"Ich bin hier die Chefin"

Charlotte Reisacher feiert ihren 100. Geburtstag und bekommt Besuch vom Stadtoberhaupt

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Die Jubilarin neben Oberbürgermeister Thomas Kiechle mit (dahinter von rechts) Tochter Eva-Maria Reisacher, Sohn Thomas Reisacher und Agnes Baki, dem Engel des Hauses.

Kempten – Ein Zeichen von großer Stärke, wenn man das im Alter von 100 Jahren immer noch sagen kann. Charlotte Reisacher, die jetzt ihren 100. Geburtstag feiern durfte, ist die Wurzel, die der Familie Halt gibt, sagt ihre Tochter Eva-Maria Reisacher. Hier trifft sich die Familie, hier kommt man zusammen.

Zum Sektempfang am Vormittag war auch Oberbürgermeister Thomas Kiechle gekommen, der Charlotte Reisacher im Namen der Stadt Kempten gratulierte. Über seinen bunten Blumenstrauß freute sie sich besonders, ebenso wie über eine Riesenbreze in Form der Zahl 100, die ein befreundeter Bäcker als Geschenk für sie gebacken hatte. 

Zum großen Fest am Abend im Gasthof wollten dann alle kommen, neben Freunden, Nachbarn und Bekannten die ganze Familie: sieben Kinder, 18 Enkel und 20 Urenkel. Familienleben war für die Jubilarin immer sehr wichtig. Sie selbst stammt aus einer großen Familie mit 14 Kindern. Sie, die jüngste, ist mittlerweile die einzige noch Lebende. Die älteste Schwester wurde sogar 103. 

Ihren Mann hat die gebürtige Bremerin im Krieg in Rumänien kennengelernt. Er war dort als Soldat stationiert und sie als Telefonistin. Wilhelm Reisacher stammte aus München, wo er auch sein Abitur gemacht hatte. 1944 heiratete das Paar in Kempten während eines Heimaturlaubs. Auch der erste Sohn wurde 1945 in Kempten geboren. Alle anderen Kinder, sechs Söhne und eine Tochter kamen ebenfalls in Kempten zur Welt und leben auch heute noch alle in der näheren Umgebung. 

Wilhelm Reisacher war Studienrat an der Mädchenrealschule und in den 50er-Jahren im Stadtrat, in der Zeit, als das Krankenhaus gebaut wurde. Seit 1959 wohnte die Familie im eigenen Haus mit Garten, in dem die Jubilarin heute noch das Erdgeschoss bewohnt. Die Familie mit Haushalt und Garten waren immer ihr Leben, wie die Jubilarin betont. Kochen war ihre große Leidenschaft. Neben Allgäuer Gerichten kochte sie am liebsten italienisch. Spaghetti Bolognese sei Tradition gewesen, meint ihr jüngster Sohn Thomas Reisacher. Wie eine italienische Mama habe die Mutter gekocht und die ganze Familie sei auch jeden Samstag zusammengekommen. 

Außerhalb der Familie traf sich Charlotte Reisacher alle vier Wochen mit ihren Freundinnen zum Kaffeekränzchen. Mit ihrem Mann, der 2012 starb, durfte sie 68 glückliche Jahre verbringen und sogar die Eiserne Hochzeit feiern. Heute lebt sie bestens umsorgt mit ihrem jüngsten Sohn, der mit seiner Familie und kleinem Hund im oberen Stockwerk des Hauses wohnt und mit der rumänischen Pflegerin Agnes Baki, die mit ihr das Erdgeschoss bewohnt. 

Baki, die ihre Mutter liebevoll versorgt, sei ein wahrer Engel, betonen die Kinder. Sie möchten sie am liebsten adoptieren. Dafür sei sie zu alt, lacht Baki. Wenn sie von der Rund-um-Betreuung auch mal Urlaub braucht und nach Rumänien in Heimaturlaub fährt, wechseln sich die Kinder mit der Betreuung ab, was bestens funktioniert. Die zierliche, gepflegte alte Jubilarin verrät auch ihr persönliches Rezept für ein langes Leben: viele Kinder, viel Arbeit und immer Bewegung. In dem ganzen Rummel beim Sektempfang ist auch noch die Post angekommen, unter anderem ein Glückwunschschreiben von Ministerpräsident Markus Söder und eines von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dafür hat die Jubilarin jetzt aber keine Zeit. Die Post muss wohl bis morgen warten. Sie bestimmt, was hier passiert. Sie ist die Chefin.

Uschi Ostermeier-Sitkowski

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