"Ich habe keine Stunde bereut"

Das seltene Jubiläum der Eisernen Hochzeit 

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Die Jubilare freuen sich über den bunten Blumenstrauß von Bürgermeisterin Sibylle Knott

Kempten – Was für ein Glück, wenn man so einen Satz nach 65 gemeinsamen Ehejahren immer noch sagen kann! Beide Jubilare sind in Kempten geboren und aufgewachsen, sie in der Neustadt, er in der Altstadt im ehemaligen Beginenhaus, ohne Streit, wie Karl Färber anmerkt. Kennengelernt haben sie sich auf dem Emaus, in einer Wirtschaft bei der Keckkapelle. Er trug damals sehr moderne Schuhe und zeigte sie auch noch.

„Was für ein Angeber“, glaubte Maria Färber zuerst. Diese Meinung hat sie dann aber schnell geändert, als sie ihn näher kennenlernte. Er hatte sie jedoch schon länger beobachtet, am Bachtelweiher in einem selbst gehäkelten Bikini. „Da musst du mal nachhaken“, dachte er. 

Der gelernte Bäcker ließ sich später zum Kranführer umschulen. Er liebte seinen Beruf sehr. Keine Arbeit sei ihm zu schwer oder zu mühsam gewesen, betont er. Heute bastelt er gern, z. B. hat er eine wunderschöne Weihnachtskrippe selbst gebaut. Für eine seiner Enkelinnen hat er zuletzt einen Stiefelknecht gemacht. Auch die Urenkel kommen oft und haben Ideen, was der „Uri“ für sie basteln könnte. 

Maria Färber konnte dank der Hilfe der Oma, ihrer Mutter, auch berufstätig sein. Zunächst war sie in der Spinnerei und Weberei tätig, später dann beim Pressevertrieb Trunk. Aus der Ehe sind drei Kinder hervorgegangen, zwei Töchter und ein Sohn, fünf Enkel, sechs Urenkel und das siebte ist unterwegs. Der älteste Urenkel ist bereits 20 Jahre alt. 

Ihr Leben lang fuhren sie gerne in den Urlaub. Camping war ihr großes Hobby. Noch als die Kinder sehr klein waren fuhren sie mit dem VW Käfer an den Gardasee oder nach Jesolo. Später kamen dann auch Flugreisen dazu, nach Portugal, Griechenland, die Kanaren oder nach Paris, ihre Lieblingsstadt, wie Maria Färber schwärmt. Noch heute erinnern sich beide an das besondere Licht in Sacre Coeur. Zuletzt waren sie im Jahr 2015 für sechs Wochen auf einem Campingplatz bei Venedig, ihre zweite Heimat. Schwimmen, wandern und Spazierfahrten haben beiden immer eine große Freude bereitet. Seit 1970 wohnt das Jubelpaar jetzt in der hellen und lichtdurchfluteten Wohnung in der Lotterbergstraße, die damals ganz neu gebaut wurde. 

Zum Sektempfang am 65. Hochzeitstag war neben den Kindern auch 2. Bürgermeisterin Sibylle Knott mit einem Geschenkkorb und einem bunten Blumenstrauß gekommen. Außerdem überbrachte sie die Glückwünsche und ein Geschenk von Ministerpräsident Markus Söder. Abends wollte sich die ganze Familie zum Feiern treffen, zuerst in der Dreifaltigkeitskapelle und dann zum Essen in einem Restaurant. Alle wollten kommen, alle Kinder, Enkel und Urenkel. Bei der Frage nach einem Rezept für eine solch lange und glückliche Ehe sind sich beide Ehepartner einig: auf die Wünsche des anderen eingehen – und auch mal nachgeben können. Karl Färber sagt mit einem Augenzwinkern: „Und immer wieder fragen: Was willst Du mein Schatz? Und das von Anfang an beibehalten.“ Maria Färber stimmt ihm zu. Sie hat in ihrem gemeinsamen Leben keine einzige Stunde bereut.

Uschi Ostermeier Sitkowski

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