"Ich bin tief enttäuscht"

Aus Frust über die aus ihrer Sicht verfehlte Stadt- und Gestaltungspolitik ist Gertraud Schwarz, besser bekannt als „Altstadt-Traudl“, vergangene Woche aus dem Verein der „Freunde der Altstadt Kemptens“ und der katholischen Kirche ausgetreten. Sie sei „tief enttäuscht“, schrieb das Gründungsmitglied des Vereins. Endgültiger Auslöser für diesen Schritt sind offenbar die Pläne zum Bau einer Tiefgarage unter dem Hildegardplatz.

1980 hatte Schwarz die Altstadtfreunde gegründet, 21 Jahre später ist Schluss. „Die Integration kann zwar als gelungen bezeichnet werden, aber ich sehe keinen Sinn mehr in dem Verein, nachdem es immer weniger Altstadtbürger gibt“, so die Altstadt-Traudl. Als Gründe für ihre Austritte führte sie vor allem den Verlust der Kirche, der Freilichtbühne und der Nahversorgung an. Als völlig misslungen bezeichnete sie außerdem die Gestaltung des St.-Mangplatzes. Das Fass zum Überlaufen brachten aber schließlich die Pläne zum Bau einer Tiefgarage unter dem Hildegardplatz. „Tradition und Geschichte der ältesten Stadt Deutschlands werden dadurch mit Füßen getreten“, so Traudl Schwarz. Eine deutliche bessere Alternative sei ein Parkhaus am Pfeilergraben. Hildegardplatz und Basilika müssten dagegen bewahrt werden. „Wer glaubt, mit 142 Tiefgaragenplätzen eine Stadt zu retten, ist auf dem Holzweg“, kritisiert sie. Ihren Rückzug aus der Kirche begründete sie mit der Haltung von Dekan Lechner zur Garage. Dietmar Markmiller, Vorsitzender der Altstadtfreunde, reagierte mit Bedauern auf Schwarz` Austritt. „Ich finde es schade, so ein Unikum zu verlieren“, sagte er dem KREISBOTEN. „Sie hat wahnsinnig viel getan für die Altstadt und hat sehr viel angestoßen.“ Ihre Beweggründe könne er zwar nicht nachvollziehen, „aber die Entscheidung muss ich akzeptieren.“

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