem Volksbegehren zum Artenschutz gleich noch mehr. Ich werde oft angesprochen, viele haben Fragen oder erzählen mir, dass sie selbst ein Bienenvolk haben“, so die 24-Jährige, die zu Hause eine eigene Freizeit-Imkerei mit 40 Bienenvölkern betreibt. Für die Niederbayerin ist es die erste Allgäuer Festwoche und die hat sie gleich fasziniert. „Das ist wirklich eine riesengroße Messe. Da ist für jeden was dabei und es wird unheimlich viel geboten. Ich bin noch gar nicht ganz rumgekommen, weil es überall was anderes zu entdecken gibt. Aber bis 18 Uhr habe ich ja noch ein wenig Zeit“, sagt die Honigkönigin. „Und die werde ich nutzen, um mir die Jubliäums-Festwoche noch ausgiebig anzusehen.“

Kathrin Dorsch

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